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Podcasts sind das „Wunschradio zum Mitnehmen“ – Der Markteintritt von Apple verändert die junge Szene Zukunft des Radios liegt im Internet

Thomas Wanhoff ist gut drauf. „I-Tunes hat uns viel gebracht. Die Hörerzahlen sind deutlich gestiegen“, sagt der leidenschaftliche „Podcaster“ aus dem Taunus.
Podcast bietet Lieblingssender für unterwegs. Grafik: Handelsblatt

Podcast bietet Lieblingssender für unterwegs. Grafik: Handelsblatt

HB DÜSSELDORF. „Podcasts“ sind Radiobeiträge, die als digitale MP3-Dateien auf Web-Servern bereitgehalten werden. Mit spezieller „Sammlersoftware“ können diese Podcasts abonniert werden. Die Software sucht automatisch neue Folgen und lädt sie auf PC oder Mac. Das nervige manuelle Stöbern nach den neuesten Sendungen entfällt.

Auf einen tragbaren Player überspielt, ist das quasi Wunschradio zum Mitnehmen. Man kann es hören, wann man will. Und nach Meinung von Experten vielleicht die Ablösung des alten Radios schlechthin. Obwohl es Podcasts erst seit 2004 gibt, haben sechs Millionen Amerikaner schon mal pods geladen, hat eine Umfrage des PEW Internet & American Life Projekt ergeben. Das wären 29 Prozent der Besitzer von MP3-Spielern in den USA.

Auf „Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft“ gibt es jeden Sonntag Beiträge über Ernstes und Witziges vom „Ökotest zum Thema Zahnpasta“ bis zu „Männerformation: Spermien, Aufstellung bitte“. Mit Engagement gesprochen, mit Musik, Gastbeiträgen und professionellem Trailer als Intro. 24 Minuten Wissenswertes in einer 22 MB großen Datei. Kostenlos.

Was Online-Journalist Wanhoff so freut, ist die Apple-Software iTunes 4.9. Sie hat jetzt die Verwaltung der Podcast-Abos für den Musikspieler „iPod“ integriert. „In den zwei Tagen nach Einführung der Version haben wir über eine Millionen Abonnements verzeichnet“, sagt Georg Albrecht von Apple Deutschland. Neue Apple-Musikspieler haben ein Podcast-Menü, viele alte Geräte sind nachrüstbar.

Auch Adam Curry („The Daily Sourcecode“), Urgestein der Szene, ist begeistert: „Die Abozahlen über unser PodShow Podcast Network sind deutlich gestiegen.“

Der Apple-Chef Steve Jobs mit einem iPod mini. Foto: dpa Quelle: dpa

Der Apple-Chef Steve Jobs mit einem iPod mini. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Doch die Freude ist nicht ungeteilt. Softwareanbieter der ersten Stunde sehen ihre Felle schwimmen. Die podcast-Seite „Wizards of Technology“ meldet unter Berufung auf eigene Statistiken, dass binnen 24 Stunden 16 Prozent der Nutzer von anderen Programmen wie dem iPodderX zu iTunes 4.9 gewechselt sind. Die Zahl der Neuzugänge sei jedoch kaum gestiegen.

Die Einfachheit der geschlossenen Systemkette iTunes/iPod überzeugt. Nach dem Abonnieren im Apple-eigenen Podcast-Verzeichnis – das mit zwei Klicks erledigt ist – läuft alles bis hin zur automatischen Übertragung auf den iPod praktisch von selbst. Freaks können eigene Podcasts erstellen und bei Apple anmelden. Als Voraussetzung reicht ein 10-Euro-Mikrofon und genauso hören sich manche Amateur-Podcasts allerdings leider auch an.

Erzrivale Microsoft hinkt hinterher. Wer auf dem neuen MSN-Portal unter podcast/msnbc.com einen der wenigen Podcasts wie die hauseigene NBC-Kult-Newsshow „Meet the Press“ mit Tim Russert abonnieren will, muss erst Software eines Drittanbieters installieren. Und Besitzer von MP3-Playern – etwa von iriver, Sony oder Creative – sind nach der Übertragung auf den PC weiter auf Handarbeit angewiesen, um ihre mobile Musicbox auf dem Laufenden zu halten.

Podcaster Wanhoff sieht die Gefahr, dass kleine, unabhängige Seiten wie www.sushiradio.de („Kleinen Hörhäppchen“) von den großen Podcast-Listen wie iTunes an die Wand gespielt werden. Deshalb wollen die deutschen Podcast-Enthusiasten sogar einen Verband gründen, um der Welt zu sagen, „dass es da auch noch was anderes gibt“.

Nicht in Vergessenheit zu geraten, wird spätestens dann wichtig, wenn es um s Geld geht. August Trometer, Entwickler von iPodderX, glaubt noch, dass der Markteintritt Apples allen nutzen wird: „Ab jetzt wird uns die Werbeindustrie mehr Beachtung schenken“.

Doch Radio braucht Musik, und schon hält die Gema die Hand auf. „Für Podcasts werden Gebühren wie für Internet-Radio fällig“, so Gema-Sprecher Hans-Herwig Geyer. Um das zu umgehen, nutzen Podcaster oft lizenzfreie Musik. Die findet man auf Seiten wie mp3.com, Sprungbrett für unbekannte Newcomer. „Ich maile die Bands an, ob ich Stücke nehmen darf, und oft klappt es“, sagt Wanhoff. Die sind froh, wenn jemand ihre Musik verbreitet.

Arjan Dasselaar denkt schon weiter. Der freie Journalist und professionelle Web-Blogger („davon kann man leben“) aus Amsterdam nimmt Kurse in Video-Nachbearbeitung. „Video-Podcasting wird in vier bis fünf Jahren den Durchbruch schaffen“, sagt er. Aber bei Video liege die professionelle Messlatte noch höher: „Es ist schon schwer genug, einen guten Podcast zu produzieren“, sagt er „Ein Videopodcasting erfordert noch weit mehr Kenntnisse. Wenn es soweit ist, dann will ich vorbereitet sein.“

Nicht nur iTunes

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