Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

PIN-Codes Der verflixte Schlüssel

Seite 2 von 3:

Die Industrie hat aus der Vergesslichkeit der Menschen längst ein Geschäft gemacht und digitale Passwortspeicher zum Mitnehmen entwickelt. Aber oft reichen schon pfiffige Merkansätze, mit denen Menschen diesseits der Genieschwelle sichere Passwörter erstellen und auch im Kopf behalten können. Leider nur, beklagen Sicherheitsexperten wie Ruben Wolf vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT), „gibt es viel zu wenig Leute, die diese Möglichkeiten auch nutzen“.

Die fatale Folge: Was eigentlich dem Schutz von persönlichen Details oder Unternehmensinformationen dienen soll, wird zur gefährlichen Schwachstelle im Datenraum, zum Einfallstor für Diebe und Onlinebetrüger. Auch wenn sich Banken und Kreditkarteninstitute gleichermaßen über das Ausmaß des Missbrauchs von Karten und Codes ausschweigen – die Schäden gehen in die Millionen.

Nach einer aktuellen Statistik des Bundeskriminalamtes summierte sich allein der Schaden der erfassten Internet-Straftaten in Deutschland 2006 auf 36 Millionen Euro. Die Zahl der angezeigten Vergehen wuchs gegenüber 2005 um gut 40 Prozent auf 47 684 Straftaten. Gut ein Zehntel davon war „Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten“, kurz PINs und Passwörter.

Viele Kartenkunden und Computernutzer machen es den Gaunern aber auch sehr leicht. Wann immer möglich, deaktivieren PIN-geplagte Zeitgenossen die Sicherheitsabfragen, wandeln die komplexen Zeichenfolgen in möglichst leicht zu merkende Passwörter um, „oder kleben sich die Liste der Codes gleich an den Computerbildschirm“, weiß der Münchner IT-Sicherheitsberater Tobias Schrödel.

Den Sinn von Zugriffssicherungen zieht zwar niemand in Zweifel. Aber mit der steigenden Zahl von Geheimcodes und Passwörtern wachsen leider auch Verwechslungsgefahr und Vergesslichkeit. Der Grund: „Erinnerung funktioniert umso besser, je mehr sie mit Bildern, Emotionen, Personen oder ähnlichem verknüpft ist“, weiß der Bonner Hirnforscher und Spezialist für Neuroökonomie Christian Elger. „Anders als etwa die mit den Anschlägen aufs World-Trade-Center verbundene Zahlenfolge 9/11 besitzen die Ziffern und Zeichen der PINs meist keinerlei Sinnzusammenhang. Statt schnell in der Erinnerung verfügbar zu bleiben, verliert sich ihre Spur irgendwo im Stirnhirn – und weg sind sie.“

Wer PINs und Passwörter selbst wählen kann – eine Option, die beispielsweise viele Banken an ihren Geldautomaten anbieten – sollte deshalb Zahlenreihen wählen, an die sich starke Emotionen knüpfen, rät Hirnforscher Elger. Wohl wissend, dass auch diese Strategie ihre Schwächen hat: „Natürlich probieren die Bösen, beim Versuch die Codes zu knacken, zuerst naheliegende Zeichenfolgen aus, wie etwa die Geburtsdaten oder Namen von Computernutzer, Lebenspartner oder Kindern.“

Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "PIN-Codes: Der verflixte Schlüssel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.