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Neue Allianz Telekom lotet Zusammenschluss mit dem französischen Rivalen Orange aus

Telekom-Konzernchef Höttges ist am französischen Konkurrenten Orange interessiert. Es locken gewaltige Synergien. Doch die politischen Widerstände wären groß.
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Mit Orange verbindet die Telekom-Führung mehr als nur die regelmäßigen gemeinsamen Vorstandstreffen. Quelle: Reuters
Telekom-Chef Timotheus Höttges, Orange-CEO Stephane Richard (v.li.)

Mit Orange verbindet die Telekom-Führung mehr als nur die regelmäßigen gemeinsamen Vorstandstreffen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Bonn Die bunte Holzbank wirkt wie ein Fremdkörper in der Vorstandsetage der Deutschen Telekom in Bonn. Eine Hälfte der Bank ist in der Telekom-Farbe Magenta gehalten. Die andere Hälfte ist in orange gestrichen. Das Sitzmöbel ist auch ein Symbol. Es steht für ein ambitioniertes Planspiel, das die Deutsche Telekom derzeit durchexerziert.

Die Bank geht auf ein gemeinsames Treffen der Vorstände der Deutschen Telekom mit dem französischen Netzbetreiber Orange im Juli zurück. Auf dem Netzwerk LinkedIn schrieb Telekom-CEO Timotheus Höttges anschließend: „Wir zusammen.“

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Dazu stellte er Fotos, die ihn mit dem Orange-Chef Stéphane Richard in einer Berghütte zeigen. „Ein starkes Europa ist nicht nur ein Thema für die Politik, sondern auch für Unternehmen“, schrieb Höttges weiter.

Auf einem Foto hält Höttges vor der Bergkulisse seine Arme weit ausgebreitet. Und direkt vor ihm sitzt Richard auf der orange-magentafarbenen Bank. Das Treffen habe ihn so begeistert, dass Höttges anschließend die Bank in die Telekom-Zentrale transportieren ließ, erzählt ein Mitarbeiter.

Heute – rund fünf Monate später – steht die Bank in Bonn, als Symbol für das Treffen und für einen ambitionierten Plan.

Höttges ist in einer zentralen Phase seiner Amtszeit an der Spitze des Dax-Konzerns. Seit Anfang 2014 steuert der Manager die Firma solide und ohne größere Skandale – allerdings auch ohne ein herausragendes Projekt, das über seine Zeit als CEO hinaus wirken kann.

Das soll sich bald ändern. Für den Zusammenschluss zwischen der US-Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint hat die Telekom alle nötigen Zustimmungen der US-Behörden eingesammelt. In einem Gerichtsprozess muss noch entschieden werden, ob die Telekom auch die Klage einiger Bundesstaaten gegen den 26 Milliarden Dollar schweren Deal abwehren kann.

„Was unsere Juristen sagen, ist, dass wir im Januar oder Februar eine Entscheidung erwarten“, sagte Höttges bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen des Konzerns vor drei Wochen. „Das ist das, was uns intern als Zeitpunkt genannt wird.“ Er sei zuversichtlich, dass der Zusammenschluss gelingen könnte.

Orange und Telekom könnten beide profitieren

Doch die Deutsche Telekom will ihren globalen Einfluss noch weiter ausbauen: Hochrangige Führungskräfte und Strategen des Konzerns loten eine Fusion mit Orange aus, wie das Handelsblatt von vier mit den Vorgängen vertrauten Managern erfuhr. Bereits seit acht Jahren verbindet die beiden Unternehmen eine Einkaufsgemeinschaft. Zuletzt hatten sie zusammen einen vernetzten Lautsprecher entwickelt und auf den Markt gebracht. Orange nannte seine Version Djingo, der Lautsprecher der Telekom hört auf die Worte „Hallo Magenta“. Seit dem vergangenen Jahr hat die Telekom in Polen zudem Zugang zum Glasfasernetz von Orange bekommen.

Die Telekom wollte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht dazu äußern. Orange lässt wissen, es gebe bei den Franzosen keine Überlegungen oder Diskussionen zu dem Thema.

Beide Seiten könnten von einem Zusammenschluss profitieren: Es lockten gewaltige Synergien, sagt einer, der mit dem Überlegungen vertraut ist. „Die Vorteile lägen auf der Hand: Beide Firmen haben überschaubare regionale Überschneidungen und zudem mit der Einkaufsgesellschaft schon eine gewisse Erfahrung miteinander.“ Der Zusammenschluss sei auf Basis eines Aktientausches durchgespielt worden. Einen klassischen Kauf könnte sich keine der beiden Seiten leisten, sagte der Manager.

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Ein Telekom-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen kommentiere keine Spekulationen. Derzeit liege der Fokus des Unternehmens auf der Fusion in den USA. Zu den Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Orange äußerte sich der Sprecher durchweg positiv.

Frankreich hat Vorbehalte

Spekulationen über einen Zusammenschluss sind nicht neu. Bereits vergangenes Jahr sah sich Stéphane Richard bei der Vorstellung der Bilanz dazu gezwungen, sich zu einem möglichen Zusammenschluss mit der Telekom zu äußern. Er sagte damals: „Es gibt keine versteckte Agenda, kein geheimes Projekt, keine geheimen Verhandlungen mit irgendjemandem.“

Die Pläne sind jedoch nie endgültig begraben worden. Für die Deutsche Telekom geht es um den alten Traum eines dominanten Spielers in Europa. Schon heute ist der Konzern der am höchsten bewertete Netzbetreiber Europas. Der Dax-Konzern kam zuletzt auf 72 Milliarden Euro. Orange steht hingegen bei 40 Milliarden Euro.

Das ist ein Problem. „Orange wird sich niemals auf einer Juniorpartnerschaft einlassen“, sagt ein ranghoher Telekom-Manager. Die Franzosen könnten sich allenfalls einen Zusammenschluss auf Augenhöhe vorstellen. Doch bei der aktuellen Börsenbewertung wäre das nicht möglich.

Auch auf deutscher Seite gibt es Vorbehalte. „Der Staat spricht sehr stark bei Orange mit“, kritisierte ein Telekom-Manager. Bis heute habe Paris einen sehr großen Einfluss auf die Firmenpolitik, auch wenn die Regierung nur noch rund 23 Prozent am Unternehmen halte. Der französische Staat würde es niemals zulassen, dass die Konzernzentrale eines vereinigten Unternehmens nicht mehr in Frankreich beheimatet wäre, vermutete der Manager.

Ähnlich kompliziert könnte die Position auch auf deutscher Seite sein. Die Bundesregierung hält noch fast ein Drittel der Anteile an der Telekom. Auch sie würde kaum einen größeren Verlust ihres Einflusses zugunsten von Paris zulassen, hieß es aus informierten Kreisen in Berlin. Der Bundesregierung stößt zudem das Beispiel Airbus auf – das Machtzentrum des gemeinsamen Flugzeugbauers sitzt nicht mehr in München sondern in Toulouse.

Zudem sei es unwahrscheinlich, dass die EU-Kommission in Brüssel eine Megafusion bei beiden europäischen Netzbetreiber zulassen würde.

Vodafone und Telefonicá bleiben die größten Rivalen

Aus Sicht der Telekom fehlt es dem Konzern jedoch an Alternativen, wenn es um große Übernahmen in Europa geht. Die Telekom ist seit dem Verkauf des englischen Mobilfunkgeschäfts an den britischen Telekommunikationskonzern BT mit zwölf Prozent der größte Einzelaktionär von BT.

Doch im Zuge des Wertverfalls des Pfunds aufgrund des Brexits und wegen eines Bilanzskandals bei einer BT-Tochter hatte das Aktienpaket der Telekom stark an Wert verloren. Der Dax-Konzern hat die Anteile mittlerweile in seinen Pensionsfonds eingebracht. „Wir haben unsere Beteiligung geparkt. Wir wollen sie langfristig halten. Viel Spielraum sehen wir in Großbritannien aber nicht“, hieß es in Konzernkreisen.

Die beiden anderen großen Telekommunikationsbetreiber in Europa sind Vodafone aus Großbritannien und Telefónica aus Spanien. Doch in beiden Fällen ist ein Zusammenschluss mit der Telekom nahezu ausgeschlossen. Denn die beiden Unternehmen sind die direkten Gegenspieler der Telekom auf ihrem Heimatmarkt Deutschland. Die Kartellwächter würden es kaum zulassen, dass die Deutsche Telekom mit einem ihrer direkten Rivalen vor der eigenen Haustür zusammengeht.

Trotz Widerständen dürfte Orange damit der interessanteste Kandidat in Europa für eine große Fusion aus Sicht der Telekom sein. Noch ist nichts entschieden. Die Potenziale sind aus Sicht der Manager in Bonn aber gewaltig. Davon müssten sie aber noch die Politik und Aktionäre überzeugen.

Mehr: Die US-Tochter der Telekom bekommt einen neuen Chef. John Legere wird die Führung im Mai 2020 an den Telekom-Manager Mike Sievert übergeben. Ein Strategiewechsel bahnt sich an.

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