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Netzbetreiber Telefónica wickelt deutsches Zukunftsprojekt Next ab

5G-Ausbau, Schulden und ein neuer Rivale: Der Netzbetreiber steht unter Druck. Jetzt stoppt der Konzern in Deutschland ein ambitioniertes Experiment.
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Der Konzern stoppt in Deutschland das Zukunftsprojekt Next. Quelle: NurPhoto/Getty Images
O2-Tower in München

Der Konzern stoppt in Deutschland das Zukunftsprojekt Next.

(Foto: NurPhoto/Getty Images)

Düsseldorf Konzerne schmücken sich gerne mit visionären Projekten. Für den Netzbetreiber Telefónica Deutschland war die Tochtergesellschaft Next so ein Projekt. Es sollte als Labor für neue Geschäftsmodelle fungieren und gleichzeitig beweisen, dass der Konzern mehr kann, als nur Mobilfunknetze zu bauen. Doch drei Jahre nach dem Start steht das Projekt vor dem Aus, wie das Handelsblatt erfuhr.

Das Experiment wird als eigenständiges Projekt abgewickelt. Einzelne Ideen sowie ein Teil der Mitarbeiter werden in den Mutterkonzern zurückgeholt, wie ein Firmensprecher bestätigte. Für einen großen Teil der rund 100 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung aber das Ende ihre Tätigkeit für den Netzbetreiber.

Das Unternehmen stellte den Vorgang als strategische Neuausrichtung dar. „Nun ist der richtige Zeitpunkt, erfolgreiche Konzepte enger an das Kerngeschäft von Telefónica Deutschland zu rücken“, sagte der Firmensprecher. „Das bedeutet, dass einzelne Plattformen und Modelle in die OHG überführt und dort fokussiert weiterentwickelt werden.“

Insider stellten die Situation dem Handelsblatt gegenüber anders dar. „Das ist ein gefährlicher Schritt. Next war mit vielen Hoffnungen verbunden“, sagte ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Innerhalb der Belegschaft gebe es große Sorgen, dass weitere Kürzungen bevorstehen könnten. Im Mai hatte der Konzern bekanntgegeben, Standorte in Köln, Frankfurt und Hannover zu schließen.

Next war nicht irgendein Projekt, sondern sollte den Grundstein für ein erweitertes Geschäftsmodell von Telefónica in Deutschland legen. Noch beim Kapitalmarkttag im vergangenen Jahr hatte die Telefónica-Geschäftsführung angepriesen, wie die 2016 gegründete Telefónica Germany Next GmbH helfen werde, die Wachstumschancen der Digitalisierung zum lukrativen Geschäft zu machen.

Gescheiterter Verkauf an Investor

Besonders im Bereich der Auswertung großer Datenmengen sowie in Plattformlösungen für das Internet der Dinge sollte Next Produkte entwickeln. Im Jahr 2017 hatte Next zu diesem Zweck das Berliner Start-up Minodes für einen zweistelligen Millionenbetrag übernommen, das Lösungen entwickelt hat, um für Einzelhändler das Verhalten ihrer Kunden besser zu erfassen.

Telefónica hatte laut Handelsblatt-Informationen zwischenzeitlich versucht, die IoT-Plattform Geeny, die aus Next hervorgegangen war, an einen Investor zu verkaufen. Doch der Versuch war gescheitert. Telefónica wollte sich dazu nicht äußern. Der Firmensprecher teilte mit, Geeny werde von Telefónica fortgeführt.

In Branchenkreisen wurde spekuliert, die Telefónica-Muttergesellschaft in Spanien könnte die deutsche Tochter zur Abwicklung von Next gedrängt haben. Die Spanier haben eine eigene Plattform für das Internet der Dinge (IoT) entwickelt. Daher könnte das Interesse an einer eigenen Lösung der Deutschlandtochter begrenzt sein, spekulierte ein Branchenkenner.

Die Telefónica-Muttergesellschaft in Spanien steht wirtschaftlich unter Druck. „Sie sind auf den deutschen Cashflow angewiesen“, sagte Commerzbank-Analystin Heike Pauls dem Handelsblatt. Den Spaniern gehören 69 Prozent der Anteile der Telefónica Deutschland Holding AG.

Für das Geschäftsjahr 2018 hatte Telefónica Deutschland mehr als 800 Millionen Euro an Dividende ausgeschüttet. Damit war wichtige Finanzkraft vor allem nach Spanien abgeflossen.

Probleme mit der Netzqualität

Dabei steht Telefónica in Deutschland vor einem finanziellen Kraftakt. Bei der Versteigerung der Frequenzen für den Echtzeitmobilfunk 5G in Deutschland hatte Telefónica Deutschland im Juli 1,4 Milliarden Euro geboten. Rund eine Milliarde Euro muss der Konzern bereits im September an die Bundesnetzagentur überweisen.

Das dürfte nur ein kleiner Teil der nötigen Investitionskosten sein. Der Mobilfunkkonzern muss sein Netz grundlegend umbauen, um es fit für 5G zu machen. Auch mehr als vier Jahre nach der Übernahme des Rivalen E-Plus schneidet Telefónica bei den Tests zur Netzqualität in Deutschland deutlich schlechter als die Wettbewerber Deutsche Telekom und Vodafone ab.

Zwar hat Telefónica zuletzt mehr Geld ausgegeben, die ausgewiesene Investitionsquote stieg im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent. Die Telekom weist für das Segment Deutschland im ersten Halbjahr jedoch eine Investitionsquote von 21,2 Prozent aus. Der Rückstand von Telefónica zur Telekom droht also größer zu werden.

Während die Telekom nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent ihrer Mobilfunkstandorte mit Glasfaser angeschlossen hat, macht Telefónica keine aktuellen Angaben mehr zum Stand der eigenen Standorte.

Telefónica hatte das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2022 mehr als 25 Prozent der Standorte auf dem Land und 90 Prozent der Standorte in den Städten mit Glasfaser anzuschließen. Glasfaser ist so entscheidend, weil sie die ausreichende und verlässliche Datenrate für ultraschnelle Verbindungen beim 5G-Mobilfunk sicherstellt.

Streit mit United Internet

Bislang konnte Telefónica in Deutschland darauf verweisen, zumindest beim Schuldenstand im Vergleich zum Rest der Branche relativ gut dazustehen. Doch die Nettofinanzschulden sind von 1,1 Milliarden Euro Ende 2018 auf 4,5 Milliarden Euro zum Ende des ersten Halbjahres 2019 gestiegen. Gründe dafür ‧waren die Ausgaben für die Netzmodernisierung, die hohe Dividendenauszahlung und der neue Rechnungslegungsstandard IFRS16.

Der wichtigste Faktor für die Zukunft von Telefónica in Deutschland könnte jedoch neben der Muttergesellschaft in Madrid im rheinland-pfälzischen Montabaur sitzen. Dort hat der Mobilfunkkonzern United Internet seinen Hauptsitz. Auflagen für die Übernahme von E-Plus garantieren der Firma aus Montabaur einen Zugang zu knapp einem Drittel der Netzkapazität von Telefónica.

Doch beide Firmen streiten darüber, wie viel Miete United Internet dafür zahlen muss. Eine erste Entscheidung in dem Rechtsstreit könnte im Oktober anstehen.

Für Telefónica ist der Streit allerdings nur ein Randaspekt im Umgang mit United Internet. Denn die Firma aus Montabaur will selbst zum Netzbetreiber aufsteigen. Damit würden Telefónica langfristig die Mieteinnahmen komplett wegbrechen. „Es gibt eine große Skepsis gegenüber der Geschäftsentwicklung von Telefónica, wenn United Internet wirklich ein eigenes Netz baut“, warnt Commerzbank-Analystin Pauls. Der Netzbetreiber steht vor schwierigen Zeiten.

Mehr: United Internet könnte zu Deutschlands vierten Netzbetreiber aufsteigen. Telekom, Vodafone und Telefónica stehen unter Druck.

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