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Mobilfunk US-Traum der Telekom wird wahr: Die Fusion von T-Mobile und Sprint ist besiegelt

Inmitten der Corona-Pandemie gelingt es der Deutschen Telekom, ihre Megafusion in den USA abzuschließen. Konzernchef Höttges will einen Marktführer bauen – dafür geht er Risiken ein.
01.04.2020 Update: 01.04.2020 - 17:49 Uhr Kommentieren
Seit zwei Jahren arbeitete die Deutsche Telekom an der Fusion. Quelle: imago images/wolterfoto
Filialen von Sprint und T-Mobile in New York

Seit zwei Jahren arbeitete die Deutsche Telekom an der Fusion.

(Foto: imago images/wolterfoto)

New York, Düsseldorf Nach mehr als zwei Jahren hat die Deutsche Telekom in den USA ihren größten Sieg errungen. Die Fusion ihrer Mobilfunktochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint wurde am Mittwoch besiegelt. Die letzten Schritte waren alles andere als einfach, wie Telekom-Chef Timotheus Höttges dem Handelsblatt erzählte. Aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus und zahlreicher Reisebeschränkungen seien die Verhandlungen über die letzten Details per Videokonferenz abgelaufen. Am Ende steht die Einigung aber.

Mit dem Zusammenschluss entsteht ein mächtiger Spieler auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt. T-Mobile, wie das fusionierte Unternehmen heißen soll, bringt es auf eine Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden Dollar. Ende 2019 hatten die beiden Unternehmen zusammengerechnet 140 Millionen Kunden und einen Umsatz von knapp 80 Milliarden Dollar.

Für die Telekom sind aber vor allem die Mobilfunkfrequenzen, die Sprint besitzt, wertvoll. Auf einen Schlag hat das vereinigte Unternehmen ein rund doppelt so großes Frequenzspektrum im Vergleich zu den Rivalen AT&T und Verizon. Mehr Spektrum bedeutet, dass die bestehenden Mobilfunkmasten eine bessere Leistung liefern können. Zudem erhält T-Mobile Zugang zu den Mobilfunkstandorten von Sprint. Die höhere Dichte an Standorten ist besonders für den nächsten Mobilfunkstandard 5G wichtig, den T-Mobile als erster Anbieter in den USA landesweit ausrollt.

In der Vergangenheit äußerten Analysten immer wieder die Sorge, dass Sprint die eigenen Zahlen geschönt und den Umfang seiner Kunden und seines Geschäfts übertrieben haben könnte. Telekom-Finanzchef Christian Illek räumte bei der Bilanzpressekonferenz der Telekom Mitte Februar ein, dass der Dax-Konzern erst mit Abschluss der Fusion alle Details der Geschäfte von Sprint erhalten werde.

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    Der Zugang zum Spektrum und zu den Standorten von Sprint ist jedoch sicher. Und der speist vor allem die erwarteten Synergien von 43 Milliarden Dollar nach Abzug der Kosten, mit denen die Telekom kalkuliert.

    Grafik

    Vor zwei Jahren hatte das Telekom-Management um Timotheus Höttges die Details des Deals mit Sprint-Eigner Softbank abgesprochen. Doch seitdem hat sich viel getan. T-Mobile konnte Quartal für Quartal mehr als eine Million Neukunden verbuchen. Sprint hingegen geriet in immer neue Schwierigkeiten.

    Telekom-Chefunterhändler und Vorstand Thorsten Langheim nutzte die Situation, um im letzten Moment die Konditionen für den Zusammenschluss um etwa fünf Milliarden Dollar zu verbessern. Softbank steht unter Druck wegen einer Reihe von schwierigen Investments – unter anderem um den geplatzten Börsengang des Co-Working-Anbieters WeWork.

    Die Telekom will jetzt in den USA durchstarten. „Wir können die Nummer eins auf dem Markt werden“, sagte Höttges. Bislang rangierte T-Mobile beim Marktanteil in den USA deutlich abgeschlagen auf Platz drei. Jetzt schließt das fusionierte Unternehmen auf einen Schlag zu den Branchenführern AT&T und Verizon auf.

    Eine Zustimmung stehen aus

    Kurz nach Bekanntgabe der Fusion erhielt die Telekom einen wichtigen Zuspruch. Die richterliche Genehmigung der Entscheidung der Kartellbehörde, der sogenannte „Tunney Act“ wurde gewährt. Das ist ein Gesetz, wonach ein Gericht das Okay für die Entscheidungen der Wettbewerbsaufsicht im Justizministerium geben muss.

    Mit dem Okay steht für die Telekom jedoch noch eine Hürde aus. Die Aufsichtsbehörde für öffentliche Versorgungsunternehmen in Kalifornien – die California Public Utilities Commission (CPUC) – hatte die Fusion an Bedingungen geknüpft. Auch mit der Landesbehörde gibt es noch keine Einigung.

    Das Telekom-Management entschied sich jedoch dafür, die Fusion trotzdem abzuschließen. „Wir haben alle wichtigen Genehmigungen bekommen – auch vom Staat Kalifornien“, sagte Höttges. Er sei sich sicher, dass es auch mit CPUC eine Einigung geben werde. Aber der Entschluss sei gefallen, wegen der Verhandlungen den Abschluss der Fusion nicht länger aufzuhalten.

    Die CPUC hatte am 11. März veröffentlicht, unter welchen Bedingungen sie ihr Okay für den Zusammenschluss geben will. Formal müssten danach noch 30 Tage verstreichen, damit sich die Parteien äußern können. Erst danach wird eine fünfköpfige Kommission die endgültige Entscheidung treffen.

    Die CPUC hatte ihre Zustimmung an Bedingungen wie Mindestabdeckungen und Mindestgeschwindigkeiten, aber auch eine Vorsorge für einen Katastrophenfall gebunden. Die dürften für Sprint und T-Mobile leistbar, aber teuer sein.

    Das Vorgehen der Telekom sei nachvollziehbar, argumentierte Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. Es sei unwahrscheinlich, dass die Hürde noch Probleme bereite, sagte Specht dem Handelsblatt. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wollten US-Behörden vermutlich keinem Mobilfunkanbieter zusätzliche Schwierigkeiten bereiten.

    T-Mobile und Sprint hatten bereits im Vorfeld die wichtigsten Hürden genommen. Unter anderem hatte das Justizministerium und auch die Telekommunikationsaufsicht FCC der Fusion zugestimmt. Damit die Verbraucher auch weiterhin zwischen vier Mobilfunkanbietern wählen können, muss Sprint seine Prepaid-Lizenzen an den Fernseh-Satelliten-Betreiber Dish abgeben. Dish bekommt außerdem Zugang zum Netz der neuen T-Mobile.

    Corona-Pandemie bremst Geschäft

    Die Fusion kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Coronakrise auch in den USA alles überschattet. Eigentlich hatte T-Mobile geplant, noch am Tag der Einigung überall die Schilder der Sprint-Läden mit den eigenen magentafarbenen T-Mobile-Schildern zu ersetzen. Doch jetzt sind fast alle Geschäfte geschlossen.

    Derzeit sitzen auch in den USA die meisten Menschen zu Hause, und die bisher vier Mobilfunkanbieter überbieten sich gegenseitig mit Aktionen, den Amerikanern zu helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben. Sie bieten für die meisten Verträge unbeschränktes Datenvolumen. T-Mobile ist außerdem mit einem günstigen 15-Dollar-Angebot auf den Markt gekommen und gibt den Kunden Youtube Premium gratis dazu.

    Der scheidende CEO John Legere hat sich im Magenta-Look ins Homeoffice zurückgezogen, feiert den World Doctors Day und ruft die Menschen auf, zu Hause zu bleiben. Außerdem lässt er T-Mobile für wohltätige Aktionen wie „Feeding America“ spenden, die Menschen Essen bringt. Am Sonntag war seine letzte Kochshow, der SlowCooking-Stream.

    Aus Sicht von T-Mobile sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowohl ein Risiko also auch eine Chance. Zunächst dürfte das fusionierte Unternehmen von zahlreichen Zahlungsausfällen seiner Kunden getroffen werden. T-Mobile – aber auch Sprint – hatte immer wieder Angebote gemacht, die sich gerade an Kunden mit weniger Budget richteten. Daher könnten die Auswirkungen der Krise aufgrund von Entlassungen größer sein als bei AT&T und Verizon.

    Dass die Shops der Telekommunikationsfirmen geschlossen sind, führt jedoch auch dazu, dass weniger Kunden ihren Tarif wechseln durften. Der befürchtete große Ansturm von Sprint-Kunden, die schnell die Details der Umstellung wissen möchten, könnte nun geringer ausfallen. Zudem ist ein kurzfristiges Abwandern zu AT&T oder Verizon gebremst. T-Mobile dürfte mehr Zeit haben, einen möglicht guten Ablauf der Fusion für seine Kunden zu gewährleisten.

    Die Telekom muss mit der Fusion die Schulden in den USA neu sortieren. Das vereinte Unternehmen hat Verbindlichkeiten von Sprint zu tragen. Gleichzeitig hat Konzernchef Höttges das Ziel ausgegeben, dass sich das US-Geschäft selbst finanzieren soll. T-Mobile zahlt dafür insgesamt 14 Milliarden Dollar an die Telekom zurück, davon unmittelbar acht Milliarden. Die Schulden in den USA werden für bis zu zwei Jahre über eine Brückenfinanzierung eines Bankenkonsortiums getragen.

    Aktualisierung: Nach Veröffentlichung der ersten Version des Textes erhielt die Telekom eine weitere Genehmigung für die Fusion. Damit steht noch eine Hürde aus. Der Text wurde entsprechend angepasst.

    Mehr: Tim Höttges: „Die Telekom ist erfahren im Managen von Krisen“

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