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Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek „Wir geben den Staaten die Hoheit über ihre Informationen zurück“

Das Start-up hat sich mehrere Großaufträge gesichert. Gründer Frank Karlitschek beschreibt, wie er US-Konzerne wie Google und Microsoft herausfordert.
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„Die Softwareentwicklung in Deutschland und Europa hängt zurück.“ Quelle: Nextcloud
Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek

„Die Softwareentwicklung in Deutschland und Europa hängt zurück.“

(Foto: Nextcloud)

Düsseldorf Der Technologieunternehmer Frank Karlitschek gründete 2016 die Firma Nextcloud, mit der er Regierungen und Firmen die komplette Kontrolle über ihre Daten sichern will.

Herr Karlitschek, mit 45 Mitarbeitern nehmen Sie es mit Google, Microsoft und Amazon auf. Wie soll das gehen?
Die Zahlen allein sagen noch nicht viel aus. Wir haben 25 Entwickler in Vollzeit angestellt, aber zu unserer Gemeinschaft zählen 2000 Programmierer, die ehrenamtlich an den Projekten mithelfen. Zudem beziehen wir auch Partner mit ein. Wir sind eine kleine Gruppe in einem jungen Unternehmen, die mit viel Begeisterung an ihren Produkten arbeitet. Damit können wir viel bewirken.

Sie hatten die Bundesregierung als Kunden, jetzt ziehen auch Behörden in Frankreich, den Niederlanden und Schweden nach. Was bieten Sie an?
Den Behörden geht es um höchsten Datenschutz. Und genau das können wir liefern. Bei unserer Cloud-Lösung werden keine Daten außer Landes transportiert. Das kann kein Großkonzern wie Google oder Microsoft garantieren. Wir geben den Staaten die Hoheit über ihre Informationen zurück.

Sind Staaten und Firmen zu naiv im Umgang mit ihren Daten?
Auf jeden Fall. Stellen Sie sich einmal vor, Firmen aus dem Silicon Valley würden unsere Wasserversorgung oder unsere Stromversorgung dominieren. Das könnte kein Staat zulassen. Bei der Verarbeitung unserer Daten haben wir uns aber daran gewöhnt, dass ein Großteil unserer sensiblen Informationen von US-Konzernen verarbeitet wird.

Warum gibt es in Europa keinen vergleichbaren Gegenspieler zu Google oder Microsoft?
Die Softwareentwicklung in Deutschland und Europa hängt zurück. Klassische Software-Häuser in der Bundesrepublik sind oft zu klein, um wirklich Skaleneffekte anzubieten. Wir gehen einen anderen Weg. Wir setzen auf quelloffene Lösungen und ein großes Team aus Freiwilligen, die mithelfen.

US-Firmen investieren Milliardenbeträge in Cybersicherheit. Wie wollen Sie da mithalten?
Jeder kann unseren Quellcode einsehen. Dadurch können Fehler schnell entdeckt und behoben werden.

Aber Hacker können den Code auch bewusst nach Schwachstellen durchsuchen. Das geht bei Microsoft nicht.
Das macht Lösungen von Microsoft aber nicht sicherer. Ganz im Gegenteil. Heute ist in der IT-Gemeinschaft Konsens, dass in Sicherheitsfragen quelloffene Lösungen überlegen sind. Bei uns kann jeder unter die Motorhaube schauen. Das macht uns nicht angreifbar für Sabotage, sondern es hilft, weil Schwachstellen sofort auffallen und repariert werden. Wir müssen uns nicht verstecken. Obwohl wir klein sind, können wir mit den globalen IT-Giganten mithalten.

Auch mit dem Preis für Ihre Produkte?
Nein. Wir bieten keine Dumpinglösungen. Wir wollen nicht billiger als Microsoft sein. Wir stehen für Datenschutz. Und das hat seinen Preis. Unser Kernprodukt Nextcloud ist kostenlos. Allen Nutzern steht es in vollem Umfang zur Verfügung. Aber für Einrichtung, Support oder Schulungen von Mitarbeitern lassen wir uns bezahlen. Qualität hat ihren Preis.

Was ist ihr langfristiges Ziel?
Wir wollen eine dezentrale Infrastruktur. Es ist gefährlich, wenn ein Großteil unserer Daten von ganz wenigen US-Firmen verarbeitet wird. Wir haben die Hoheit über unsere Daten verloren. Das ist eine große Gefahr. Mit Nextcloud wollen wir die Hoheit zurückholen. Unsere Software macht ein dezentrales Internet möglich.

Aber müssen Kunden dafür nicht auf Funktionen verzichten?
Nein, wir bieten ähnliche Lösungen wie Microsoft. Sie können per Video mit Ihren Kollegen reden oder gleichzeitig an einem Text arbeiten. Und dabei werden keine Daten ins Ausland transferiert, sondern alles auf Ihren eigenen Servern abgewickelt.

Herr Karlitschek, vielen Dank für das Interview.

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