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OpenAI Das hat Microsoft mit ChatGPT vor

CEO Satya Nadella will Künstliche Intelligenz in alle Produkte integrieren, etwa Office oder seine Cloud-Dienste. Die Beteiligung an OpenAI verspricht Wettbewerbsvorteile.
27.01.2023 - 07:53 Uhr Kommentieren
Satya Nadella von Microsoft Quelle: AP
Microsoft-Chef Satya Nadella

„Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist angebrochen.“

(Foto: AP)

San Francisco, Düsseldorf Mit dem Cloud-Dienst Azure und der Internetsuche Bing steht Microsoft in direkter Konkurrenz zu Google. Die Beteiligung am KI-Chatbot „ChatGPT“ könnte dem Konzern jetzt aber einen wichtigen Vorteil verschafft haben. CEO Satya Nadella verspricht sich jedenfalls vor allem für Azure, 14 Jahre nach der Markteinführung, einen Schub. „Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist angebrochen, und Microsoft treibt es voran“, sagte Nadella einen Tag nach Bekanntgabe des Deals bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Bislang habe Microsoft seine Cloud-Dienste stetig ausgebaut – und nach jahrelanger Arbeit im Hintergrund könne man nun völlig neue Anwendungen präsentieren. „Wir verfügen über die leistungsfähigste KI-Supercomputing-Infrastruktur in der Cloud“, sagte Nadella.

Namentlich erwähnte er die Partnerschaft mit OpenAI. Am Vortag hatte Microsoft ein Milliardeninvestment in das Unternehmen aus San Francisco angekündigt – und sich Zugriff auf dessen Chatbot verschafft.

Microsoft: Chatbot ChatGPT könnte Gamechanger werden

OpenAI hatte mit ChatGPT ein Sprachprogramm vorgestellt, das natürliche Sprache verstehen und auf Kommando komplexe Texte generieren kann. Die Anwendung DALL-E generiert Bilder auf Basis von Texteingaben. Firmenkunden setzten diese Lösungen direkt in ihren Geschäftsprozessen ein, wie Nadella betonte: „Bereits über 200 Kunden von KPMG bis Al Jazeera nutzen es.“

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    Klappern gehört zum Geschäft. Aber Experten wie die Analystin Sophie Lund-Yates von Hargreaves Lansdown geben Nadella recht. Das Geschäft mit der Künstlichen Intelligenz befinde sich zwar noch ganz am Anfang, aber Microsoft sei gut aufgestellt. „Die ChatGPT-Vereinbarung könnte auch für Microsoft ein Gamechanger sein“, meinte Lund-Yates.

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    Es gibt zahlreiche vielversprechende Verwendungen wie das weitverbreitete „Office“ mit jährlich rund 45 Milliarden Dollar Umsatz. Das KI-Modell könnte künftig in Anwendungen wie das E-Mail-Programm Outlook, das Videokonferenzsystem Teams oder das Schreibprogramm Word integriert werden. Das KI-Modell könnte dort Vorschläge machen, wie man Sätze zu Ende oder besser und verständlicher formuliert, in eine andere Sprache übersetzt, grammatikalisch richtig schreibt.

    Microsoft und ChatGPT: Ist ein Angriff auf Google realistisch?

    Seit Jahren dominiert Google den Markt der Internetsuche – und verdient viel Geld mit dazugeschalteter Onlinewerbung. Google kommt auf einen Marktanteil von rund 93 Prozent, während Konkurrenten wie Microsoft mit Bing nur etwas mehr als drei Prozent halten.

    Jetzt sprechen einige Experten von einer möglichen Veränderung der Marktstruktur durch ChatGPT. Mit Hilfe des Chatbots könnte Microsoft Bing so aufbauen, dass Nutzer Suchanfragen wie an einen Menschen stellen können und statt einer Auflistung von Links ganze Antworten erhalten. „Google könnte nur ein Jahr oder zwei Jahre von der totalen Disruption entfernt sein“, sagte Paul Buchheit vor Wochen. Sein Wort hat Gewicht, der Informatiker arbeitete lange bei Google, ist der Vater von Gmail.

    Allerdings ist das alles andere als klar. Beispielsweise macht ChatGPT immer noch viele Fehler, die oft ins Absurde gehen und trotzdem überzeugt vorgetragen werden – unter Fachleuten ist das als „KI-Halluzination“ bekannt. Auch werden zukünftig längst nicht alle Suchanfragen im ChatGPT-Muster gestellt werden. Wer etwa wissen will, wo sich eine bestimmte Apotheke befindet, möchte nicht einen Essay darüber lesen.

    Cloud-Dienst Azure von Microsoft wird aufgewertet

    Aber auch im Cloud-Geschäft könnte die Beteiligung ChatGPT Microsoft im Wettstreit mit Google helfen. Hier ist Microsoft Azure mit einem Marktanteil von 21 Prozent nach AWS von Amazon unangefochten auf Platz zwei. Allerdings will Google Cloud mit derzeit elf Prozent aufholen und überzeugte Kunden zuletzt mit seinen in die Cloud integrierten KI-Anwendungen.

    >> Lesen Sie hier: So funktioniert Microsofts Milliarden-Hoffnung ChatGPT

    Mit ChatGPT schiebt Microsoft dem jetzt aber einen Riegel vor – und will noch mehr. „Das ist eine Kampfansage“, sagt Saskia Pauly, Managing Partner vom Branchenberater Cloudtone. Nicht nur bekommen Kunden Zugang zu OpenAI, Microsoft beweist auch Kompetenz in einer bisherigen Google-Domäne. „Damit kann Microsoft den Kunden sagen: Wenn wir OpenAI auf Azure laufen lassen können, dann auch dein Maschinenlernmodell“, sagt Pauly.

    Der Softwarehersteller habe das nötige Geld sowie die Integrationstiefe bei den Kunden, um leistungsfähige KI im großen Maßstab zu vermarkten, sagt Eric Sobolewski, der bei der Digitalagentur TLGG für Daten- und Technologiestrategie verantwortlich ist.

    Ein Wettrennen um Künstliche Intelligenz beginnt

    „Fast jeder in der Wirtschaft ist in irgendeiner Form Microsoft-Kunde, und fast jeder kann bald mit ChatGPT und anderen Systemen günstig experimentieren“, sagt der Datenspezialist.

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    Das Cloud-Geschäft ist ein Wachstumstreiber. Microsofts Intelligent-Cloud-Geschäft, zu dem auch Azure gehört, wuchs im jüngsten Quartal um 18 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar. Die Umsätze mit Azure stiegen um 31 Prozent. Das Wachstum war zwar deutlich langsamer als in den Quartalen zuvor, Analysten hatten aber mit noch weit schwächeren Zahlen gerechnet.

    Das Feld der „generativen KI“, die Texte, Bilder oder Programmcodes erzeugen kann, gehört dem Konzern aber nicht allein: Auch beispielsweise Google und Meta arbeiten intensiv an der Technologie. Es ist also gut möglich, dass der Softwarehersteller bald Konkurrenz bekommt.

    Nach Einschätzung von Datenspezialist Sobolewski ist schon bald damit zu rechnen, dass Manager und Unternehmen über LinkedIn und Twitter zahlreiche Beispiele publik machen, wie sie die Technologie nutzen. „Die Leute wollen zeigen, dass sie Künstliche Intelligenz können“, sagt Sobolewski. Welchen Einfluss die neue Technologie – abseits des Marketings – in der Wirtschaft entfalten wird, ist für den Datenexperten noch nicht ausgemacht.

    Microsoft: ChatGPT lenkt von schwachem Quartal ab

    Entscheidend sei, KI in die Leistungserstellung und Produktionsprozesse einfließen zu lassen. Das ist nicht trivial: Organisationen brauchen nach Einschätzung des Experten beispielsweise eine Strategie, um die nötigen Daten zu sammeln und aufzubereiten. Und sie müssen sich mit regulatorischen Fragen beschäftigen. „Hier sehe ich den größten Blocker, insbesondere in Deutschland.“

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    Bei der Vorstellung der Quartalszahlen war Nadella sichtlich bemüht, den Investoren eine neue Wachstumsgeschichte zu präsentieren. Denn das abgelaufene Quartal ist für das Softwarehaus durchwachsen gelaufen.

    Nadella musste mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent auf 52,7 Milliarden Dollar im Schlussquartal des vergangenen Jahres das langsamste Wachstum seit sechs Jahren ausweisen. In den drei Monaten bis Ende Dezember brach der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreswert um zwölf Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar ein. Mit beiden Werten verfehlte Microsoft die Analystenerwartungen.

    Microsoft Quartalszahlen: Umsatz im PC-Geschäft eingebrochen

    Besonders hart wurde Microsoft im PC-Geschäft getroffen, wo der Umsatz um 19 Prozent und das Betriebsergebnis um 47 Prozent zurückgingen. Während der Coronapandemie hatte das Geschäft stark zugelegt, als viele Menschen von zu Hause aus arbeiteten und sich dafür neue Computer kauften.

    Doch dieser Sondereffekt ist vorbei. Der Beratungsfirma Gartner zufolge ging der weltweite Absatz von Laptops und Desktop-PCs, der während der Coronapandemie stark zugelegt hatte, zum Jahresende 2022 um fast 29 Prozent zurück.

    Das trifft Microsoft unmittelbar. Die Firma produziert selbst Computer. Gleichzeitig stellt sie mit Windows das dominante Betriebssystem. Die Zahl der auf neuen Computern installierten Windows-Lizenzen brach um 39 Prozent ein. Und Microsoft stimmte seine Anleger auf weiterhin schwache Absatzzahlen ein.

    Mehr: Microsoft investiert „Multimilliarden“ in ChatGPT-Macher OpenAI

    Erstpublikation: 25.01.2023, 08:15 Uhr (zuletzt aktualisiert: 25.01.2023,16:59 Uhr).

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