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Smartphone-Nutzer

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll die Republik fit für die Zukunft machen.

(Foto: Reuters)

Neuer Mobilfunkstandard Nach der Lizenzvergabe deutet sich eine 5G-Allianz an

Die Versteigerung der Lizenzen war lang und teuer. Mit United Internet dürfte der Wettbewerb härter werden. Und die Politik macht schon Druck auf die Konzerne zum Netzausbau.
Update: 13.06.2019 - 19:28 Uhr Kommentieren

Düsseldorf, Berlin Notfalls hätte Hannes Ametsreiter auch einfach rufen können. Der Chef von Vodafone Deutschland stand auf einem Parkdeck, sein Gesprächspartner in Sichtweite auf dem Dach der Firmenzentrale in Düsseldorf.

Trotzdem griff der Manager zum Smartphone – er wollte demonstrieren, wie man mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G ein Videotelefonat in hoher Qualität überträgt. Für die Datenübertragung brauchte er die Sendestation auf dem Firmencampus, die die Technologie unterstützt.

„Vom Planen und Bieten geht es jetzt endlich ans Machen“, sagte Ametsreiter in einem Video des Konzerns. Das ist nicht nur bei Vodafone so: Nach einer langen Auktion können endlich Auf- und Ausbau des Mobilfunknetzes beginnen.

Der Bieterkampf deutet indes darauf hin, dass der Wettbewerb künftig deutlich härter wird. Denn mit 1&1 Drillisch, einer Tochter von United Internet, drängt wieder ein vierter Anbieter auf den Markt. Die Arbeit beginnt erst jetzt.

Das Verfahren war am Mittwochabend zu Ende gegangen und mit mehr als zwölf Wochen lang und mit einem Erlös von 6,55 Milliarden Euro teuer: Die Konkurrenz um die Frequenzen war größer als bei vergangenen Versteigerungen.

Zumal ein Teil des Spektrums für lokale Netze in der Industrie reserviert ist. Ohne den Neuling 1&1 Drillisch „wäre die Auktion sehr schnell und zu sehr niedrigen Preisen zu Ende gegangen“, sagte Stephan Knapek von der Beratungsfirma TWS Partners, die Unternehmen in der Vergangenheit bei Frequenzauktionen begleitet hat.

Der eigentliche Kraftakt steht den Bietern jedoch noch bevor. Branchenexperten rechnen mit Kosten von bis zu zehn Milliarden Euro – pro Netzbetreiber.

Die Mobilfunkanbieter klagen bereits, dass die hohen Kosten sie am zügigen Netzausbau hindern. „Wir hätten mit dem Geld lieber Masten gebaut und die Versorgung verbessert“, sagte Dirk Wössner, der bei der Telekom das Deutschlandgeschäft leitet.

Die Lizenzzahlungen fehlten „bei den dringend nötigen Investitionen in das deutsche Mobilfunknetz“, monierte auch Ametsreiter – der Gegenwert entspreche 50.000 Antennenstandorten. „Insofern ist das Ergebnis katastrophal“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Verpflichtung zum Netzausbau

Trotz ihrer Klagen dürften die Unternehmen zügig mit dem Ausbau ihrer Netze beginnen: Sie müssen die bereits gebauten Standorte mit neuer Technologie aufrüsten und – um die volle Leistung von 5G nutzen zu können – deutlich mehr Masten aufstellen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit einiger Zeit, nun geht es an die Umsetzung.

Der zügige Ausbau sei auch nötig, „da alle im Wettbewerb um leistungsstarke Netze stehen“, betont Wolfgang Sprecher, Analyst vom Bankhaus Lampe. Fachdienste wie P3 aus Aachen oder Opensignal aus London vergleichen die Qualität der Infrastruktur regelmäßig.

Wer nicht investiert, muss schlechte Noten fürchten. Zumal die Unternehmen wegen der Versorgungsauflagen verpflichtet sind, eine Frequenz spätestens ein Jahr nach der Zuteilung zu nutzen – ansonsten droht der Widerruf durch die Bundesnetzagentur.

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Zumal der Druck in Zukunft noch wachsen dürfte: Union und SPD verständigten sich auf höhere Strafen für Mobilfunknetzbetreiber, die nicht ihre Ausbauvorgaben erfüllen. Wie das Handelsblatt aus Koalitionskreisen erfuhr, soll dazu der Rahmen für Buß- und Zwangsgelder im Telekommunikationsgesetz deutlich angehoben werden.

Wer künftig beim Netzausbau nicht so vorankommt wie in den Versorgungsauflagen festgelegt, soll statt bisher 100.000 Euro bis zu eine Million Euro oder zwei Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes Strafe zahlen. Das Zwangsgeld soll laut den Eckpunkten, auf die sich Union und SPD verständigt haben, von einer halben Million auf bis zu zehn Millionen Euro steigen.

Immerhin sind die Spitzen der Koalitionsfraktionen offen für den Aufbau einen Infrastrukturgesellschaft zum Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes. „Wir wollen, dass es eine Infrastrukturgesellschaft gibt“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, an diesem Donnerstag beim Eintreffen zu einer Klausur der Spitzen der Koalitionsfraktionen in Berlin. Ähnlich äußerten sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. In welcher Trägerschaft eine solche Infrastrukturgesellschaft arbeiten könnte, ist offen.

Während die großen drei Mobilfunkanbieter bereits Erfahrungen mit dem Netzausbau haben, steht United Internet vor einem Neuanfang: Das Unternehmen mit Marken wie 1&1 Drillisch mietet bislang die Infrastruktur von anderen Mobilfunkanbietern, vor allem von Telefónica.

Nun muss es erstmals Standorte suchen und Antennen bauen – nach Einschätzung von Experten zunächst in den Ballungsräumen, wo die meisten Kunden leben. „Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen“, erklärte Konzernchef Ralph Dommermuth nach der Auktion.

In der Konzernzentrale in Montabaur arbeitet ein Stab bereits seit Monaten an den Plänen – es war eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Frequenzversteigerung. Wichtige Schritte seien nun der Abschluss von Verträgen, erklärt Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe: United Internet braucht Lieferanten für die Technik und Partner für den Bau der Standorte.

Kooperationen der Konkurrenten

Außerdem ist der Konzern auf Partnerschaften mit den anderen Netzbetreibern angewiesen: Es dauert Jahre, ein Mobilfunknetz aufzubauen, das nur annähernd flächendeckend ist. Firmenchef Dommermuth hofft deswegen darauf, dass er über das sogenannte National Roaming die Netze der etablierten Anbieter nutzen darf – die Bundesnetzagentur erlegt ihnen ein Verhandlungsgebot auf und kann bei Verstößen Zwangsgelder verhängen.

Bei aller Konkurrenz: Es geht nicht ohne Kooperation. Zu teuer ist der Netzausbau, zu langwierig die Planung. Nach dem Bieterkampf ist daher wieder Zeit für Gespräche – und zwar zwischen allen Anbietern. „Wir sind offen für Kooperationen, soweit sie fair sind“, sagte beispielsweise Telekom-Manager Dirk Wössner dem Handelsblatt – das gelte auch für den neuen Wettbewerber 1&1.

Auch Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas sprach sich für eine engere Zusammenarbeit der Netzbetreiber aus – besonders im ländlichen Raum: „Wir werden unsere Standorte proaktiv anbieten.“

Hintergrund: In wenig besiedelten Gegenden ist der Netzausbau nicht wirtschaftlich. Wenn die Mobilfunker ihre Infrastruktur teilen, können sie die Kosten für den Ausbau erheblich senken. Telekom-Topmanager Wössner forderte allerdings eine „ausgeglichene Lastenverteilung“ – bei Gesprächen in der Vergangenheit habe man sich oft nicht darauf einigen können.

Netzbetreiber stimmen sich heute bereits ab und teilen in bestimmten Fällen ihre Infrastruktur. Im gesamten Kontext der Branche werden Kooperationen bislang jedoch eher wenig genutzt.

Probleme bereitet allerdings die Bürokratie. Die Genehmigungsverfahren für neue Mobilfunkstandorte dauern in einigen Bundesländern mehr als ein Jahr, auch die Rahmenbedingungen für den Ausbau stehen noch nicht fest. Der Verband VATM, in dem viele Telekom-Konkurrenten organisiert sind, fordert daher „eine sinnvolle Koordinierung, die den Ausbau sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk schneller vorantreibt und wirtschaftlich macht“.

Mehr: Die 5G-Auktion ist zu Ende. Netzbetreiber und Industrie müssen nun sicherstellen, dass Deutschland beim neuen Mobilfunk nicht zurückfällt, kommentiert Handelsblatt-Reporter Stephan Scheuer.

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