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PwC-Studie KI sorgt für Boom in Chipindustrie – Europa muss aber mehr tun

Mit neuen Anwendungen ergeben sich gewaltige Chancen für die Halbleiterhersteller. PwC warnt in einer neuen Studie aber, dass Europa dafür nicht gut genug vorbereitet sei.
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2019 wird ein katastrophales Jahr für die Branche. Quelle: Reuters
Chip

2019 wird ein katastrophales Jahr für die Branche.

(Foto: Reuters)

München Erst waren es die PCs, später dann die Smartphones, die der Chipindustrie einen gewaltigen Schub verschafft haben. Nun sei es die Künstliche Intelligenz (KI), die für kräftiges Wachstum unter den Halbleiterherstellern sorgen werde, sagen die Experten der Beratungsgesellschaft PwC voraus.

Die Marktforscher erwarten, dass das Geschäft mit KI-Chips von zuletzt sechs Milliarden Dollar auf 30 Milliarden im Jahr 2022 wachsen wird. Dies hat PwC in einer neuen Studie berechnet, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Und das dürfte erst der Anfang sein.

Das gewaltige Potenzial wird an Europa aber möglicherweise weitgehend vorbeigehen. Denn weder die Politik noch die einheimischen Konzerne würden sich ausreichend bei KI engagieren, warnt PwC. Das sei nicht nur wirtschaftlich ein Nachteil, sondern auch relevant für die Sicherheit. Schließlich sei der ganze Kontinent in einem sensiblen Feld auf Lieferanten aus anderen Erdteilen angewiesen.

„Der Fall Huawei zeigt: Es ist wichtig, sich nicht von anderen Regionen abhängig zu machen“, sagt Marcus Gloger, Partner der Strategieberatung von PwC. Der chinesische IT-Konzern muss wegen des Handelsstreits zwischen der Volksrepublik und den USA um die Lieferung amerikanischer Komponenten und Software bangen. Darüber hinaus sind in Europa hergestellte Halbleiter auch in puncto Datenschutz vorteilhafter für die ganze Region.

In drei Feldern brauchen die Kunden PwC zufolge künftig Chips für KI. Beispiel autonomes Fahren: Zunächst sollen die Chips für die nötige Rechenleistung sorgen. Ein autonomes Fahrzeug etwa muss im Notfall auch ohne Internetverbindung zurechtkommen. Darüber hinaus sind die Chips notwendig für die Vernetzung der Fahrzeuge. Und schließlich sind sie auch für die Sensoren unerlässlich, die die Umgebung erfassen.

Einerseits müssten die Hersteller dafür hoch spezialisierte Chips anbieten, etwa für die Gesichtserkennung, für Roboter oder autonome Fahrzeuge. Andererseits kämen Massenprodukte zum Einsatz, insbesondere Prozessoren. Daher dürften gemäß PwC die großen amerikanischen Prozessor-Hersteller Intel, Nvidia und Qualcomm massiv von KI profitieren.

Gleichzeitig drängen die großen globalen Technologiekonzerne als neue Wettbewerber ins Geschäft. So hat das amerikanische Internetkaufhaus Amazon für seinen Sprachassistenten einen eigenen KI-Chip angekündigt. Der Softwarehersteller Microsoft wiederum entwickelt einen KI-Chip für seine Computerbrille Hololens.

USA und China sind experimentierfreudiger

Google wiederum ist schon seit 2017 damit beschäftigt, Prozessoren zu entwickeln – mit dem Ziel, die Leistung um das Dreißigfache zu steigern und den Stromverbrauch dramatisch zu reduzieren. Apple, Samsung und der Elektroauto-Pionier Tesla wiederum entwickeln speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Halbleiter. „Das könnte die Position der etablierten Chiphersteller gefährden“, heißt es in der PwC-Studie.

Von denen gibt es in Europa aber ohnehin nur drei mit weltweiter Bedeutung: Infineon aus München, der französisch-italienische Konzern ST Microelectronics und NXP aus den Niederlanden. Allesamt beschäftigen sie sich mit KI.

Aber offenbar nicht genug. US-Amerikaner und Chinesen seien experimentierfreudiger, findet Tanjeff Schadt, Halbleiterexperte von PwC. Er fordert: „Die europäischen Anbieter sollten mehr Tempo machen in relevanten Anwendungen.“ Zudem sollten sich die Konzerne Schadt zufolge Verbündete suchen: „Die Investitionssummen werden größer, die Entwicklungskosten steigen. Die Chiphersteller sind gut beraten, Partnerschaften einzugehen.“

Infineon selbst sieht das anders. Der Konzern baut gerade ein neues Entwicklungszentrum für Automobilelektronik und KI in Dresden auf. In vernetzten Verkehrssystemen spiele KI bereits heute eine Rolle, meint Vorstandschef Reinhard Ploss. Er sieht riesige Chancen für sein Unternehmen: „Unser Know-how im Bereich Automobil werden wir nutzen, um demnächst auch KI-Lösungen für andere Zielmärkte anzubieten“, unterstrich Ploss im Frühjahr.

Infineon unterstütze bereits die größte europäische Initiative für die Anwendung von KI, „Applied AI“. Darin arbeite Infineon mit namhaften Partnern aus Politik und Wissenschaft zusammen, sowie mit anderen Konzernen wie SAP oder Siemens. Ploss: „Gemeinsam engagieren wir uns dafür, KI-Technologien durch Wissensaustausch und Prototyping voranzubringen und deren Anwendung zu beschleunigen.“

2019 wird ein sehr schlechtes Jahr für die Branche

Momentan fällt es den Herstellern allerdings eher schwer, in die Zukunft zu investieren. Denn das Geschäft schrumpft. Bei ST Microelectronics fiel der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um gut vier Prozent. Der Dax-Konzern Infineon wird seine neuesten Zahlen am Donnerstag veröffentlichen. Ploss musste seine Prognose vom vergangenen Herbst dieses Frühjahr aber bereits deutlich zurücknehmen.

Klar ist: 2019 wird ein katastrophales Jahr für die Branche. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass der Umsatz weltweit um knapp zehn Prozent auf 429 Milliarden Dollar einbrechen wird. So stark ging es zuletzt während der Finanzkrise vor zehn Jahren bergab.

Besonders schlimm trifft es die Hersteller von Speicherchips, ein Feld, auf dem die europäischen Anbieter aber schon lange nicht mehr tätig sind. Der Grund für den tiefen Fall: Überkapazitäten, ein schwächeres Smartphone-Geschäft sowie die Auswirkungen des Konflikts zwischen USA und China.

PwC sieht aber nicht nur die Firmen gefordert, sich stärker für KI zu engagieren „Die Politik sollte noch besser verstehen, wie wichtig die Halbleiter sind“, sagt Manager Gloger. Es würde seiner Ansicht nach helfen, wenn die europäische Politik ein technikfreundlicheres System aus Anwendungsentwicklern für KI, aus KI-Chip-Herstellern und allen anderen Branchenteilnehmern fördern würde.

„Europa gibt unglaublich viel für Grundlagenforschung aus“, meint Gloger. Es seien aber meist Firmen aus Asien und USA, die schlussendlich mit den Technologien Geld verdienen würden. „Daher müssen sich europäische Halbleiter-Unternehmen und die Politik dringend darüber einigen, wie ein Ökosystem aussehen kann, das Investitionen vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz fördert.“

Die Zeit drängt. Denn angesichts des angedrohten Lieferboykotts durch die US-Amerikaner würden die Chinesen den Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie forcieren, so die Marktforscher von Gartner. In dem Land werden die mit Abstand meisten Chips weltweit verkauft, einheimische Hersteller spielen weltweit kaum eine Rolle. Kunden für KI-Chips hätten die Firmen allemal. Die Volksrepublik gilt als führend auf diesem Feld.

Mehr: Laut einer Studie wird der Umsatz mit Halbleitern in diesem Jahr um 9,6 Prozent schrumpfen. Viele Konzerne mussten bereits ihre Prognosen korrigieren.

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