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Online-Autohandel „Unser Geschäftsmodell funktioniert“: Mit diesen Zahlen will der Auto1-Finanzchef die Skeptiker überzeugen

Der Online-Autohändler Auto1 gibt ungewöhnlich offenen Einblick in seine Zahlen. Die Vorzeichen auf einen Börsengang des Start-ups mehren sich.
10.12.2020 - 08:06 Uhr Kommentieren
Mit einer Bewertung von 2,9 Milliarden Euro zählt das 2012 von Hakan Koç und Christian Bertermann gegründete Start-up zu den wertvollsten in Deutschland. Quelle: AUTO1
Fahrzeug-Übernahme durch Auto1 beim Kunden

Mit einer Bewertung von 2,9 Milliarden Euro zählt das 2012 von Hakan Koç und Christian Bertermann gegründete Start-up zu den wertvollsten in Deutschland.

(Foto: AUTO1 )

Düsseldorf Der Finanzchef der Auto1 Group, Markus Boser, hat am Donnerstag einige Geschäftszahlen zum dritten Quartal offengelegt. Demnach hat der Online-Autohändler von Anfang Juli bis Ende September knapp 120.000 Autos verkauft, 769 Millionen Euro Umsatz gemacht und dabei einen operativen Gewinn von 16 Millionen Euro erzielt. „Die Zahlen zeigen insbesondere ein profitables Wachstum im Vergleich zum zweiten Quartal“, sagt Boser dem Handelsblatt.

Auto1 zählt zu den wertvollsten Start-ups in Deutschland. Laut der Datenbank Pitchbook wurde es bei der vergangenen Finanzierungsrunde mit 2,9 Milliarden bewertet. Insider vermuten, dass das Unternehmen schon im kommenden Jahr den Börsengang plant und dabei eine Bewertung von fünf Milliarden anstrebt. So lassen sich auch die neue Offenheit und der Fokus auf positive Ergebnisse deuten. „Seit Anfang des Jahres arbeiten wir gezielt auf Profitabilität im Kerngeschäft hin, also dem Ankauf und Verkauf von Autos an Händler“, sagt Boser.

Für das auf Wachstum getrimmte Unternehmen geht es bei dem positiven bereinigten Ebitda um einen wichtigen Beweis. „Das zeigt, dass unser Geschäftsmodell funktioniert.“

Bisher hat Auto1 wenig Einblicke in seine Zahlen gewährt. Zur Einordnung legte Boser ausgewählte Vergleichswerte vor: Obwohl der Umsatz 17 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt, konnte das operative Ergebnis gesteigert werden. Im dritten Quartal 2019 betrug das bereinigte Ebitda noch minus 11,5 Millionen Euro. Die Bruttogewinnmarge stieg von 9,5 auf 11,3 Prozent.

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    Treiber der Zahlen soll das neue „Sell from Home“-Angebot sein. Wer sein Auto verkaufen will, kann für ein erstes Angebot direkt Fotos von sämtlichen Schrammen hochladen und erhält einen Preis, der beim Check in der Werkstatt auch Bestand hat – die Kunden verkaufen dann tatsächlich und fahren nicht wieder enttäuscht vom Hof.

    Auto1 gehört zu den wertvollsten Start-ups in Deutschland

    Der Finanzchef von Auto1 war vor seinem Wechsel zu dem Start-up bei der Investmentbank JP Morgan.
    Markus Boser

    Der Finanzchef von Auto1 war vor seinem Wechsel zu dem Start-up bei der Investmentbank JP Morgan.

    Das Geschäft im laufenden Jahr ist stark von Corona gezeichnet. Die Zahl der verkauften Autos konnte vom zweiten zum dritten Quartal massiv zulegen – allerdings vor allem, weil im Frühjahr zeitweise keine Ummeldung von Fahrzeugen möglich war.

    Das 2012 von Hakan Koç und Christian Bertermann gegründete Start-up ist inzwischen in über 30 Ländern aktiv.

    Markus Boser ist seit vier Jahren dabei. Nachdem Koç zum Jahresende in den Aufsichtsrat gewechselt ist, bildet der 53-Jährige mit Bertermann den zweiköpfigen Vorstand.

    Der hat weitere Wachstumsvisionen, die es für einen Börsengang auch braucht. Auto1 drängt zunehmend in den Verkauf von Gebrauchtwagen an Privatkunden, ein umkämpftes Geschäftsfeld. Mit der Profitabilität dürfte es schnell wieder vorbei sein. „Das ist auf jeden Fall erst mal ein Zwischenstadium“, sagt Boser und spricht von einer „zweiten Phase“, in die das Unternehmen nun eintritt. In der wird wieder Geld ausgegeben.

    Die Gründer von Auto1 sind mit ihrem Unternehmen mittlerweile in 30 Ländern aktiv. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
    Christian Bertermann (re.) und Hakan Koç

    Die Gründer von Auto1 sind mit ihrem Unternehmen mittlerweile in 30 Ländern aktiv.

    (Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

    Damit der Angriff auf das Segment gelingen kann, hatte das Unternehmen im Sommer 255 Millionen Euro von US-Hedgefonds aufgenommen. Mit dem Geld, das bei einer weiteren Finanzierungsrunde oder einem IPO in Anteile umgewandelt werden kann, soll das eigene Endkundengeschäft mit dem Gebrauchtwagen-Onlineshop Autohero ausgebaut werden.

    Vom Investmentbanker zum Gebrauchtwagenhändler

    „Aus unserer Sicht sind Autos das letzte große Wirtschaftsgut, das man noch nicht wirklich online kauft“, sagt Boser. „Wir wollen den Autokauf von der Auswahl bis zur Lieferung voll digitalisieren.“ Er selbst hat übers Internet schon ein gebrauchtes Familienauto gekauft, einen Mercedes E-Klasse Kombi: „Da müssen drei Kinder und ein Hund reinpassen.“

    Bevor Boser zu Auto1 nach Berlin kam, war er 20 Jahre Investmentbanker. Zuletzt hat er bei JP Morgan in London Tech-Deals verantwortet. „Was mich an europäischen Firmen immer gestört hat: Sie haben so in Nischen gedacht – hier eine Software für Frankreich, da eine Software für Deutschland“, sagt Boser, der seine 28 ersten Lebensjahre in den USA verbracht hat.

    Dann habe er die Gründer von Auto1 getroffen. „Hakan und Christian hatten immer schon große Ambitionen, das kannte ich bis dahin nur von Unternehmern aus dem Silicon Valley. Das fand ich erfrischend.“

    Weil er beruflich noch mal etwas Neues machen wollte, sei er bei dem Auto-Start-up eingestiegen. Auf die Frage nach einem Kulturschock sagt er: „JP Morgan gilt regelmäßig als eines der am besten gemanagten Unternehmen weltweit.“

    Auf Auto1 traf das damals offenbar nicht zu. Aber: „Seit meinen ersten Tagen hier hat sich das Unternehmen wirklich stark professionalisiert. Wir sind noch nicht JP Morgan, aber wir wollen ja auch nicht JP Morgan sein.“ Den Schritt vom Investmentbanker zum „Gebrauchtwagenhändler“, wie seine Frau es beschreibe, habe er nicht bereut.

    Mehr: Auto1 wagt sich an den Verkauf für Privatkunden – Gründer Koç wechselt in den Aufsichtsrat.

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