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Netzausbau Bei der 5G-Auktion zeichnen sich Gewinner und Verlierer ab

Die Mobilfunkunternehmen treiben die Preise bei der 5G-Auktion in die Höhe. Dabei wollten die Firmen wenig ausgeben. Ein Gewinner und ein Verlierer treten zutage.
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5G-Auktion: Gewinner und Verlierer zeichnen sich ab Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Mobilfunkmasten für ein 5G-Netz

Die neue Technologie verspricht Übertragung in Echtzeit für die vernetzte Produktion der Zukunft.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

DüsseldorfEs ist Anspannung pur. Und das seit vier Wochen. In vier Räumen sitzen die Teams der Mobilfunkunternehmen in einem abgeriegelten Flur der Niederlassung der Bundesnetzagentur in Mainz. Eigentlich sollte hier der Aufbruch in den Mobilfunk der Zukunft beginnen.

Denn hier wird über die Aufteilung der Frequenzen für den Echtzeitmobilfunk 5G entschieden. Der neue Standard verspricht Datengeschwindigkeiten mit dem Hundertfachen der aktuellen 4G-Netze. Dank der Übertragung in Echtzeit hofft die Industrie auf einen Antrieb für die Vernetzung der Produktion. 5G soll als Turbo für die Industrie 4.0 fungieren.

Doch der Aufbruch lässt sich Zeit. Denn auch nach 189 Runden konnten sich die Bieter nicht auf eine Aufteilung der begehrten Frequenzen einigen. Und so treiben sie Runde für Runde den Preis weiter nach oben. Dabei möchte jedes Unternehmen eigentlich möglichst wenig für die Frequenzen ausgeben.

Es bieten die etablierten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und der Herausforderer United Internet. Schon nach wenigen Tagen wurde klar, dass die Unternehmen den Neueinsteiger nicht rausbieten wollten.

Eine Einigung schien vor zwei Wochen nah. Damals stand der Gesamteinsatz noch bei 2,3 Milliarden Euro. Nur noch um einen von insgesamt 41 Blöcken wurde gerungen. „Der eine strittige Block führte zu einem jetzt schon sehr teuren Konflikt“, schrieben Professor Vitali Gretschko vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und der Spieltheoretiker Stephan Knapek von der Beratungsgesellschaft TWS Partners in einer gemeinsamen Analyse für das Handelsblatt.

Denn statt sich zu einigen, brach ein Streit um immer mehr Blöcke aus. Mit neuen Geboten machten sich Firmen Frequenzblöcke gegenseitig streitig.

Runde um Runde schaukeln sich so die Einsätze hoch. Bei der jüngsten Runde am Freitagabend, Nummer 189, hatten sich die Höchstgebote auf die insgesamt 41 Frequenzblöcke auf 5,29 Milliarden Euro summiert.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Bei der Auktion der 5G-Frequenzen ist auch zu Beginn der fünften Woche kein Ende absehbar. Doch klar ist: Herausforderer United Internet, der über die Tochterfirma 1&1 Drillisch mitbietet, scheint sehr gute Chancen zu haben, ein lukratives Paket an Frequenzspektrum zu ergattern. Damit wäre Firmenchef Ralph Dommermuth so nah wie nie zuvor an seinem Ziel, ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen.

Die Auktion in Mainz ist ein komplexes Verfahren. Im Vorfeld hat die Bundesnetzagentur das Frequenzspektrum in 41 Blöcke unterteilt. Die Vergabe verläuft so lange, bis keine Firma mehr neue Gebote abgibt. Es wird jeweils in Runden geboten. Eine Runde dauert maximal eine Stunde. Bis zum Ende der gesamten Auktion kann jedes Unternehmen zu jedem Zeitpunkt einer Runde neue Höchstgebote platzieren. Dadurch können immer wieder neue Bietergefechte ausbrechen. Und das passiert wieder und wieder – schon seit Wochen.

Hinter den Kulissen ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. Vertreter der Unternehmen beschuldigen sich gegenseitig, für die Eskalation verantwortlich zu sein. Im Ergebnis leiden alle.

Selbst unter Experten ist umstritten, wer für die Eskalation im Bieterverfahren verantwortlich ist. „Drillisch ist in der Auktion mehrfach als Preistreiber aufgetreten und hat die Preisentwicklung eskaliert“, urteilten Gretschko und Knapek in ihrer Analyse. In den vergangenen Tagen habe sich der Herausforderer jedoch mit größeren Schritten zurückgehalten. „Ob dieses ruhigere Bietverhalten ein Zeichen dafür ist, dass Drillisch sich seinem Budgetlimit nähert, wird sich in den nächsten Runden zeigen“, prognostizierten sie. Anders gesagt: Der Einsatz könnte für Drillisch insgesamt so teuer sein, dass sich die Firma nicht mehr leisten kann, höhere Gebote zu setzen.

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Doch nicht alle sehen 1&1 Drillisch als Preistreiber. „Ich sehe entgegen weitläufiger Meinung keine Anzeichen, dass Drillisch der Troubleshooter ist oder versucht, die Kosten der Mitbieter in die Höhe zu treiben“, sagte Professor Hasan Alkas von der Hochschule Rhein-Waal. Drillisch habe von Anfang an über die Gebote klargemacht, dass das Unternehmen zum vierten Netzbetreiber aufsteigen wolle, sich dann aber zumeist zurückgehalten.

Ein entschiedenes Vorgehen sieht Alkas hingegen bei einem anderen Unternehmen: „Vor allem die Telekom hat versucht, immer wieder die anderen herauszufordern.“ Das treibe die Gebote in die Höhe, auch wenn sich der Dax-Konzern zuletzt wieder zurückgehalten habe.

Es scheint nicht so, als würden die drei etablierten Firmen dem Herausforderer United Internet seinen Anspruch auf ein lukratives Spektrum wirklich streitig machen wollen. Zuvor hatten die Chefs von Telekom, Vodafone und Telefónica den Angreifer Dommermuth als Nutznießer kritisiert. Offenbar wollte jedoch keiner das Geld aufbringen, um United Internet den Zugang zu den Frequenzen für ein eigenes Netz zu verwehren.

Sollte sein Unternehmen mit einem Bündel an Frequenzspektrum aus der Auktion hervorgehen, steht Dommermuth jedoch vor einer Herausforderung. Denn es wird Jahre dauern, ein flächendeckendes Netz in Deutschland aufzubauen. Dafür hatte Dommermuth einen garantierten Zugang zu den Netzen der etablierten Anbieter gefordert, ein sogenanntes National Roaming. „Ohne National Roaming ist ein Marktzutritt nicht möglich“, hatte Dommermuth im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Doch bislang wollte ihm weder die Bundesnetzagentur noch die Bundesregierung einen gesetzlich garantierten Zugang einräumen. Die Bundesnetzagentur sprach nur allgemein von einem Diskriminierungsverbot und einem Verhandlungsgebot. Noch ist unklar, ob das für Dommermuth reicht, sich zumindest für eine Übergangszeit in die Netze der anderen Anbieter einzumieten.

Telefónica steht das eigene Sparprogramm im Weg

Noch deutlich schwieriger sieht es für Telefónica aus. Bei dem Netzbetreiber steht ein Sparprogramm an, wie das Handelsblatt erfuhr. In der Netzsparte könnten 110 Stellen gestrichen werden, wie aus internen Nachrichten des Unternehmens hervorgeht. Das würde rund zehn Prozent der Beschäftigten in der Sparte entsprechen.

Ein Firmensprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu der Zahl äußern. Gespräche mit den Betriebsräten stünden noch aus, sagte der Sprecher. „Weder Art noch Umfang oder Zeitraum von Veränderungen im Netzbereich der Telefónica Deutschland“ stünden bislang fest. Zuvor hatte das „Manager-Magazin“ über die anstehende Kürzung berichtet.

Zudem setzt die Auktion Telefónica besonders unter Druck, argumentierte Ulrich Rathe vom Analysehaus Jefferies. Sollte Herausforderer United Internet als vierter Netzbetreiber aus der Auktion hervorgehen, wäre das ein großes Problem für das Geschäftsmodell von Telefónica in Deutschland.

Denn United Internet mietet das Netz von Telefónica für seine eigenen Kunden an. Auf rund 300 Millionen Euro beziffert Rathe die jährlichen Mieteinnahmen. Würde United Internet den Aufbau eines eigenen Netzes vorziehen, fiele dieses Geld schrittweise weg. Rathe machte jedoch deutlich, dass nicht klar ist, ob United Internet wirklich ein Netz aufbauen will. „Sie könnten sich zu jedem Zeitpunkt aus der Auktion zurückziehen“, so Rathe.

Damit ist und bleibt die große Frage, wie sich die Auktion weiterentwickelt. Schon jetzt ist die Versteigerung der Frequenzen teurer als die letzten beiden Frequenzvergaben in Deutschland. 2010 hatten die Mobilfunker insgesamt 4,4 Milliarden Euro in 224 Runden für die Frequenzen bezahlt. Im Jahr 2015 hatten die Unternehmen in 181 Runden rund 5,1 Milliarden Euro geboten.

Zwar liegt die Auktion in diesem Jahr noch weit entfernt von der Rekordversteigerung der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000. Damals bezahlten die Firmen in einem drei Wochen dauernden Bieterverfahren am Ende 50,8 Milliarden Euro. Doch die Ersteigerung der Frequenzen ist für die Unternehmen nur der erste Schritt. Anschließend müssen sie überhaupt erst beginnen, ihre Netze für die Zukunftstechnik aufzurüsten – oder im Fall von United Internet überhaupt erst aufbauen. Allerdings hatte die Bundesregierung bereits angekündigt, dass die Einnahmen aus der Auktion in einen Digitalfonds fließen sollen, um den Netzausbau in Deutschland zu beschleunigen. Damit könnten die Unternehmen später auch wieder von den Ausgaben profitieren – Details der Vergabe der Mittel sind aber noch nicht abschließend geklärt.

Möglicherweise ist die finanzielle Schmerzgrenze der Unternehmen bald erreicht. „Ich sehe das Ende nah“, sagte Professor Alkas. Er leitete seine Überzeugung aus einer statistischen Analyse ab. In den jüngsten Runden seien die Höchstgebote nur noch um rund zwei Prozent gestiegen. Zuvor seien es noch fünf Prozent gewesen. Doch auch das ist nur ein Indiz. Letztlich entscheiden nur die Chefs der vier Unternehmen, wann Schluss ist – indem niemand mehr höhere Gebote abgibt.

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