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Prosus-Chef van Dijk im Interview „Wir denken in Jahrzehnten“ – Dieser CEO steuert gleich zwei Milliarden-Unternehmen

Naspers hat seine Tochter in Amsterdam an die Börse gebracht. Prosus wurde auf einen Schlag zu Europas größtem Internetkonzern. Doppel-CEO Bob van Dijk erklärt seine Strategie.
16.12.2019 - 11:43 Uhr Kommentieren
Der Prosus-Chef will den Internetkonzern für europäische und amerikanische Tech-Investoren attraktiver machen. Quelle: Prosus
Bob van Dijk

Der Prosus-Chef will den Internetkonzern für europäische und amerikanische Tech-Investoren attraktiver machen.

Berlin Europas größter Internetkonzern ist ein Phantom. Obwohl Prosus viermal so viel wert ist wie Spotify, ist die seit September in Amsterdam gelistete Internetholding allenfalls Branchen- und Börseninsidern bekannt. „Prosus ist ein sehr junges Unternehmen“, sagt dessen Chef Bob van Dijk. „Wir sind eben erst in den niederländischen Aktienindex AEX aufgenommen worden. Jetzt müssen wir in die Herzen der europäischen Tech-Investoren aufgenommen werden“, sagt er dem Handelsblatt.

Bekannter als Prosus selbst sind viele seiner Investments: Der chinesische Social-Media-Anbieter Tencent, der russische Mail-Anbieter Mail.ru oder die deutsche Essenliefer-Plattform Delivery Hero.

Die Investments tätigte noch das südafrikanische Medienunternehmen Naspers, das van Dijk ebenfalls führt. Mit der Abspaltung von Prosus will van Dijk für europäische und amerikanische Tech-Investoren attraktiver werden. „Prosus ist jetzt etwa 100 Milliarden Euro wert, in den nächsten paar Jahren sollen die nächsten 100 Milliarden folgen“, gibt er als Zielmarke aus.

Sein nächstes Ziel hat van Dijk bereits ins Auge gefasst: Für rund 5,7 Milliarden Euro will Prosus die britische Essensliefer-Plattform Just Eat übernehmen.

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    Dazu legt er sich mit der Lieferando-Mutter Takeaway an, die mit Just Eat fusionieren will. „Der Kurs, zu dem Takeaway seine Aktien zum Tausch anbietet, bewertet das Unternehmen und sein Wachstum über“, sagt van Dijk. „Wir bieten Cash für die Aktien von Just Eat, also Sicherheit für die Investoren.“

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr van Dijk, es gibt nicht viele CEOs, die gleichzeitig zwei Milliardenunternehmen geführt haben. Steve Jobs, Twitter- und Square-Chef Jack Dorsey. Und Sie. Wie waren die vergangenen drei Monate, seit Sie Prosus an die Börse gebracht haben?
    Sie waren aufregend. Aber gar nicht so viel anders als zuvor. Unsere Strategie als Naspers-Gruppe ähnelt sehr der, die wir jetzt auch bei Prosus haben. Wir investieren in Unternehmen, die gewaltige Probleme technologisch lösen und dabei extrem schnell wachsen.

    Andere Tech-Konzerne wie Spotify sind in den USA gelistet. Warum sind Sie mit Prosus an eine europäische Börse gegangen?
    Amsterdam ist mit Naspers schon lange unsere zweite Heimat. Wir haben zum Beispiel unser globales Team für maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz hier. Dazu kommt, dass die Anforderungen der Börse hier sehr ähnlich sind wie für Naspers in Südafrika. Wir müssen kein zusätzliches Board einrichten und werden in die Kernindizes aufgenommen. Das wäre uns aufgrund unserer Holding-Struktur in den USA versagt geblieben.

    Die Abspaltung von Naspers‘ Internetinvestments sollte deren Marktwert steigern. Die gut 100 Milliarden Euro Marktwert entsprechen aber gerade mal dem Wert Ihres Anteils an Tencent. Der Aktienkurs ist wieder fast auf den Ausgabepreis gefallen.
    Erst mal ging es ja gewaltig nach oben. Und eine gewisse Volatilität haben wir erwartet: Wir haben bei dem Börsengang kein frisches Kapital aufgenommen, sondern die Aktien an die Naspers-Aktionäre verteilt. Bei Schwellenländerfonds passte die Aktie nicht ins Portfolio, die haben dann verkauft. Aber fundamental sind wir stark.

    Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?
    Prosus ist jetzt etwa 100 Milliarden Euro wert, in den nächsten paar Jahren sollen die nächsten 100 Milliarden folgen.

    Bislang tritt die Aktie aber auf der Stelle.
    Prosus ist ein sehr junges Unternehmen. Wir sind eben erst in den niederländischen Aktienindex AEX aufgenommen worden. Jetzt müssen wir in die Herzen der europäischen Tech-Investoren aufgenommen werden.

    Der Softbank Vision Fund, mit dem Sie schon co-investiert haben, hat zuletzt einige Rückschläge erlebt, den größten beim Bürovermieter WeWork. Was für ein Investor ist Prosus?
    Wir haben einen extrem langen Atem. Wir sind kein Fonds, deshalb investieren wir nie mit Blick auf einen Verkauf in ein paar Jahren. Wir haben 2001 in Tencent investiert und halten den Anteil heute noch. Außerdem sind wir selbst operativ tätig und können unsere Unternehmen etwa in der Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz unterstützen. Und wir sind global: Wir operieren in Indien, in China oder den USA und können Unternehmen beim Markteintritt helfen.

    Verzetteln Sie sich da nicht?
    Thematisch sind wir sehr fokussiert: Große Summen investieren wir nur in unsere Kernbereiche, die wir gut verstehen: Essenslieferungen, Finanzdienstleistungen und Kleinanzeigen.

    Hier auf der „TechCrunch Disrupt“-Konferenz in Berlin treten Sie aber mit einem Ihrer Bildungs-Start-ups, der polnischen Nachhilfeplattform Brainly, auf.
    Bildung könnte ein weiterer Fokus für uns werden. Bisher haben wir sechs mittelgroße Investments in der Branche getätigt. Die Fähigkeiten von Menschen an das digitale Zeitalter anzupassen ist eine der wichtigsten Aufgaben, gerade in Schwellenländern. Und nur mit Technologie kann das im globalen Maßstab gelingen.

    In Delivery Hero haben Sie vor deren Börsengang 2017 gut eine Milliarde Euro gesteckt. Inzwischen ist die Berliner Essenslieferplattform im MDax notiert und das Viertel, das Sie besitzen, rund 2,5 Milliarden Euro wert. Wäre es nicht mal an der Zeit, Gewinne mitzunehmen?
    Wir haben absolut kein Interesse, Delivery-Hero-Aktien zu verkaufen. Ich bin Niklas (Östberg, Delivery Heros CEO) etwa ein Jahr vor dem Börsengang zum ersten Mal begegnet und war beeindruckt von seiner Vision, wie groß der Markt für Essenslieferungen eines Tages werden kann. Ich glaube, dass der Markt weltweit noch nicht mal zehn Prozent seines Potenzials erreicht hat. Das Beste liegt noch vor uns, also warum sollten wir jetzt verkaufen?

    Zum Beispiel, weil der Markt durch neue Konkurrenten wie Uber Eats und Deliveroo extrem umkämpft ist. Etablierte Player wie Grubhub in den USA verlieren in vielen Ländern Marktanteile. Warum sollte es Ihnen anders gehen?
    Unsere Portfoliounternehmen Swiggy in Indien und iFoods in Brasilien konkurrieren sehr erfolgreich mit Uber Eats. Beide haben ein lokales Management, das den Markt seit Jahren kennt. Der Code wird dort geschrieben, sie kennen die Restaurantszene ihres Landes. Das kann eine zentral gesteuerte US-Plattform wie Uber nicht einfach nachbauen. Und wir helfen ihnen mit unserer globalen Expertise aus vielen Märkten.

    Naspers hat sehr erfolgreich in China und Indien investiert – beides Märkte, in denen die Politik allergisch auf großen ausländischen Einfluss reagiert. Hatten Sie als südafrikanisches Unternehmen einen Vorteil gegenüber westlichen Wettbewerbern?
    Es liegt eher an unserer Strategie des „dritten Weges“ – wir sind Ausländer, aber schicken fast nie Expats in die Unternehmen, selbst dort, wo wir Mehrheitseigner sind. Das Management, die Angestellten sind von vor Ort und schaffen langfristig ein lokales Start-up-Ökosystem. Das gefällt dann auch den Regierungen dort.

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