Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Neuer Streit Aussage zur Digitalsparte lässt Misstrauen zwischen Osram und AMS wachsen

Es gibt erneut Streit zwischen Osram und AMS. Der Grund: eine Andeutung des AMS-Finanzvorstands, die Osram-Digitalsparte abstoßen zu wollen.
24.02.2020 - 13:00 Uhr Kommentieren
Der Streit ums Portfolio zeigt, wie groß das Misstrauen in München ist, dass sich die Österreicher nicht an ihre Zusagen halten könnten. Quelle: AFP
Osram-Flaggen

Der Streit ums Portfolio zeigt, wie groß das Misstrauen in München ist, dass sich die Österreicher nicht an ihre Zusagen halten könnten.

(Foto: AFP)

München Das Misstrauen zwischen dem Osram-Konzern und dem künftigen österreichischen Eigentümer AMS wächst. Vor allem die Andeutung von AMS-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch, die Digitalsparte von Osram abstoßen zu wollen, ruft in München Kritik hervor: „Wir werden das nicht auf sich beruhen lassen und thematisieren das in den Gremien der Gesellschaft“, sagte Osram-Aufsichtsrats-Vize Klaus Abel dem Handelsblatt.

AMS habe gegen die Vereinbarung verstoßen, gemeinsam ergebnisoffen das Portfolio zu überprüfen. „Das schafft kein Vertrauen zwischen den beiden Unternehmen.“ Die Arbeitnehmervertreter von der IG Metall wollen nun unter anderem die Monitorin Brigitte Ederer einschalten, die im Konfliktfall vermitteln soll.

AMS steht kurz vor der Übernahme des deutlich größeren Osram-Konzerns. Der Sensorik-Spezialist besitzt bereits knapp 20 Prozent der Aktien und hat sich mit einem Übernahmeangebot weitere 40 Prozent gesichert. Da nicht erwartet wird, dass die Akquisition an Kartellbedenken scheitert, dürfte die Übernahme in den nächsten Monaten vollzogen werden.

Die Osram-Führung hatte sich anfangs gegen die Übernahme gewehrt. Doch nach Abschluss einer Investorenvereinbarung schaltete Osram-Chef Olaf Berlien auf Kooperation um. Doch der Streit ums Portfolio zeigt nun, wie groß das Misstrauen in München noch ist, dass sich die Österreicher nicht an ihre Zusagen halten könnten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    So hatte AMS anfangs erklärt, sich von der Osram-Digitalsparte teilweise oder ganz trennen zu wollen. In der jüngsten Angebotsunterlage hieß es dann, man sei bereit, diese Pläne gemeinsam mit Osram „zu überprüfen und zu bewerten“. In München wurde betont, dass dies eine ergebnisoffene Prüfung bedeute.

    Defizitäre Digitalsparte

    Die Digitalsparte ist ein defizitäres Sammelsurium. Ein großer Teil entfällt auf das traditionelle Geschäft mit elektronischen Vorschaltgeräten für Leuchten – diese Aktivitäten würden wohl auch bei einer eigenständigen Osram zur Disposition stehen. Im Portfolio ist aber auch zum Beispiel die US-Firma Fluence, die sich als weltweit führender Anbieter von intelligentem Pflanzenlicht versteht. Dieses wird zum Beispiel bei der Aufzucht von Gemüse oder in den USA für den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke eingesetzt.

    AMS griff nun der gemeinsamen Prüfung vor. „Das digitale Geschäft von Osram passt nicht wirklich zu AMS, wir suchen dafür ein besseres Zuhause“, sagte Wachsler-Markowitsch. So eine Ankündigung, noch dazu bevor die Übernahme überhaupt vollzogen ist, werteten manche in München als Affront. Osram-Chef Berlien bezeichnete Wachsler-Markowitschs Aussage diplomatisch als „Einzelmeinung“.

    Aufsichtsrats-Vize Abel glaubt, die Österreicher hätten immer vorgehabt, sich von der Digitalsparte zu trennen: „Und das ist weiterhin ihr Plan.“ Wenn der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag erst einmal beschlossen sei, sei zu erwarten, dass AMS diesen Plan durchziehe – schon weil der hochverschuldete Konzern das Geld brauche. Die IG Metall werde auch auf die AMS-Führung, deren Aufsichtsrat und die Monitorin Ederer zugehen und „die Einhaltung und Umsetzung der gegebenen Zusicherungen verlangen“.

    Osram-Chef wirbt trotz Differenzen für Zusammenschluss

    Osram-Chef Berlien warb auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen trotz der Dissonanzen für den Zusammenschluss. Der Licht-Spezialist sei in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte nur selten wirklich eigenständig gewesen. So gehörte das Unternehmen zeitweise AEG, General Electric und Siemens. Zudem bleibe die Marke Osram erhalten, sagte Berlien. „Die Fabriken in Deutschland haben eine Standortgarantie.“ Der Zusammenschluss mit AMS biete Osram „eine echte Perspektive, eine langfristige Zukunft“.

    Doch die Äußerungen Wachsler-Markowitschs haben das Misstrauen bei einigen bei Osram wachsen lassen. Offiziell hieß es am Montag, man habe „großes Vertrauen, dass sich alle Parteien an die gemeinsam ausgehandelte Investorenvereinbarung halten werden“. Zu einem Bericht des „Manager Magazins“, demzufolge Osram-Finanzvorstand Ingo Bank CFO von AMS werden könnte, wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

    Die industrielle Logik hinter dem Zusammenschluss stimme, hatte Berlien auf der Hauptversammlung betont. Beide Unternehmen könnten ihre Abhängigkeit von einzelnen Märkten reduzieren – Osram vom Automobilgeschäft, AMS vom Mobilfunkmarkt. Denn derzeit stehen beide Unternehmen vor Herausforderungen: Osram leidet unter der Schwäche der weltweiten Automärkte. Die Österreicher wiederum sind stark vom Großkunden Apple abhängig – und der hat in China wegen des Coronavirus mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

    Gemeinsam könne man ganz neue Produkte anbieten, sagte Berlien: „Die starke LED-Kompetenz von Osram erweitert AMS mit seinen Kompetenzen im Bereich Sensorik, Software und Systemdesign.“ Entscheidend werde aber sein, ob die Integration gelinge. „Ein Zusammenschluss dieser Größenordnung ist eine Mammutaufgabe.“ Der Zwist ums Portfolio zeigt, wie schwer der Weg wird.

    Mehr: Osram verschärft seinen Sparkurs vor der Übernahme durch AMS.

    Startseite
    Mehr zu: Neuer Streit - Aussage zur Digitalsparte lässt Misstrauen zwischen Osram und AMS wachsen
    0 Kommentare zu "Neuer Streit: Aussage zur Digitalsparte lässt Misstrauen zwischen Osram und AMS wachsen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%