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Netzausbau Italien macht Glasfaser-Ausbau zur Staatsangelegenheit

Das Land will jedem Haushalt schnelles Internet bieten. Zwei Firmen werden zur Kooperation gezwungen. Auch Deutschland sucht nach neuen Wegen.
22.07.2020 - 11:35 Uhr Kommentieren
Im Gegensatz zu Anschlüssen per DSL oder TV-Kabel gilt Glasfaser als zukunftssicher. Quelle: imago images / Westend61
Glasfaser

Im Gegensatz zu Anschlüssen per DSL oder TV-Kabel gilt Glasfaser als zukunftssicher.

(Foto: imago images / Westend61)

Rom, Düsseldorf Ein schneller Zugang zum Internet kann über Aufstieg und Fall von Unternehmen entscheiden. Selten wurde das so deutlich wie in Italien in diesem Jahr. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Bürger in ihre Wohnungen gezwungen. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Geschäfte mussten schließen, weil keine Kunden mehr kommen konnten.

Viele Firmen nutzten die Chance, ihr Angebot so gut es ging auf digitale Vertriebswege umzustellen. Doch gerade für Unternehmen auf dem Land wurde das zum Problem. Denn ein schneller Internetzugang ist an vielen Orten nicht verfügbar.

Das soll sich künftig ändern. Die italienische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst jedem Haushalt einen Zugang zum Breitbandinternet zu sichern. Dabei setzt der Staat nicht auf die in Deutschland weitverbreitete Übergangstechnologien auf Basis von Kupferkabeln wie DSL oder TV-Kabel, sondern treibt gleich den zukunftssicheren Glasfaserausbau voran.

In Italien gibt es ähnlich wie in Deutschland viel aufzuholen. Noch immer gehört das Land zu den OECD-Staaten mit der schlechtesten Glasfaserabdeckung der Haushalte (siehe Grafik). Spitzenreiter ist Südkorea, aber auch die skandinavischen Staaten sowie Spanien schneiden sehr gut ab. Nur Deutschland steht noch schlechter als Italien da.

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    Italien will die Lücke jetzt konsequent schließen. Der Telekommunikationsriese Telecom Italia (TIM) und der Stromkonzern Enel sollen von Rom gedrängt werden, ein einheitliches Glasfasernetz zu schaffen. „Die Pandemie hat Italiens großes Hinterherhinken in puncto Digitalisierung gezeigt, aber auch die Notwendigkeit, beschleunigt etwas dafür zu tun“, sagte Industrieminister Stefano Patuanelli. Mehrere Medien berichten darüber, dass Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri Enel und TIM ein Ultimatum für einen Plan zur Zusammenarbeit bis Ende Juli gesetzt haben. Der Ansatz wird international genau verfolgt – auch in Deutschland.

    Grafik

    Grundsätzlich steht Italien vor dem gleichen Dilemma wie seine Nachbarn. Über Jahrzehnte hatten die großen Industrieländer ihre Infrastrukturen privatisiert und einen Wettbewerb unter den Betreibern ausgerufen. Im Mobilfunk gilt das als Erfolg. Mehrere parallele Netze von unterschiedlichen Anbietern führten in vielen Ländern zu einem Wettrennen um eine gute Netzabdeckung und geringere Preise. Verbraucher profitierten. Ein Mast reicht aus, um Hunderte Kunden zu versorgen.

    Bei kabelgebundenen Breitbandanschlüssen sieht es anders aus. Jeder Haushalt muss angeschlossen werden. Das ist aufwendig und teuer. Zudem ergibt ein Wettbewerb nur wenig Sinn. Ein Anschluss pro Wohnung oder Haus ist genug. Glasfaser bietet enorme Bandbreiten. Auch in Zukunft dürfte es nicht nötig sein, mehr als ein Glasfaserkabel pro Haushalt zur Verfügung zu stellen.

    Dennoch ist der sogenannte Überbau ein großes Problem – auch in Deutschland. Gleich mehrere Anbieter erschließen eine Wohnsiedlung, um sich gegenseitig Konkurrenz zu machen – sie überbauen sich also gegenseitig. Gleichzeitig werden wenige Straßenzüge weiter die Haushalte komplett vernachlässigt.

    Unter der Bedingung, keine Namen zu nennen, räumten sogar mehrere Manager großer Netzbetreiber in Deutschland gegenüber dem Handelsblatt ein, dass der Wettbewerb im Breitbandmarkt um Glasfaser nicht richtig funktioniert. „Ein einheitliches Netz wäre natürlich die effizienteste Lösung“, sagte ein ranghoher Manager. Das sei praktisch jedoch kaum umzusetzen. Keine Firma wollte nachgeben.

    In Italien versucht es die Regierung mit Zwang. Der ehemalige Monopolist TIM ist interessiert an einer Einigung und will das Glasfasernetz ausbauen. Er verhandelt gerade mit dem Investor KKR über dessen Einstieg beim Festnetz. Es geht um einen Anteil von 40 Prozent für die US-Beteiligungsgesellschaft. TIM-CEO Luigi Gubitosi erklärte, man ziele auf eine öffentlich-private Partnerschaft, damit Italien aufholen könne. Das Problem des Landes sei nicht die Anbindung, sondern das Fehlen digitaler Kompetenz.

    Auf der anderen Seite steht der Stromversorger Enel, der zur Hälfte die Festnetzgesellschaft Open Fiber kontrolliert. Die andere Hälfte gehört der italienischen KfW, der staatlichen Förderbank Cassa di Depositi e Prestiti (Cdp). Italienische Medien berichten, die Pläne gingen dahin, dass Enel seine 50-Prozent-Beteiligung an Open Fiber an Cdp abgibt. Damit wäre der Staat wieder ein großer Player im Telekommunikationsmarkt.

    Der Markt löst das Problem nicht

    Zur Schließung der digitalen Kluft im Land und zum Aufholen gegenüber anderen EU-Staaten müsse jetzt schnell gehandelt werden, so die CEO von Open Fiber, Elisabetta Ripa. Die entsprechenden Technologien seien schon in einem Drittel des Landes vorhanden. Open Fiber besteht seit drei Jahren.

    Kritik kommt vom Verband der italienischen Internetprovider. Dessen Präsident Giuliano Claudio Peritore fordert, dass es weiterhin mehrere Netze geben müsse für die digitale Entwicklung des Landes und dass mit einer finanziellen Vereinigung der beiden Netzte TIM und Open Fiber die vielen anderen nicht ausgeschlossen werden dürften.

    Ein anderes Problem benannte der ehemalige TIM-CEO Franco Bernabè. Selbst wenn der Zusammenschluss von TIM und Open Fiber zustande käme, seien die beiden nicht zu integrieren, sagte er der Wirtschaftszeitung „Sole-24ore“. Er sei nicht aus ideologischen Gründen gegen einen Zusammenschluss, beide hätten aber vom Grundgerüst angefangen ihre eigenen kompletten Systeme, mit unterschiedlichen Typologien und Architekturen. Außerdem müsse auch die Kartellbehörde gefragt werden.

    In Deutschland sind es bislang vor allem kleinere Anbieter und Stadtnetzbetreiber die treibenden Kräfte hinter dem Glasfaserausbau bis an die Wohnungen der Kunden. Die Deutsche Telekom hat lange auf die Übergangstechnologie DSL gesetzt. Jetzt steuerte CEO Timotheus Höttges um und sagte: „Mein Ziel ist: Bis 2030 hat jeder Haushalt in Deutschland einen Anschluss mit Glasfaser.“

    Er rechnete vor: „Das erfordert zweistellige Milliardeninvestitionen für Deutschland. Ein Teil von uns. Aber auch von den Wettbewerbern.“ Jedes Jahr will die Telekom zwei Millionen Haushalte mit Glasfaser anschließen. Mit mehr als 500.000 Kilometern hat die Telekom zwar rechnerisch das längste Glasfasernetz in Deutschland. Das Problem: Damit erreicht sie nur 1,7 Millionen Haushalte. Sie verbindet zwar viele Städte und Mobilfunkmasten, aber die letzten Meter zu den Häusern der Kunden fehlen.

    Die Branche ist in der Glasfaser-Frage tief zerstritten. Der Ausbau geht nur langsam voran. Den Rückstand zu anderen Industrieländern kann Deutschland bislang nicht aufholen. In Berlin wird daher genau beobachtet, wie das Projekt in Italien ausgeht.

    Mehr: Deutsche Kunden haben kaum Interesse an Glasfaseranschlüssen.

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