Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mobilfunkstandard Schaulaufen um 5G-Kunden beginnt: Telekom startet erstes Privatkundenangebot

Auf kleiner Fläche hat der Bonner Konzern ein Testnetz freigeschaltet. Die Konkurrenten der Telekom umwerben zunächst vor allem Kunden aus der Industrie.
Update: 03.07.2019 - 17:52 Uhr Kommentieren
Bis Ende des Jahres würden rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten gebaut und in Betrieb genommen. Quelle: dpa
Arbeiten am Mobilfunkmast

Bis Ende des Jahres würden rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten gebaut und in Betrieb genommen.

(Foto: dpa)

Berlin Wild fuchtelnd hampeln zwei Männer über ein Spielfeld – vor ihren Augen klobige Datenbrillen, über der Kleidung ein dünner Sensoren-Anzug. Was sie in der improvisierten Sporthalle tun, erschließt sich erst beim Blick auf den nebenstehenden Bildschirm: Die beiden duellieren sich in einem Computerspiel.

„Das können Sie auch auf der Wiese spielen. Wir bieten echte Bewegung für Gamer“, sagt Menno Bischops, Gründer des Eindhovener Start-ups Vree – Partner der Telekom. Schließlich soll erst der neue Mobilfunkstandard 5G das unbeschwerte Spiel im Park ermöglichen.

Die deutschen Mobilfunker sind derzeit dringend auf der Suche nach solchen Beispielen, die die neue schnelle Mobilfunktechnik greifbar machen. Sie liefern sich ebenfalls einen Wettstreit – nicht virtuell, sondern ganz real – um die Kunden.
Denn drei Monate lang hatten die Finanzfachleute und Strategen das Sagen.

Das Ergebnis ist bekannt: Auf stolze 6,6 Milliarden Euro schaukelte sich die Auktion um die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G hoch. Drei Wochen nach Ende der Auktion übernehmen nun die Marketingabteilungen das Ruder. Die vier Anbieter, die Frequenzen gekauft haben – Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch – müssen schließlich das Geld in den nächsten Jahren wieder einspielen.

Dabei gibt es ein Problem: Die Mobilfunker müssen den Kunden jetzt nahebringen, wieso sie eigentlich schon wieder einen neuen Technik-Standard nutzen sollen. Schließlich hat etwa die Telekom erst vor gerade einmal einem Jahr auch den Kunden ihrer Billigschiene Congstar den 2010 eingeführten LTE-Standard freigeschaltet. Wer 5G nutzen will, braucht eines der wenigen brandneuen Smartphones, die den Standard verarbeiten können – und neue Verträge.

Die Herausforderung bei Privatkunden ist bekannt: Auch zum Start des heutigen Standards LTE gab es wenig Anwendungen. Beliebte Dienste wie Spotify und Instagram kamen erst in den Jahren danach auf die Handys. Auf eine ähnliche Entwicklung hoffen die Telekom-Manager auch im 5G-Privatkundengeschäft, wenn sie Entwickler wie Vree fördern.

Im Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Kunden liegt die Telekom seit Mittwoch leicht vorn. In Berlin verkündete Deutschlandchef Dirk Wössner, der Konzern schalte ab sofort sein bisheriges Testnetz in Bonn, Berlin und Darmstadt für Endnutzer frei. 150 Antennen sind damit im freien Betrieb. Zum Vergleich: Derzeit hat allein die Telekom 29.000 Mobilfunkantennen in Deutschland in Betrieb.

Wirklich nutzen kann 5G daher zum Start nur, wer im kleinen Umfeld um die Teststandorte unterwegs ist. „Das Angebot richtet sich an diejenigen, die wirklich von Anfang an dabei sein wollen“, sagte Telekom-Technikchefin Claudia Nemat denn auch, um Enttäuschung zu verhindern. Nötig ist neben dem neusten Top-Handymodell ein spezieller Tarif für knapp 85 Euro – etwa fünf Euro mehr als der bisherig Top-Tarif. Noch 2019 soll das Netz auch in Hamburg, Leipzig und München starten.

Wichtig ist die Pole-Position für die Markenbotschaft: „Wir investieren so viel wie kein anderes deutsches Unternehmen.“ Das Unternehmen behandelte die Pressekonferenz daher im Vorfeld wie eine Geheimsache, lud lediglich zu „einem ersten Ausblick“ ein. Tatsächlich überrumpelten die Bonner damit die PR-Leute von Vodafone, die sich den Mittwoch für eine eigene Ankündigung mit hohem Aufmerksamkeitswert ausgeguckt hatten: Sie vermeldeten eine Kooperation mit der Bundesliga.

Anders als die Telekom kann Vodafone jedoch noch kein 5G-Angebot vorweisen – bei dem Konzern funkt allein eine einzige Antenne auf dem eigenen Campus in Düsseldorf. Erst im Laufe des Sommers werde Vodafone einen eigenen Tarif sowie die ersten Standorte ankündigen, hieß es.

Angefasst reagierte auch Telefónica: „Für uns steht kein öffentlichkeitswirksames Schaulaufen im Vordergrund, sondern der tatsächliche Kundennutzen. Und der erfordert eine massenhafte Verfügbarkeit von Endgeräten zu einem vernünftigen Preis sowie gleichermaßen verfügbare Systemtechnik“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Abseits von Einzelprojekten werde das erst 2020 der Fall sein. Allerdings wolle Telefónica nach Tests in Berlin und München „schnellstmöglich an den Start gehen“.

Auch Drillisch, Neuling als Betreiber, liegt noch zurück. „Wo und wann die Antennen stehen werden, können wir noch nicht verlässlich sagen“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Zunächst müssten Aufstellplätze gefunden werden. Der Anbieter werde aber die Vorgaben der Netzagentur einhalten und 2025 ein Viertel, 2030 dann die Hälfte des Landes abdecken.

Wettlauf um die Industrie

Anfangs stehen die Privatkunden beim Netzaufbau gar nicht so sehr im Fokus. „Der 5G-Ausbau ist aus unserer Sicht zuerst einmal für die Industrie 4.0 interessant“, erklärte Telefónica-Sprecherin Katja Hauss. Hier wittern alle Anbieter ein neues Geschäftsfeld, nämlich den Aufbau von Mobilfunk-basierten Campus-Netzen.

Es geht um viel mehr als die bislang üblichen Mobilfunktarife für Geschäftskunden: Künftig könnte es firmeneigene Mobilfunknetze geben – aufgebaut von den Mobilfunkern, die die Frequenzen dafür ersteigert haben. Bislang laufen Roboter und Fahrzeuge in Fabrikhallen meist über WLAN, dessen Frequenz jeder frei nutzen kann. Mehr Sicherheit und höhere Kapazität soll die Industrie zum Umstieg auf die regulierten Bänder verleiten.

„Campus-Netze sind für uns ein Riesenthema“, bestätigte ein Vodafone-Sprecher. Sein Unternehmen wetteifert derzeit mit der Telekom und Telefónica um die Aufmerksamkeit der deutschen Ingenieure. Die Mobilfunker haben Pilotprojekte mit ersten Kunden vereinbart, die sie gern öffentlich vorzeigen. Vodafone schmückt sich mit dem sympathischen E-Autohersteller e.Go aus Aachen. Telefónica kann mit Daimler sogar einen Dax-Konzern vorweisen.

Die Telekom führt den bayerischen Leuchtenhersteller Osram an. Sie gab am Mittwoch zudem eine Absichtserklärung mit dem Transportroboterbauer EK Automation bekannt, die etwa eine gemeinsame Vermarktung umfassen könnte. 5G soll dabei ermöglichen, mehr Fahrzeuge zu koordinieren. „Wenn 5G kommt, können wir sofort mit am Start sein“, hofft nun auch EK-Entwicklungschef Karsten Bohlmann.

Mehr: Antje Williams will Geschäftskunden vom Vorteil eigener Mobilfunknetze auf dem Firmengelände überzeugen. Die Telekom Managerin ist überzeugt: „Mobilfunk ist WLAN oft überlegen.“

Startseite

Mehr zu: Mobilfunkstandard - Schaulaufen um 5G-Kunden beginnt: Telekom startet erstes Privatkundenangebot

0 Kommentare zu "Mobilfunkstandard: Schaulaufen um 5G-Kunden beginnt: Telekom startet erstes Privatkundenangebot"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote