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Plattformbetreiber Aktivistischer Investor Elliott fordert Aufspaltung von Scout24

Elliott greift das Management von Scout24 frontal an: Der Investor fordert eine Abspaltung von Autoscout24 sowie massive Aktienrückkäufe – und hinterfragt die Eignung des Vorstands.
Update: 05.08.2019 - 18:02 Uhr Kommentieren
Investor Elliott fordert Aufspaltung von Scout24 Quelle: Reuters
Scout24

Der aktivistische Investor Elliott übt Druck auf das Management des Plattformbetreibers aus.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Düsseldorf Mit Höflichkeiten hält sich Elliott Management nicht lange auf. „Wir wissen es zu schätzen, dass Sie sich in den zurückliegenden Wochen die Zeit für unsere gemeinsamen Treffen genommen haben“, schreibt der Hedgefonds in einem Brief an den Chef von Scout24, Tobias Hartmann. Als einer der größten Investoren „bleiben wir einem konstruktiven Austausch und offenen Dialog verpflichtet“. Doch was dann auf mehreren Seiten folgt, ist eine Abrechnung mit dem Internetunternehmen.

Ausführlich thematisiert das Schreiben, das Elliott Management am Montag veröffentlicht hat, „die verpassten Chancen“. Das vergangene Jahr sei von „schlechtem Urteilsvermögen und unzulänglicher Kommunikation“ seitens des Unternehmens geprägt gewesen, moniert der Hedgefonds. Die Börsenbewertung spiegele deswegen „nicht die Qualität und den Wert der Vermögenswerte wider“. Es ergebe sich das Bild von einem Führungsteam, „dem es an Ambition mangelt“.

Der aktivistische Investor, der mehr als sieben Prozent der Aktien hält, fordert drastische Veränderungen, die zu einer Steigerung des Aktienkurses von derzeit gut 50 auf 65 Euro führen sollen: die Abspaltung der Plattform Autoscout24, massive Aktienrückkäufe und die „Wiederaufnahme einer sinnvollen Zusammenarbeit mit den Aktionären“. Der Großaktionär will ein gewichtiges Wort mitsprechen – damit ist er nicht allein: Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen halten Hedgefonds inzwischen ein Drittel der Anteile.

Scout24 reagierte zurückhaltend. Das Unternehmen habe den Brief „zur Kenntnis genommen“. Es pflege einen offenen Dialog mit allen ihren Aktionären und habe umfassende Schritte angekündigt, „die auf eine Stärkung der beiden Kerngeschäftsfelder, fortgesetztes Umsatzwachstum bei gleichzeitiger Steigerung der operativen Effizienz und eine Optimierung der Kapitalstruktur setzen“. Es werde weiter ein „angemessener Dialog“ mit allen Aktionären geführt.

Die Aktionäre reagierten optimistisch: Am Montag lag das Papier von Scout24 leicht im Plus und notierte mit mehr als 50 Euro auf einem neuen Höchststand. „Die Ankündigung stützt die Aktie im negativen Marktumfeld“, meint Marius Fuhrberg, Analyst bei Warburg, dem Handelsblatt.

Zu wenig geboten

Scout24 betreibt mehrere Portale – am bekanntesten sind wohl Immobilienscout24 und Autoscout24, über die Unternehmen und Privatnutzer Immobilien und Autos handeln können. 2018 steigerte das Unternehmen den Umsatz um 12,5 Prozent auf 532 Millionen Euro, den bereinigten Gewinn (Ebitda) um 10,5 Prozent auf 257,3 Millionen Euro, beide Werte lagen am oberen Ende der Erwartungen.

Das ist Elliott jedoch nicht gut genug. Die Kritik im aktuellen Schreiben entzündet sich an zwei Entscheidungen des Scout24-Managements. Zum einen geht es um den gescheiterten Verkauf der Aktiengesellschaft an ein Konsortium von Blackstone und Hellman & Friedman: Im April empfahl der Vorstand, das Angebot der Finanzinvestoren in Höhe von 46 Euro pro Anteil anzunehmen. Es erreichte jedoch nicht die nötige Zustimmungsquote von 50 Prozent.

„Diese Empfehlung reflektiert nicht den fundamentalen Wert des Unternehmens“, moniert der Hedgefonds nun. Die Ablehnung der Aktionäre sei „eine klare Rüge an den Vorstand und Aufsichtsrat“. „Tatsächlich impliziert diese Annahmequote, dass das Führungsteam von Scout24 die Einschätzung der Aktionäre zum Wert des Unternehmens völlig fehlinterpretiert hat.“ Mit anderen Worten: Der Internetkonzern ist deutlich mehr wert, wenn man es nur richtig anstellt.

Zum anderen kritisiert der Hedgefonds, dass der Internetkonzern kürzlich eine Strategie „zur langfristigen Wertsteigerung“ veröffentlicht hat, ohne diese vorher mit Großaktionär aus New York abzustimmen. In der Pressemitteilung habe es an „Klarheit und ambitionierten Zielen“ gemangelt – dabei habe man doch nur zwei Tage zuvor noch ein Gespräch geführt. Auch die Nominierung drei neuer Aufsichtsratsmitglieder war demnach nicht abgestimmt.

Der Hedgefonds fordert nun drastische Maßnahmen: Die Scout24 AG soll das Portal Autoscout24 abspalten. Das sorge für eine „stärkere Fokussierung“ und eine „signifikante Wertschöpfung“ für die Aktionäre – sprich: einen höheren Kurs. Zudem soll der Aktienrückkauf deutlich umfangreicher ausfallen, als vom Vorstand mit 300 Millionen Euro geplant. Das Unternehmen könne sich einen deutlich höheren Verschuldungsgrad leisten.

Das ist nicht alles: Elliott Management zeigt ein massives Misstrauen gegenüber dem Scout24-Vorstand. „In Anbetracht der großen Versäumnisse“ müsse sich das Führungsteam engagieren, um die Anteilseigner wieder von sich zu überzeugen. „Die Einbindung der Aktionäre darf nicht nur als Pflichtübung verstanden werden.“

Deutliches Potenzial

In Finanzkreisen wird weiter „deutliches Kurspotenzial für die Aktie von Scout 24“ gesehen. Angesichts der Perspektiven waren beim Übernahmeangebot der beiden Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone die Anteilsscheine auch nicht zum Kauf angeboten worden ist. Von der Konzernführung seien nach dem Scheitern der Übernahme die richtigen Schritte eingeleitet worden.

Analysten bewerten die Pläne des Hedgefonds zurückhaltend. „Der Verkauf von Autoscout24 kann sinnvoll sein, wenn man einen Investor findet, der für Synergiepotenziale ein Premium zahlt“, sagte beispielsweise Marius Fuhrberg, Analyst bei Warburg. Allerdings gebe mit der Axel Springer AG und Ebay nicht viele Unternehmen, die ebenfalls im Kleinanzeigengeschäft tätig seien – zumal der US-Konzern mit seinem Portal Mobile.de die Bedenken der Kartellbehörden auf sich ziehen könnte.

Gegen einen Verkauf von Autoscout24 wehre sich der Vorstand nicht, heißt es bei einem Investor. Mögliche Interessenten für die Sparte mit einem Wert von geschätzt 2,5 Milliarden Euro seien das Medienhaus Springer und die Versteigerungsplattform Auto1. Allerdings sei Springer mit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR beschäftigt und bei Auto1 stelle sich die Frage nach der Finanzstärke. Eine weitere Option wäre ein Börsengang, wie sie Siemens etwa mit der Medizintechniktochter Siemens Healthineers vorgemacht habe.

So oder so, für Scout24 wird es ungemütlich: Neben Elliott haben sich nach dem Scheitern der Übernahme weitere Hedgefonds engagiert. Insgesamt rund ein Drittel der Aktien liege inzwischen in deren Händen, betonen Finanzkreise. Zu den Investoren gehörten Aktivisten wie Pelham Capital und Naya Capital sowie der Hedgefonds York Capital.

Wie der Scout24-Vorstand damit umgeht, dürfte sich spätestens nächste Woche zeigen: Am 13. August legt das Unternehmen Zahlen fürs zweite Quartal vor. Da werde das Management voraussichtlich weitere Veränderungen ankündigen, um das Unternehmen voran zu bringen, heißt es in Finanzkreisen. Denn zur Hauptversammlung Ende August können die Hedgefonds angesichts ihres Gewichts als Aktionäre dem jungen Management-Team, das keine Erfahrungen mit Aktivisten habe, großen Ärger bereiten.

 

Alarmstimmung in den Vorständen

Wenn Briefe des aktivistischen Hedgefonds bei deutschen Vorständen eingehen, herrscht Alarmstimmung. Von der Hartnäckigkeit weiß etwa Thyssen-Krupp aus eigener Erfahrung. Hier hatte das Unternehmen von Paul Singer „eine lange Historie betriebswirtschaftlicher Underperformance analysiert, die sich auch im Aktienkurs niedergeschlagen hat“, wie es von Seiten des Hedgefonds hieß. Das war Mitte vergangenen Jahres. Heute hat Thyssen Krupp einen neuen Vorstandschef und der Konzern bekommt eine neue Struktur.

Auch bei Bayer ist Elliott mit dabei. Für die Profis des Fonds betrug der Abschlag zwischen Marktkapitalisierung und dem fairen Wert des Unternehmens rund 30 bis 40 Milliarden Euro bei ihrem Einstieg, der auf vier bis fünf Milliarden Euro verringert werden soll. Der Hedgefonds drängt deshalb auf eine außergerichtliche Einigung bei den Glyphosat-Schadenersatzansprüchen. Auch beim Softwarehersteller SAP ist er engagiert.

Insgesamt verwaltet die Fondsgesellschaft 36,3 Milliarden Euro und ist damit der größte Aktivist weltweit. Eine Durchschnittsrendite von 13,1 Prozent jährlich hat Singer viele Fans eingebracht. Er liegt damit besser als der Aktienindex Standard & Poor’s 500. Lediglich 14 Quartale mit Verlusten musste der Hedgefonds in seiner 42-jährigen Geschichte hinnehmen. Inzwischen arbeiten 473 Angestellte für ihn.

Mehr: Vorstandschef Hartmann gibt Scout24 eine neue Struktur. Die Dienstleistungssparte wird aufgelöst. Anleger sollen von einem Aktienrückkauf profitieren.

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