Neues Betriebssystem: iOS 14.5: Apple erschüttert das Geschäftsmodell der Werbebranche
Das neueste Betriebssytem des Konzerns bietet an, Tracking zu verhindern.
Foto: ReutersDüsseldorf, San Francisco. Benjamin Lochmann verdient sein Geld mit Spiele-Apps wie „Stadt Land Fluss“ oder „Vier Gewinnt“. Die kleinen Smartphone-Programme sind für Nutzer kostenlos, dank Werbung aber ein lukratives Geschäft. Lochmann stellt Anzeigenplätze in seinen Apps Werbenetzwerken wie Facebook zur Verfügung. Der Unternehmer bekommt regelmäßig einen Anteil des Geldes überwiesen, das über Anzeigen in seinen Apps verdient wird. Doch bald könnten diese Einnahmen einbrechen.
Auslöser ist das in dieser Woche für Ende April angekündigte Apple-Betriebssystem iOS 14.5. Künftig wird jeder Nutzer gefragt, ob Tracking erlaubt sein soll. Nach einer Umfrage von der US-Marketingfirma Singular werden sich rund 62 Prozent der Nutzer für „Nicht erlauben“ entscheiden.
Das sogenannte „App Tracking Transparency“ (ATT) kappt eine wichtige Versorgungsleitung der Werbebranche. Mediaagenturen und Werbenetzwerke erhalten keine detaillierten Daten über Kundenbewegungen im Internet mehr. Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer der Organisation der Mediaagenturen (OMG) spricht von „erheblichen Auswirkungen auf die Werbewirtschaft“.
Apple ist sich dessen bewusst. Seit einem Jahr bereitet es die Branche darauf vor, handelte sich bereits handfesten Streit mit Facebook ein. Aber der Konzern will sich als vertrauenswürdige Marke etablieren, Datenschutz wird zum Verkaufsargument. „Privatsphäre ist eines der wichtigsten Themen dieses Jahrhunderts. Wir müssen sie schützen und Menschen die Werkzeuge geben, sich selbst zu schützen“, sagte Apple-Chef Tim Cook vor wenigen Wochen dem Handelsblatt.