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Onlinehändler Amazon profitiert von Coronakrise – und verdoppelt Quartalsgewinn

Der Onlinehändler kann seinen Umsatz um 40 Prozent auf fast 90 Milliarden Dollar steigern. Das Cloud-Geschäft wächst dagegen so langsam wie noch nie.
30.07.2020 Update: 31.07.2020 - 02:52 Uhr Kommentieren
Amazon zählt mit seinen Lieferdiensten zu den großen Gewinnern der Coronakrise. Quelle: Reuters
Amazon

Amazon zählt mit seinen Lieferdiensten zu den großen Gewinnern der Coronakrise.

(Foto: Reuters)

San Francisco Bei seiner Befragung vor dem Kongress am Donnerstag übte sich Amazon-Chef Jeff Bezos noch in Understatement und spielte die Marktmacht seines Unternehmens herunter. Nur einen Tag später legt der Onlineriese seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Und die beweisen, dass der Gigant im Onlinehandel seine Vormachtstellung in der Coronakrise noch ausgebaut hat.

In praktisch jeder Hinsicht hat der weltgrößte Internetkonzern und Onlinehändler die Erwartungen der Analysten und die eigenen Prognosen übertroffen. Insgesamt stieg der Umsatz um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar, nicht zuletzt getragen vom ungebremsten Boom des Onlinehandels in Zeiten, in denen viele Konkurrenten ihre Läden schließen mussten. Davon profitierten vor allem Onlinehändler wie Amazon.

Der Handelsumsatz in Nordamerika legte um 43 Prozent zu, international um 38 Prozent. Trotz hoher Investitionen in Vertriebszentren, Auslieferung, aber auch Cloud-Computing-Center, blieb ein Nettogewinn in den drei Monaten zum 30. Juni 2020 von 5,2 Milliarden Dollar nach 2,6 Milliarden im Vorjahr – und das trotz „vier Milliarden Dollar Kosten im Zusammenhang mit Corona“, wie Bezos betont. Trotzdem: so viel hat Amazon noch nie in einem einzelnen Quartal verdient.

Ein Geschäft zeigt dagegen ungewohnte Schwächen: Die Cloud-Computing-Tochter AWS wuchs mit einem Plus von 29 Prozent so langsam wie noch nie zuvor seit Amazon die Zahlen der Tochter vorlegt. Die Amazon-Cloud bleibt damit zwar noch immer die Nummer eins des Marktes. Aber die Konkurrenz, vor allem Microsoft, holt kräftig auf.

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    In normalen Zeiten hätte diese Schwäche der Cloud-Sparte einen heftigen Kursrutsch der Aktie ausgelöst. Aber nicht so im ersten Quartal unter vollem Einfluss der Corona-Pandemie auf das Geschäft und die Weltwirtschaft. Die Wachstumsraten der übrigen Bereiche waren einfach zu gut.

    41 Prozent Wachstum im Bereich „Sonstiges“

    Die Wall Street hingegen zeigt sich daher völlig emotionslos und feierte die Zahlen mit einem nachbörslichen Kurssprung von über fünf Prozent bis auf über 3.200 Dollar für die Aktie. Das nicht zuletzt, weil auch der Ausblick auf das laufende Quartal erneut Gutes erahnen lässt: die eigene Umsatzerwartung setzt Amazon in der Spannbreite von 87 und 93 Milliarden Dollar an. Analysten hatten zuvor eher mit einem Mittel von 86 Milliarden gerechnet, also noch unter der Minimalerwartung von Bezos.

    Dazu trägt auch der Bereich „Sonstiges“ maßgeblich bei. Hier versteckt Amazon noch sein jüngstes Geschäftsfeld, die Werbung. Sonstiges verzeichnete im 2. Quartal einen Sprung um 41 Prozent auf 4,22 Milliarden Dollar. Dazu kommt im Bereich Abonnements Amazon Prime mit rund 150 Millionen Kunden, 6,2 Milliarden Dollar Umsatz oder Plus 29 Prozent. Der Videodienst Prime Video erfreute sich dabei in Zeiten der Heimarbeit und Quarantäne besonderer Beliebtheit.

    Bei der Werbung auf Amazon kommt zum Tragen, dass die Kunden heute ohnehin alle auf Amazon zu finden sind und das Unternehmen auch weiß, wer schon was gekauft hat oder oft auch kaufen will. Da können selbst starke Konkurrenten wie Google und Facebook nur mühsam mithalten. Ihnen fehlt das Wissen über die tatsächlich getätigten Kaufabschlüsse.

    Cloud-Tochter AWS ist das Sorgenkind des Konzerns

    Bleibt das potenzielle Sorgenkind AWS. Selbst wenn 29 Prozent Wachstum auf 10,08 Milliarden Dollar grundsätzlich gesund erscheinen, ist es doch der geringste bislang veröffentlichte Wachstumswert. Das ist wichtig, weil AWS immer noch einen Löwenanteil des Betriebsergebnisses liefert, im zweiten Quartal waren es 3,36 Milliarden Dollar von insgesamt 5,83 Milliarden operativem Konzerngewinn.

    Vielen AWS-Kunden steht derzeit aber das Wasser bis zum Hals. CFO Brian Olsavsky bemühte sich im Analystengespräch, das geringere Wachstum auch damit zu begründen, dass man intensiv mit den Kunden zusammenarbeite, um die Kosten durch das Cloud-Computing so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel indem man gemeinsam ungenutzte (und trotzdem bezahlte) Cloud-Kapazitäten suche und diese abschalte.

    Allerdings blieb das Wachstum sogar hinter dem des Gesamtmarktes zurück, der weltweit laut den Branchenanalysten von Canalys bei Cloud-Infrastruktur-Diensten um 31 Prozent auf 34,6 Milliarden angewachsen war. Im Vergleich zum Vorjahr sieht Canalys den Amazon-Marktanteil unverändert bei 31 Prozent, Microsoft („Azure“) legt zwei Prozentpunkte auf 20 Prozent zu, Google gewinnt einen Prozentpunkt auf sechs Prozent, dicht gefolgt vom asiatischen Marktführer Alibaba mit einem Plus von einem auf fünf Prozent.

    Kurz gesagt: AWS war der einzige große Dienst, der den Marktanteil im Vorjahresvergleich nicht steigern konnte. Canalys-Analyst: Blake Murray: „Die Differenzierung zu den anderen Anbietern wird im Wettbewerb immer wichtiger werden.“ Und hier haben Microsoft, Google, und sogar IBM oder Oracle, mit breitgefächerten Angeboten von Hochleistungs-Datenbanken über Künstlicher Intelligenz bis zu kompletten Büro- und Heimbüroumgebungen und „Multi-Cloud“-Lösungen (einheitliche Verwaltung mehrerer Clouds) oft einen Vorteil.

    Kunden suchen „Rundum-Sorglos“-Lösungen, die „schnell und ohne große Störungen im Betrieb bei engem Budget einzuführen sind“, so der Canalys-Analyst. „Die großen vier haben die Schlagzahl bei den Innovationen beibehalten und werden weitere Dienste einführen, um Kunden zu gewinnen. Aber die Konkurrenz wird sich weiter verschärfen“, warnt er.

    Mit anderen Worten: Jeff Bezos muss die einmalige Chance nutzen, die die Krise dem Handels- und Werbegeschäft des Konzerns bietet. Aber dabei darf er die Herausforderungen im Cloud-Geschäft nicht vernachlässigen. Die Meute liegt auf der Lauer.

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