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Mobilfunk Huawei-Ausschluss in Großbritannien kostet weniger als befürchtet

Der Netzbetreiber BT hat vor riesigen Kosten durch einen Huawei-Bann gewarnt. Gegenüber Investoren revidierte der Konzern die Zahlen deutlich nach unten.
15.07.2020 - 17:04 Uhr Kommentieren
Das Beispiel Großbritannien zeigt, welche Folgen ein Ausschluss von Huawei in Deutschland haben könnte. Quelle: mauritius images / Jarom’r Chalabala / Alamy
Handynutzer in London

Das Beispiel Großbritannien zeigt, welche Folgen ein Ausschluss von Huawei in Deutschland haben könnte.

(Foto: mauritius images / Jarom’r Chalabala / Alamy)

Düsseldorf Mit Großbritannien hat erstmals ein europäischer Staat den chinesischen Netzbetreiber Huawei komplett aus seinem 5G-Mobilfunknetz verbannt. Vor allem die Telekommunikationsfirmen BT und Vodafone hatten gewarnt, der Schritt könnte zu zusätzlichen Kosten für den Netzausbau in Höhe von zwei Milliarden Pfund (2,2 Milliarden Euro) sowie einer Verzögerung um bis zu drei Jahren beim Ausbau des Echtzeitmobilfunks 5G führen. BT revidierte diese Angaben wenige Stunden später gegenüber Investoren jedoch deutlich nach unten.

In einer Mitteilung an die Aktionäre am Dienstagabend argumentierte der Konzern, die Entscheidung der Regierung um Premier Boris Johnson würde zu keinen zusätzlichen Kosten führen. BT-Chef Philip Jansen sagte: „Wir gehen davon aus, dass es uns der Zeitplan gestatten wird, die Änderungen ohne Einfluss auf unsere Netzabdeckung oder die Verlässlichkeit unserer bestehenden Netze durchzuführen.“

Nach der Entscheidung der Regierung vom Dienstag dürfen Netzbetreiber ab Ende des Jahres keine neuen 5G-Komponenten von Huawei mehr kaufen und müssen bereits verbaute Ausrüstung bis zum Jahr 2027 aus ihren Netzen entfernen. In Großbritannien haben drei von vier Netzbetreibern Teile von Huawei verbaut. Lediglich Telefónica (Marke O2) verzichtet in seinem Funknetz auf den chinesischen Anbieter (siehe Grafik).

Schon im Januar hatte Großbritannien den Einsatz von Huawei begrenzt. Damals hatte die Regierung einen maximalen Anteil von Huawei-Ausrüstung von 35 Prozent im 5G-Funknetz festgesetzt. Damals hatte BT die dadurch entstehenden Mehrkosten mit 500 Millionen Pfund (550 Millionen Euro) beziffert. Dieser Wert bleibe auch durch den Komplettausschluss gleich, erläuterte BT gegenüber den Investoren. Von Vodafone und Hutchison lagen zunächst noch keine aktualisierten Angaben vor.

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    Die Netzbetreiber hätten im Vorfeld die Kosten für ein Huawei-Verbot übertrieben, erklärt der dänische Telekommunikationsberater John Strand. „Die meisten europäischen Netze sind bereits drei bis fünf Jahre alt und müssen ohnehin erneuert werden“, sagte Strand.

    Grafik

    Die Mehrkosten, um chinesische Ausrüster in ganz Europa aus den Netzen zu entfernen, beliefen sich auf 3,5 Milliarden Dollar (rund 3,1 Milliarden Euro), was einmaligen Kosten je Mobilfunkkunden in Höhe von 6,5 Euro entspräche, rechnete Strand vor.

    Andere Analysten warnten jedoch vor dem Entstehen eines Duopols unter den Netzausrüstern in Großbritannien. Durch das Ausschließen von Huawei blieben den Mobilfunkern nur noch die beiden europäischen Lieferanten Ericsson und Nokia. James Barford von Enders Analysis warnte, der geringe Wettbewerb könne mittel- bis langfristig zu steigenden Preisen führen. Ericsson und Nokia teilten unmittelbar nach der britischen Entscheidung mit, sie stünden bereit, um die nötige Ausrüstung für das britische 5G-Netz zur Verfügung zu stellen.

    Auswirkungen auf den deutschen Markt

    Es gibt jedoch auch asiatische Anbieter, die zusätzlich auf den Markt drängen wollen. Mit Samsung aus Südkorea und dem japanischen Konzern NEC stehen zwei Netzausrüster bereit, die planen, ihre Produkte auch für den britischen und europäischen Markt anzupassen. Bislang sind viele ihrer Komponenten nicht mit der Netzinfrastruktur in Großbritannien oder Deutschland kompatibel.

    In Deutschland wird die Entwicklung in Großbritannien genau verfolgt. In Berlin wird seit rund zwei Jahren ein Ausschluss oder eine Begrenzung von Huawei beim 5G-Ausbau diskutiert. Bisher lehnt es Berlin jedoch ab, sich der US-Forderung zu beugen, chinesische Anbieter vom Bau des 5G-Netzes auszuschließen. Die USA werfen Huawei Spionage vor, das Unternehmen bestreitet dies.

    Auch in Deutschland hatten Netzbetreiber vor erheblichen Mehrkosten gewarnt. Die Technik von Huawei steckt bisher in allen deutschen Mobilfunknetzen. Beim 4G-Funknetz, das in dem meisten Fällen als Basis auch für 5G dienen soll, beansprucht Huawei einen größeren Marktanteil als Nokia und Ericsson zusammen.

    Laut einer Erhebung von Strand Consult machen Huawei-Komponenten 65 Prozent des 4G-Funknetzes der Deutschen Telekom und rund die Hälfte des Netzes von Vodafone und Telefónica aus (siehe Grafik). Wie hoch die Kosten letztlich sein werden, ist jedoch schwer einzuschätzen.

    Mehr: Großbritannien schließt Huawei vom 5G-Ausbau aus.

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