Neue Technologie Wikipedia kämpft gegen Autorenschwund

Jeder nutzt es, aber kaum jemand beteiligt sich daran: Das Mitmach-Lexikon Wikipedia braucht dringend mehr freiwillige Autoren. Zwei neue Funktionen sollen die Leser motivieren, selbst Hand an die Artikel zu legen.
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Beliebte Wissensquelle: Wikipedia sucht freiwillige Mitarbeiter. Quelle: dpa

Beliebte Wissensquelle: Wikipedia sucht freiwillige Mitarbeiter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür viele Internet-Nutzer ist Wikipedia eine unverzichtbare Wissensquelle. Doch nur ein Bruchteil von ihnen arbeitet an dem Online-Lexikon mit. Dabei sind die Artikel das gemeinsame Werk Tausender Freiwilliger – eine zentrale Redaktion gibt es nicht.

Zwei neue Funktionen sollen nun Besucher motivieren, selbst Hand anzulegen: Zum einen ist es ab jetzt möglich, auch mit dem Smartphone oder Tablet-Computer Artikel zu bearbeiten – zunächst jedoch nur für registrierte Nutzer. Zum anderen wird ein sogenannter Visual Editor eingeführt, mit dem die Bearbeitung ähnlich leicht ist wie in einer Textverarbeitung. Dieser soll die technische Hürde senken, sich am Mitmach-Lexikon zu beteiligen. Beide Funktionen werden – Wikipedia-typisch – schrittweise eingeführt.

Die Projekte sind für Wikipedia von großer Bedeutung: Die Zahl der aktiven Mitarbeiter, die mindestens fünf Mal im Monat an einem Artikel basteln, sinkt kontinuierlich; derzeit tragen weltweit etwas mehr als 80.000 Menschen zu den verschiedenen Projekten der Wikimedia-Stiftung bei, zu denen neben Wikipedia auch Projekte wie die Mediensammlung Commons und der Reiseführer Wikivoyage gehören. Die neue Technik soll helfen, den Schwund zu stoppen.

Mit dem Editor für mobile Geräte reagieren die Wikipedianer auf den Trend zum mobilen Internet. Rund 15 Prozent der Nutzer besuchen Wikipedia mit dem Smartphone oder Tablet-Computer, Tendenz deutlich steigend. Deswegen sei es wichtig gewesen, einen Editor für mobile Geräte zu entwickeln, erklärt die Wikimedia Foundation, die das Wissensprojekt betreibt. Das Programm sei aber noch nicht ausgereift – es werde kontinuierlich weiterentwickelt.

Der Visual Editor soll zudem die Einstiegshürde abbauen – wer bislang Artikel verändern möchte, muss bestimmte Befehle beherrschen, beispielsweise um den Text zu formatieren oder Fußnoten einzufügen. Eine einfachere Handhabung sei die Voraussetzung, um die Zahl der Mitarbeiter zu erhöhen, schreibt die Wikimedia-Stiftung als Begründung für die Einführung des Werkzeugs. Bislang steht der Visual Editor nur angemeldeten Nutzern der englischen Wikipedia-Version zur Verfügung, bald soll er aber auch in anderen Sprachen angeboten werden.

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56 Kommentare zu "Neue Technologie: Wikipedia kämpft gegen Autorenschwund"

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  • Das Beispiel ist leider völlig unklar - wenn man im Artikel über die Universität Princeton nachsieht, dann steht Einstein dort seit der ersten Anlage des Artikels im Jahr 2005 drin. Insofern: welcher Artikel ist gemeint?

  • Auch ich habe schon bei Wikipedia geschrieben, und auch mir geht die Willkürmentalität der dortigen Verantwortlichen auf den Geist, weshalb ich nichts mehr schreibe. Per saldo ist Wikipedia inzwischen einfach zum propagandistischen Systemmedium verkommen. Am ehesten nützlich sind noch die rein mathematischen Seiten, aber schon bei der Technik merkt man den Lobbyeinfluss. Und wenn ich Wikipedia lese, dann nur noch mit äußerster Vorsicht.

  • @Rheingold
    Vielen Dank für die Konkretisierung. Ich hatte ja extra betont, daß ich einen technischen Artikel verfasst hatte, keinen politischen. Aber für jemanden der vermutet "In der deutschen Wikipedia sitzen..." irgendwelche Rechts/Links/Sonstwo ist das wohl nicht von Belang. Originell finde ich allerdings die formulierung, daß da irgendjemand "drin" sitzt.

    @redaktion
    Gerne liefere ich Argumente, insbesondere weil ich hier nicht befürchten muß, daß sie ruck zuck von jemandem wieder gelöscht werden, weil er der Meinung ist allein über das Wissen zu verfügen was relevant und was Vorschriftskonform ist.

    Es ist die erbarmungslose, kalte Exekutionsmentalität mit der insbesondere die Admins vorgehen, die für mich absolut indiskutabel ist. Dahinter steht ja die Auffassung genau zu wissen, wie eine enzyklopädie auszusehen hat und die daraus abgeleitete Berechtigung zum Löschen. Die Grundidee der Wikipedia ist das Mitmachen, das Wachsen von enzyklopädischem Wissen als collaborative work, also gemeinsame Bemühungen, die schrittweise neue Teile beitragen zum Ganzen. Als vergleichbares Bild erscheint mir das Spriessen von vielen kleinen Pflanzen, die langsam wachsen und gedeihen, wenn sie gehegt und gepflegt werden, die Admins dagegen zertrampeln mit dem Blick fest auf die Vorschriften gerichtet blind was ihnen vor die Springerstiefel kommt (um im Bild zu bleiben), in der festen Überzeugung was ihren Stiefeln nicht standhält hat sowieso keine Existenzberechtigung, weil zu schwach oder sowieso nur "Unkraut".
    Es ist hauptsächlich ein mentales Problem, weniger eines von Anpassungen oder Korrekturen der Vorschriften, mit dem hier eine Gruppe mit ihrem Vormachtstatus der deutschen Wikipedia die Seele geraubt hat. In der englischsprachigen WP sind mir derartige Probleme weder persönlich wiederfahren, noch sind mir entsprechende Diskussionen bekannt.

  • @atomium:

    > die meisten Autoren, die bei Wikpedia mitarbeiten, sind
    > akademisch gebildet und mit der Nutzung von
    > CMS-Systemen im Internet durchaus vertraut.

    Da sind wir uns völlig einig. Zudem könnten sich die Wikipedia-Blockwarte dadurch nützlich machen, dass sie sich z.B. um Formatierungsdetails kümmern.

    > auch gestandene Autoren wenden sich in immer größerer
    > Zahl frustriert ab.

    Zu dieser Gruppe gehöre ich auch. Das geht so weit, dass ich in meiner Website veröffentliche und Wikipedia dann darauf verweist.

    Einmal hatte ich etwas Leerlauf und sah mit eine der Listen für "gewünschte Artikel" an. Da wurde ein Artikel zu einem Thema gewünscht, mit dem ich mich gerade professionell beschäftigte. Ich hatte Unterlagen dazu auf dem Tisch bis zum Niveau einer Promotion.

    Also klicke ich auf den bewussten roten Link und fange an zu schreiben. Nach 10 min speichere ich das erste Stück Text und mache weiter. Weitere 10 min will ich wieder speichern, geht nicht: Einer der Blockwarte hatte mir den Artikel unter dem Hintern weggelöscht mit der Begründung, ich solle erst mal in meinem privaten Bereich was schreiben, ihnen zur Diskussion stellen und dann würden sie entscheiden, ob ich den Artikel denn auch veröffentlichen dürfe. Ihm war nicht begreiflich zu machen, dann ich das als "extrem unfreundlichen" Akt betrachtete.

    Ergebnis: Den Artikel gab es auch 2 Jahre später nur in meiner Website. Aber nichts zu diesem Thema bei der deutschen Wikipedia.

  • @ Historian

    Ich verstehe PeterK so, dass er das Zensurverhalten der Wiki-Admins und ihren Machtmißbrauch als faschistoid empfindet.

    „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ Zitat Ignazio Silone

  • Die Diskussion ist willkommen, aber bitte bleiben Sie sachlich und liefern Sie Argumente für Ihre Standpunkte. Mehr dazu in unserer Netiquette:

    http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich sag nur: http://de.pluspedia.org/wiki/Verursachen_deutsche_Flaggen_an_Autos_und_Balkonen_Schwulenfeindlichkeit,_Fremdenfeindlichkeit,_Antisemitismus_und_andere_%C3%9Cbel%3F

  • [...] Treffender kann man es nicht ausdrücken, denn dort versuchen permanent die immer gleichen Autoren Propaganda zu betreiben statt wissenschaftlich, enzyklopisch zu arbeiten.

    Das Wikipedia diese "Infokrieger" nicht ausschließt, ist der eigentliche Grund für n Niedergang. Ich selbst habe früher oft Wikipedia genutzt. Inzwischen mache ich einen Bogen darum, zumal Informationen auch auf anderen Seiten gefunden werden können.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ob der Visual Editor tatsächlich neue Nutzer anlockt, kann wohl erst nach einem längeren Zeitraum beurteilen - der Artikel beschreibt lediglich, dass die Wikimedia Foundation dieses Ziel verfolgt. In der von Ihnen verlinkten Umfrage gibt es übrigens überwiegend zustimmende Beiträge.

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