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Mobilfunkstandard Vier Gründe, warum Österreich Deutschland bei 5G abhängt

Trotz Regierungskrise befindet sich der Alpenstaat im 5G-Fieber. Dabei ist Österreich viel erfolgreicher als das Nachbarland Deutschland.
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In Österreich sind die nötigen Frequenzen bereits seit März vergeben – Gesamtsumme: 188 Millionen Euro. Quelle: T-Mobile
Mobilfunkstandard 5G

In Österreich sind die nötigen Frequenzen bereits seit März vergeben – Gesamtsumme: 188 Millionen Euro.

(Foto: T-Mobile)

WienDeutschland erlebt eine endlose Geschichte. Auch nach elf Wochen und Höchstgeboten im Gesamtwert von mehr als 6,1 Milliarden Euro ist kein Ende der Versteigerung der Frequenzen für den Echtzeitmobilfunk 5G in Sicht.
Im Nachbarland Österreich sieht es anders aus. Die Alpenrepublik hat die nötigen Frequenzen im März für eine Gesamtsumme von 188 Millionen Euro vergeben. Seitdem treiben die Mobilfunkfirmen des Landes den Ausbau voran.
Beide Staaten hatten das Ziel ausgegeben, bei der Zukunftstechnik vorn mitzuspielen. Schon beim aktuellen Mobilfunkstandard 4G sei Österreich besser aufgestellt, argumentierte Peter Boyland vom Mobilfunkspezialist Opensignal. Das könnte sich bei 5G wiederholen. „Es sieht so aus, als würde Österreich auch dieses Rennen gewinnen“, sagte Boyland dem Handelsblatt.

Die Alpenrepublik hat Deutschland bei der Zukunftstechnik 5G abgehängt – und das trotz Regierungskrise. Dafür stehen vier Faktoren.

1. Die Frequenzauktion

Österreich hat seine Mobilfunkfrequenzen bereits vergeben. Damit haben die Unternehmen Planungssicherheit. Selbst im Verhältnis zur Bevölkerung war das Spektrum in Österreich deutlich günstiger als in Deutschland. Und während die Netzbetreiber in der Bundesrepublik weiter für die besten Frequenzen bieten, läuft der Ausbau der Zukunftstechnik in Österreich bereits an.

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Der seit September vergangenen Jahres im Amt befindliche CEO des Marktführers A1 Telekom Austria, Thomas Arnoldner, meint: „Das Ziel der Bundesregierung, 2025 in Österreich überall 5G verfügbar zu machen, halte ich für sehr realistisch. Österreich übernimmt bei 5G eine Vorreiterrolle in ganz Europa“, sagte er dem Handelsblatt in Wien. „Die Initialzündung dafür war die frühe Versteigerung der 3,5-Gigahertz-Lizenzen.“

Arnoldner will das Zukunftsnetz bauen, einen festen Zeitplan hat er aber noch nicht veröffentlicht.

Neben A1 Telekom Austria, die mehrheitlich im Besitz des Telekomriesen America Movíl des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim ist, kamen bei der Auktion im März auch Magenta, die Österreichtochter der Deutschen Telekom, und Drei, Mobilfunktochter des chinesischen Mischkonzerns Hutchinson, zum Zuge. Die finanzielle Belastung ist dabei überschaubar geblieben.

„Die Kosten für die Frequenzvergabe haben in Österreich zum Glück nicht finanzielle Ausmaße angenommen, wie wir sie in Deutschland sehen“, sagte CEO Arnoldner. A1 Telekom Austria zahlte 64 Millionen Euro für die 3,5-Gigahertz-Lizenzen. Die nächste Auktion beginnt im Jahr 2020. „Die österreichische Regierung hat ein ganz starkes Interesse an Infrastruktur- und Standortweiterentwicklung. Das hat die erste 5G-Auktion bewiesen“, so Arnoldner.

2. Die Netzqualität

Österreich hat heute schon eine deutlich bessere Netzabdeckung als Deutschland. Der auf die Analyse von Netzqualität spezialisierte Dienstleister P3 bescheinigte der Alpenrepublik im letzten Test für das Jahr 2018 einen Wettkampf auf hohem Niveau.

Bei einem Vergleich von Deutschland, Österreich und der Schweiz sahen die Tester die Anbieter aus Österreich klar auf den Spitzenplätzen. „Und Jahr für Jahr liefern sie sich im eigenen Land ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf höchstem Niveau“, bescheinigten die P3-Tester zusammen mit dem Magazin „Connect“.

Der Unterschied in den Netzen lässt sich auch in Zahlen festmachen. Heute gibt es laut Daten der Bundesnetzagentur etwa 75.000 Mobilfunkstandorte in Deutschland. Das entspricht etwa neun Standorten pro 10.000 Einwohner. In Österreich gibt es hingegen 18.000 Standorte, was etwa 21 Masten pro 10.000 Einwohner entspricht.

Mobilfunkexperte Boyland bescheinigt Österreich mit seinen Bergen eine schwierigere Topografie. Daher sind mehr Masten nötig, um ein gutes Netz zu etablieren. Trotzdem schneidet Österreich in den Untersuchungen von OpenSignal deutlich besser als Deutschland ab.

Der heutige Stand der Netzabdeckung ist wichtig. Denn für 5G wird kein komplett neues Netz errichtet. Die Standorte werden aufgerüstet. Eine gute Netzabdeckung ist eine gute Voraussetzung für 5G.

3. Der Wettbewerb

Obwohl Österreich im europäischen Vergleich bereits ein qualitativ hochwertiges Mobilfunknetz hat, liefern sich die Anbieter ein hartes Ringen um eine noch bessere Abdeckung und mehr Kunden.

Die Deutsche Telekom schaltete in Österreich vor Kurzem auf Frontalangriff. Der alte Markenname der Landesgesellschaft T-Mobile Austria wird derzeit mit einer aufwendigen Werbekampagne durch die neue Marke Magenta ersetzt.

Zum Marktstart reiste Telekom-Chef Timotheus Höttges nach Wien. Die Deutsche Telekom, die im Jahr 2000 mit dem Mobilfunk in Österreich eingestiegen war, erwarb im vergangenen Jahr für 1,8 Milliarden Euro den Kabelnetzbetreiber UPC. Nun kann der Bonner Konzern den Ex-Monopolisten A1 Telekom Austria herausfordern.

Zuletzt hat der Konzern kräftig in den Netzausbau investiert. Beim Mobilfunktest der Zeitschrift „Connect“ konnte sich Magenta auf den ersten Platz vorkämpfen. „Wir verbinden das ultraschnelle Glasfasernetz und das beste Mobilfunknetz“, sagte der Österreichchef der Deutschen Telekom, Andreas Bierwirth. Die ersten Regionen versorgt Magenta seit März mit 5G.

4. Die Risiken

Österreichs Vorsprung führt auch dazu, dass das Land vor Problemen steht, die künftig auch die Bundesrepublik treffen könnten. Eine offene Frage ist beispielsweise, welcher Ausrüster die Technik bereitstellen wird. Als globaler Marktführer gilt der chinesische Konzern Huawei. Doch die USA erheben schwere Sicherheitsvorwürfe gegen den Konzern.

Beim Netzausbau hat sich A1 Telekom Austria für den finnischen Konzern Nokia entschieden. Die Deutsche Telekom hat bislang bei ihrer Landestochter auf Huawei gesetzt. Noch hat sie sich nicht festgelegt, ob sie auch bei 5G an Huawei festhält.

Zudem wachsen Vorbehalte in der Bevölkerung. Menschen haben Angst vor Gesundheitsrisiken durch die Strahlung, die von Mobilfunkantennen ausgeht. Hier müssen die Netzbetreiber noch Überzeugungsarbeit leisten.

Mehr: Während in Deutschland noch versteigert wird, wird in der Schweiz schon gesendet: Die Eidgenossenschaft hat die 5G-Technik in Rekordzeit eingeführt.

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