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Mobilität Chinas Techkonzern Xiaomi will zehn Milliarden Dollar in Autoproduktion stecken

Der Smartphone-Hersteller Xiaomi expandiert sein Geschäft in den Automobilsektor. Hinter der Ankündigung steht ein ambitionierter Plan des Gründers Lei Jun.
30.03.2021 Update: 30.03.2021 - 16:35 Uhr Kommentieren
Der Xiaomi-Gründer will persönlich die Entwicklung von smarten Autos vorantreiben. Quelle: dpa
Lei Jun

Der Xiaomi-Gründer will persönlich die Entwicklung von smarten Autos vorantreiben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi will zum Autobauer werden. Firmengründer Lei Jun kündigte an, seine Firma werde die Cashreserven des Konzerns mobilisieren und zehn Milliarden Dollar in die Entwicklung von smarten E-Autos während der nächsten zehn Jahre investieren. „Diese Entscheidung hat der Vorstand heute getroffen“, sagte Lei Jun am Dienstag in Peking.

Auf einer Konferenz stellte Lei Jun zwei Stunden lang neue Produkte wie Smartphones, Saugroboter, Klimaanlagen und Laptops vor, bis er zu den Autoplänen kam. „Ich habe lange mit der Entscheidung gerungen“, sagte der Gründer. Es habe zehn Jahre gedauert, Xiaomi zur global drittwichtigsten Smartphone-Marke zu machen. Jetzt sei die Zeit für eine strategische Neuausrichtung gekommen.

„Im E-Auto-Markt sind wir ein Nachzügler mit wenig Erfahrung. Aber wir lernen schnell und haben hervorragende Fachkräfte“, sagte Lei Jun. „Ich werde die Autotochter-Firma von Xiaomi selbst leiten“, fügte er hinzu. Es werde das letzte große unternehmerische Abenteuer seines Lebens sein, so der 51-Jährige. Vor der Gründung von Xiaomi hatte er andere Technologiefirmen aufgebaut und ist heute auch als Investor aktiv. Er hält unter anderem Anteile am US-Autobauer Tesla.

Die Präsentation zu den E-Autoplänen seines Unternehmens leitete er mit einem Foto von sich neben dem Tesla-Chef Elon Musk ein. „Ich habe großen Respekt für seine Leistung“, sagte Lei.

Einen Zeitplan oder eine konkrete Strategie für das Autoprojekt äußerte er nicht. Er sagte lediglich, der Vorstand von Xiaomi habe sich seit dem 15. Januar intensiv mit der Autobranche beschäftigt und sich nach zwei Vorstandstreffen und dem Input von 200 Branchenexperten zum Aufbau der Automobil-Tochtergesellschaft entschlossen.

Das Anfangsinvestment in das Autosegment betrage zehn Milliarden Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro), kündigte Xiaomi in einer Mitteilung an der Hongkonger Börse an.

Xiaomi strebe an, auch externe Investoren für das Projekt anzuwerben und so ein Gesamtbudget von 100 Milliarden Yuan (13 Milliarden Euro) schon während der kommenden drei Jahre in die Entwicklung und Produktion der Fahrzeuge investieren zu können, berichtete die Finanzagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. 60 Prozent des Budgets werde Xiaomi selbst beisteuern und den Rest über externe Geldgeber einsammeln.

Bewertung von 70 Milliarden Euro

Xiaomi kann sich den Ausflug in die Autobranche finanziell leisten. Aus dem jüngsten Geschäftsbericht geht hervor, dass der Konzern zum Ende des Jahres 2020 Barmittel und Äquivalente im Umfang von 100 Milliarden Yuan angespart hatte. Der in Hongkong gelistete Technologiekonzern wird derzeit mit umgerechnet rund 70 Milliarden Euro bewertet.

Die Fahrzeuge würden nicht von Xiaomi selbst, sondern von Partnern gefertigt, berichtete Bloomberg. Xiaomi arbeitet seit Jahren eng mit dem Apple-Zulieferer Foxconn zusammen. Der US-Konzern Apple soll laut Gerüchten auch an der Entwicklung eines eigenen Autos arbeiten.

Xiaomi könnte für die Produktion Werke des chinesischen Autobauers Great Wall Motor nutzen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Im Jahr 2023 würden das erste Automodell auf den Markt kommen.  Es soll in der Lage sein, mit anderen Xiaomi-Geräten zu kommunizieren.

Das Unternehmen strebe auch an, externe Investoren anzuwerben. Quelle: AFP
Xiaomi-Logo

Das Unternehmen strebe auch an, externe Investoren anzuwerben.

(Foto: AFP)

Die Aktie von Xiaomi legte nach der Ankündigung zunächst mehr als drei Prozent zu. Analysten bewerteten die ersten Pläne positiv. „Xiaomi will einen etablierten Autobauer für die Infrastruktur zum Bau von Prototypen finden und auf den eigenen Vorteilen beim mobilen Internet aufbauen“, sagte Alan Kang, Analyst bei LMC Automotive, der Agentur Reuters. „Die Erfahrungen bei Betriebssystemen und bei smarten Möbeln kommen derartigen Kooperationen zugute.“

„Traditionelle Autohersteller haben nicht die gleichen Vorteile bei der Herstellung von Elektroautos, daher macht es Sinn, dass hocheffiziente Internetfirmen, die Softwareentwicklung pushen können, einsteigen und es versuchen“, sagte Yale Zhang, Gründer der Beratungsfirma Automotive Foresight in Schanghai, der „Financial Times“.

Tu Le, Gründer der Beratungsfirma Sino Auto Insights, stellte die Ankündigungen ins Verhältnis zu US-Konzernen: „Chinesische Unternehmer verfolgen, was das Silicon Valley macht. Es gibt Neid, sodass Xiaomi als Apple-Rivale sieht, was seine US-Konkurrenz macht und sagt, wir können darin auch erfolgreich sein.“

Xiaomis größte strategische Neuausrichtung seit Firmengründung

Für Xiaomi ist es die größte strategische Neuausrichtung seit der Firmengründung 2010. Lei Jun hatte die Firma stark auf Smartphones ausgerichtet. Heute gehört Xiaomi zu den größten Smartphone-Herstellern der Welt. In Deutschland war die Firma nur ein Jahr nach ihrem Start 2019 die drittwichtigste Smartphone-Marke.

In Düsseldorf betreibt das Unternehmen seine Deutschlandzentrale. Sie werde jedoch künftig zu einer Europazentrale ausgebaut, kündigte Deutschlandchef Alan Chen Li kürzlich an.

„Wir werden mit mehreren Hundert Mitarbeitern vor Ort sein“, sagte Alan Chen Li dem Handelsblatt. Bereiche wie Logistik, Finanzen, Service und Marketing sollen künftig von Düsseldorf aus gesteuert werden. Für den Standort spreche die zentrale Lage in Europa.

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In den USA war Xiaomi zum Jahresanfang in den Fokus der Behörden geraten. Das US-Verteidigungsministerium hatte Xiaomi Mitte Januar als „kommunistisch-chinesische Militärfirma“ eingestuft und auf eine schwarze Liste gesetzt. US-Investoren wurden aufgefordert, alle Papiere des in Hongkong gelisteten Unternehmens bis spätestens November zu verkaufen. Der Kurs von Xiaomi war daraufhin um mehr als zehn Prozent eingebrochen.

Xiaomi ging juristisch gegen die Einstufung vor und erwirkte vor rund zwei Wochen, dass die Beschränkungen ausgesetzt werden. Ein Urteil steht in dem Prozess noch aus (Fallnummer 21-cv-280).

Mehr: Xiaomi plant Europazentrale mit Hunderten Mitarbeitern in Deutschland.

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