Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mobilfunk Für lokale Anwendungen reservierte 5G-Frequenzen verärgern Netzbetreiber

Die Bundesnetzagentur hat ein Viertel der 5G-Frequenzen für lokale Anwendungen wie Campuslösungen reserviert. Das sorgt für Ärger bei Netzbetreibern.
Kommentieren
Der Grund für die Sonderentscheidung der Bundesnetzagentur waren Forderungen der Industrie. Quelle: imago/Science Photo Library
5G-Symbol

Der Grund für die Sonderentscheidung der Bundesnetzagentur waren Forderungen der Industrie.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Berlin, Düsseldorf Die deutsche Industrie befindet sich in einer einmaligen Situation. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten etwa in China, Südkorea oder den USA steht ihnen auf dem Weg in die Zukunft mit 5G-Mobilfunknetzen ein Sonderweg offen: Die Bundesnetzagentur hat ein Viertel der begehrten Frequenzen für lokale Anwendungen reserviert, also für Campuslösungen bei Unternehmen oder Forschungseinrichtungen.

Sie sollen Frequenzen gegen eine noch nicht festgelegte Gebühr beantragen und dann ihre eigenen 5G-Netze aufbauen können – unabhängig von den Netzbetreibern, Deutscher Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und künftig auch United Internet (1&1).

Deren Ärger ist groß, dass ihnen 100 Megahertz entzogen wurden. Die Rechnung dahinter ist einfach: Je mehr Frequenzspektrum zur Verfügung steht, desto leichter wird es, große Flächen mit gutem Empfang zu versorgen.

Steht weniger Spektrum zu Verfügung, müssen mehr Masten für die gleiche Leistung gebaut werden. „Deutschland ist das erste Land in der Welt, das ein Viertel des jetzt bei der 5G-Auktion versteigerten Frequenzspektrums für private Netze auf dem Werksgelände reserviert hat“, klagte Telekom-Chef Timotheus Höttges kürzlich.

Die Entscheidung für den Sonderweg war das Ergebnis von Forderungen der Industrie. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, begründete den Sonderweg: „Das verlangen Industrie und Landwirtschaft von uns, und das liefern wir.“ Die Industriekonzerne müssen künftig zeigen, dass ihre Konzepte den Nachteil beim flächendeckenden Ausbau überwiegen.

Während der Frequenzauktion ließen die Netzbetreiber schon einmal über ihren Digitalverband Bitkom verbreiten, dass die Nachfrage gering sei. Der Bitkom, zu dessen wichtigsten Mitgliedern die drei etablierten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica gehören, legte dazu eine Umfrage vor.

Kaum Nachfrage nach lokalen Frequenzen

Danach hatten sie 505 Unternehmen in Deutschland befragt, von denen aber nur sechs Prozent Interesse an den lokalen Frequenzen habe. Bitkom-Präsident Achim Berg gab betroffen zu Protokoll: „Das hat mich sehr überrascht.“

Der mit Nachdruck vorgetragenen Forderung nach lokalen Frequenzen folge wohl kaum Nachfrage. „Damit liegen die Frequenzen ungenutzt brach“, warnte Berg. Er selbst räumte jedoch ein, dass es für eine abschließende Bewertung noch zu früh sei.

Die Umfrage rief den Zentralverband der Elektroindustrie auf den Plan. „Die Geschäftsmodelle sind absehbar“, sagte Verbandspräsident Michael Ziesemer dem Handelsblatt. Die drahtlose Echtzeitkommunikation ermögliche mehr mobile Anwendungen, erleichtere den Aufbau von Netzen und sei billiger, konterte er die Bitkom-Aussagen.

Sowohl in der Automobilindustrie, der Chemie, der Elektroindustrie und im Maschinenbau seien diese Parameter zentrale Argumente. „Die Grundlagen werden jetzt gelegt, auch wenn es noch ein paar Jahre dauert, bis die Netze stehen“, sagte Ziesemer.

Der gelernte Nachrichtentechniker und Vizepräsident bei Endress + Hauser macht keinen Hehl daraus, dass die Unternehmen „nicht in die Abhängigkeit der Telekommunikationsunternehmen geraten“ wollten. Es entspreche vielmehr dem „Prinzip der Marktwirtschaft, wenn es viele Anbieter gibt“. Ohnehin könnten die Netzbetreiber die Nachfrage „allein nicht bedienen“.

So habe er bereits die Unternehmen gebeten, ein Angebot zu unterbreiten, aber bisher noch keine Antwort erhalten. Auch beim Verband der Maschinenbauer kam der Unmut über die Netzbetreiber zum Ausdruck. Die Netzbetreiber sollten lernen, dass sie Dienstleister seien, hieß es.

Mehr: Nach dem Ende der Versteigerung starten die Telekomkonzerne den 5G-Ausbau. Was der neue Standard den Nutzern bringt – und wie die Tarife aussehen könnten.

Startseite

Mehr zu: Mobilfunk - Für lokale Anwendungen reservierte 5G-Frequenzen verärgern Netzbetreiber

0 Kommentare zu "Mobilfunk: Für lokale Anwendungen reservierte 5G-Frequenzen verärgern Netzbetreiber"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote