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Projekt Loon Schnelles Internet in entlegenen Regionen: Googles Traum von Heliumballons ist geplatzt

Mit dem Projekt Loon ist Google technologisch viel gelungen, kommerziell aber lohnt es sich so wenig wie der Bau von Masten. Eine Rolle spielt auch Elon Musks Satellitennetzwerk Starlink.
22.01.2021 Update: 22.01.2021 - 13:43 Uhr Kommentieren
Entlegene Regionen mithilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen ist zu kostspielig. Die dafür gegründete Tochterfirma Loon wird geschlossen. Quelle: dpa
Google-Mutter gibt Ballon-Projekt zur Internetversorgung auf

Entlegene Regionen mithilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen ist zu kostspielig. Die dafür gegründete Tochterfirma Loon wird geschlossen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Firma Loon aus dem Google-Mutterkonzern Alphabet sollte mit riesigen Heliumballons schnelles Internet in entlegene Regionen bringen. Doch jetzt wird die Tochterfirma geschlossen. „Wir haben keinen Weg gefunden, die Kosten so weit zu senken, dass ein langfristig nachhaltiges Geschäft möglich sein wird“, schrieb Loon-Chef Alastair Westgarth am Freitag in einem Blogeintrag.

Alphabet nutzt einen Teil der Gewinne aus Googles hochprofitablem Suchmaschinengeschäft, um „other bets“, andere Wetten, auf die Technologien der Zukunft einzugehen: Die Firma für autonomes Fahren Waymo zählt dazu, die Drohnenfirma Wing, die die „Luftpost“ neu definieren soll, und bis jetzt auch Loon, das mit Ballons in der Stratosphäre auch solche Gebiete mit Netz abdecken sollte, in denen sich der Bau von Telefonmasten nicht lohnt.

Doch jetzt ist klar: Technologisch hat das Projekt große Fortschritte gemacht, wirtschaftlich lohnt es sich aber genauso wenig wie der Bau von Masten.

Den Stopp von Loon deuten viele Beobachter als ein weiteres Zeichen, dass Alphabet bei seinen teils verrückten Technologiewetten mehr und mehr die Kosten im Blick hat – auch auf Druck seiner Investoren hin. Deren Glaube an die Ballons dürfte zuletzt auch wegen der Fortschritte mit Internet-Satelliten wie bei Elon Musks Starlink infrage gestellt worden sein.

Es wird immer billiger, Satelliten in den niedrigen Orbit zu schießen und mit großen Konstellationen dieser Satelliten ein flächendeckendes 5G-Netz auf die Erde zu beamen. Die Technologie ist weit fortgeschritten: Weltweit eröffnet Starlink bereits Ländergesellschaften zwecks Vermarktung, in Deutschland wird etwa eine Partnerschaft mit der Telekom ausgelotet – denn nicht nur in Afrika, auch in Deutschland gibt es Funklöcher, die zu stopfen bisher finanziell nicht rentabel war.

Google hatte seinen Ansatz mit den Ballons, die wochenlang in der Luft bleiben können, bereits 2013 vorgestellt. Seither wurden viele technologische Herausforderungen gelöst – etwa die Frage, wie die umherschwebenden Ballons einander Daten übermitteln können. Erst im Dezember wurde ein weiterer Durchbruch verkündet: Die Internetballons konnten nunmehr mit einer selbstlernenden Künstlichen Intelligenz gesteuert werden anstatt mit von Menschen entwickelter Software.

Internet-Satelliten – für welche Unternehmen sie interessant sind

Das ungelöste Problem ist die Vermarktung. Zwar hatte Loon im Juli 2020 in Kooperation mit einem lokalen Netzbetreiber die Versorgung einer Region in Kenia gestartet. Aber parallele Entwicklungen haben die Investmenthypothese verändert: In den vergangenen Jahren wurden Internetzugänge in immer mehr Regionen verfügbar – und in den verbliebenen sind sie weiterhin zu teuer oder uninteressant für die Einwohner.

Aus diesen Gründen sei er zu dem Schluss gekommen, dass Loon niemals zu den Gewinnen des Alphabet-Konzerns beitragen werde, sagte der Chef des Alphabet-Innovationslabors X, Astro Teller, dem Magazin „Wired“. Die Dutzenden Ballons, die sich noch in der Luft befinden, werden voraussichtlich im Laufe der kommenden neun Monate zur Erde absinken und sollen dann eingesammelt werden. Für die Nutzer in Afrika war die Zeit mit dem Internet eine kurze.

Die Dienste der Anbieter von Kommunikationssatelliten-Netzwerken werden zunächst in anderen Regionen der Welt verfügbar sein. Gestartet ist Starlink vor einigen Monaten in den USA. Und es wird sich wohl auch weiterhin genau wie das Kommunikationssatelliten-Projekt Kuiper des Amazon-Konzerns eher an Nutzer richten, mit denen sich einfacher Geld verdienen lässt als mit Menschen in dünn besiedelten Gebieten Afrikas.

Neben Privatpersonen, die für noch schnellere Downloadgeschwindigkeiten zahlen können und wollen, sind vor allem Unternehmen als Kunden interessant, die für das Internet der Dinge, autonomes Fahren oder Maschinenkommunikation ein schnelles und verlässliches Internet brauchen. Das wird erst in den stark industrialisierten Regionen der Fall sein, aber mit Sicherheit schon bald überall auf der Welt.

Mehr: Internet aus dem All – wie Unternehmen am Netz für alle basteln.

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