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Mobilfunk Telekom und Vodafone: Kartellamt prüft Kooperation beim Netzausbau

Die Netzbetreiber wollen gemeinsam in Regionen mit schlechtem Mobilfunkempfang die Infrastruktur verbessern. Die Marktwächter melden Bedenken an. Vodafone verteidigt den Plan.
09.09.2020 - 10:27 Uhr 1 Kommentar
Netzausbau: Kartellamt prüft Kooperation von Vodafone & Telekom Quelle: dpa
Mobilfunkmast

Auf dem Land ist die Mobilfunkversorgung in Deutschland lückenhaft.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Eine Vereinbarung zum gemeinsamen Netzausbau von Deutscher Telekom und Vodafone hat das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. „Im Moment ist das Bundeskartellamt in Kontakt mit den Kooperationsbeteiligten und weiteren Marktteilnehmern“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, dem Handelsblatt.

Telekom und Vodafone hatten im Februar angekündigt, in Regionen mit schlechtem Mobilfunkempfang – sogenannte „graue Flecken“ – an 4000 Standorten gemeinsam das Netz auszubauen. Die Betreiber wollen sich den Aufwand teilen und gegenseitig Zugang zu den Standorten gewähren. Das Kartellamt will prüfen, ob dadurch Rivalen wie Telefónica oder 1&1 Drillisch benachteiligt werden könnten.

Mundt sagte: „Das Bundeskartellamt begrüßt grundsätzlich Kooperationen zur Verbesserung der Netzabdeckung, sofern sie der Erzielung von Verbrauchervorteilen dienen, dafür erforderlich sind und den Wettbewerb nicht ausschalten.“ Die Zusammenarbeit könne jedoch negative Folgen haben, „wenn es dritten Mobilfunkanbietern nicht in gleicher Weise offensteht und diese dadurch im Wettbewerb benachteiligt werden“.

Mundt warnte: „Sollte sich eine solche gegenseitige Bevorzugung von Telekom und Vodafone abschottend auswirken und wettbewerbliche Vorstöße der anderen Anbieter erschweren, ist mittel- und langfristig eine verminderte Wettbewerbsintensität zu befürchten, die wiederum zu Nachteilen für die Verbraucher führt.“

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Standort erkennen

    Deutschland steht bei der Netzabdeckung im Mobilfunk im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Seit Jahren suchen Politik und Netzbetreiber nach Wegen, um die Versorgung zu verbessern.

    Mit der Versteigerung der Frequenzen für den 5G-Mobilfunk im vergangenen Jahr hatte die Bundesnetzagentur die Betreiber unter anderem verpflichtet, entlang aller Zugstrecken, Autobahnen und Bundesstraßen schnelles mobiles Internet anzubieten. Dazu hatte die Behörde die Netzbetreiber angeregt, beim Netzausbau zusammenzuarbeiten.

    Anbieter kooperieren in verschiedenen Projekten

    Im November vergangenen Jahres hatten dann die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica angekündigt, gemeinsam an 6000 Standorten Funklöcher schließen zu wollen. Jeder Betreiber will ein Drittel der neuen Standorte bauen und dort das Netz mit seinen Rivalen teilen.

    Im Februar legten dann Telekom und Vodafone mit ihrer Kooperation für weitere 4000 Standorte nach. Dabei geht es nicht um Funklöcher, sondern um die grauen Flecken, in denen mindestens ein Betreiber ausgebaut hat, die Konkurrenz aber nicht.

    Das Kartellamt schaut sich nun an, ob diese Partnerschaft zulasten der Konkurrenz geht. Telefónica hat bislang die schlechteste Netzabdeckung der drei Anbieter in Deutschland. Die Firma 1&1 Drillisch hatte zwar im vergangenen Jahr 5G-Frequenzen ersteigert, aber noch nicht mit dem Netzausbau begonnen.

    Gemischte Reaktion der Branche

    Vodafone verteidigte die Kooperation. Mit der Zusammenarbeit wollten die Betreiber für ein besseres Netz in Deutschland sorgen. „Mit dieser kommen wir auch dem politischen Willen nach mehr Kooperationen für bessere Netze nach“, sagte ein Firmensprecher.

    Dass die Kooperation lediglich auf Telekom und Vodafone beschränkt sei, habe technische Gründe. „Die technische Ausgestaltung dieser Mitnutzung in den bestehenden Netzen ist komplex und nur für eine bilaterale Kooperation anwendbar“, sagte der Sprecher. „Es steht aber beiden Unternehmen offen, ähnliche Vereinbarungen auch mit anderen Anbietern zu treffen.“ Daran sei Vodafone interessiert – und befinde sich mit Telefónica in „intensiven Gesprächen“.

    Ein Telekom-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Telekom kommentiere keine laufenden Verfahren, sagte er. Auch ein Sprecher von 1&1 wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

    Ein Telefónica-Sprecher sagte: „Die Zusammenarbeit der Betreiber beim Netzanschluss unterversorgter Regionen ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Verbesserung der Netzqualität für alle deutschen Mobilfunkkunden.“ Bei dem Thema graue Flecken sei das Unternehmen im Austausch mit anderen Anbietern. „Zur Schließung dieser grauen Flecken sind wir in sehr konstruktiven und fortgeschrittenen Gesprächen mit Marktteilnehmern“, sagte der Sprecher.

    Mobilfunkstandorte bieten lukratives Geschäft

    Seit Jahren experimentieren Netzbetreiber in Deutschland mit Ideen zur besseren Zusammenarbeit. Auf der einen Seite ist ein guter Netzempfang eines der wichtigsten Verkaufsargumente der Firmen für ihre Produkte. Auf der anderen Seite ist besonders auf dem Land der Ausbau von Mobilfunkstandorten langwierig und teuer.

    Daher treiben seit einiger Zeit die Netzbetreiber das Teilen von Mobilfunkstandorten in ländlichen Regionen voran. Dabei baut eine Firma eine Region aus und lässt dann an ihrem Mobilfunkmast auch ihre Rivalen gegen Mietgebühren Antennen anbringen. Es gibt jedoch immer wieder Streit um eine angemessene Höhe der Mietgebühren.

    Die Deutsche Telekom hat ihre Funktürme an die Tochtergesellschaft Deutsche Funkturm ausgelagert. Unter dem Manager Bruno Jacobfeuerborn vermarktet die Firma die mehr als 30.000 Mobilfunkstandorte der Telekom und treibt den Netzausbau voran. Das Geschäft gilt als sehr lukrativ – seit Jahren wird über einen Börsengang der Deutschen Funkturm spekuliert.

    Telefónica hatte erst im Juni angekündigt, rund 10.000 ihrer Mobilfunkstandorte in Deutschland für 1,5 Milliarden Euro an die Telxius Telecom S.A. zu verkaufen. Beide Firmen gehören der Telefónica-Muttergesellschaft in Spanien.

    Auch der Netzbetreiber Vodafone will seine Funktürme in eine Tochter abspalten. Das Geschäft soll an die Börse gebracht werden und dort nicht nur die Funktürme in Deutschland, sondern auch anderen Landesgesellschaften bündeln.

    „Wir bereiten uns auf einen möglichen Börsengang Anfang 2021 vor“, erklärte Firmenchef Nick Read im Februar. Der Firmensitz soll dann nicht bei der Zentrale in London, sondern am Standort der Deutschlandtochter in Düsseldorf sein.

    Mehr: Die 100-Milliarden-Auktion für UMTS-Mobilfunkfrequenzen prägt den Markt bis heute

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    1 Kommentar zu "Mobilfunk: Telekom und Vodafone: Kartellamt prüft Kooperation beim Netzausbau"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Na - wenn eine solche Kooperation genehmigt wird, dann könnten wir ja eigentich gleich das Kartellamt schließen,

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