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Ralph Dommermuth „Die Aktionäre sind momentan verunsichert“ – So plant der United-Internet-Chef seine 5G-Expansion

Der Chef von United Internet spricht über seine Pläne für den 5G-Ausbau, sein langfristiges Geschäftsmodell und fallende Kurse an der Börse.
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Der Chef von United Internet hofft auf gute Geschäfte mit dem 5G-Netz. Quelle: Thies Rätzke für Handesblatt
Ralph Dommermuth

Der Chef von United Internet hofft auf gute Geschäfte mit dem 5G-Netz.

(Foto: Thies Rätzke für Handesblatt)

Düsseldorf Ralph Dommermuth ist einer der erfolgreichsten Internetgründer Deutschlands. Doch der Umbau seines Unternehmens zum Netzbetreiber ist eine große Herausforderung.

Mit einer Gewinnwarnung schockte er am Donnerstag die Aktionäre und schickte die Aktie auf Talfahrt. Im Interview verrät er seinen Plan für den 5G-Ausbau und warum er sich langfristig gute Geschäfte verspricht.

Herr Dommermuth, wann wird Ihr 5G-Netz in Deutschland starten?
Wir haben mit den Vorbereitungen begonnen. Ich gehe davon aus, dass wir 2021 starten werden.

Wird Ihr Netz flächendeckend Deutschland umspannen?
Natürlich. Dazu werden wir am Anfang in den Regionen, wo wir noch nicht selbst ausgebaut haben, bestehende Mobilfunknetze nutzen. In der Fachsprache heißt das National Roaming. Denn wir können niemandem zumuten, dass er in Funklöcher fährt.

Mit 5G lässt sich zwar schnell surfen, aber nicht telefonieren. Bauen Sie auch 4G?
Ja, wir planen ein kombiniertes Netz aus 5G und 4G. Es wird ohnehin noch einige Jahre dauern, bis 5G-Endgeräte von jedem genutzt werden. Am Anfang werden sie noch sehr teuer sein. Erst wenn es günstige Smartphones für den Massenmarkt gibt, steht die Technik vor dem Durchbruch. Unsere Kunden werden also längere Zeit 4G und 5G parallel nutzen. Und darauf legen wir unser Netz aus.

Als Neueinsteiger wollen Sie auch die Netze von Wettbewerbern nutzen. Wie laufen die Gespräche dazu?
Wir stehen ganz am Anfang der Gespräche über National Roaming, deshalb kann ich noch nichts Konkretes sagen. Zusätzlich haben wir aufgrund der Fusionsauflagen aus Brüssel für die seinerzeitige E-Plus-Übernahme durch Telefónica einen garantierten Zugang zum Netz von Telefónica, der auch 5G umfasst. Diesen Vertrag können wir in eine National-Roaming-Vereinbarung umwandeln.

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Diese Regel läuft spätestens 2030 aus …
Das stimmt. Deshalb verhandeln wir auch mit anderen Netzbetreibern.

Und was machen Sie, wenn es nicht zu einer Einigung kommt?
Bei Bedarf können wir die Bundesnetzagentur anrufen, die dann als Schiedsrichter fungieren würde. Das ist bisher aber nicht nötig. Deutschland hinkt beim Mobilfunk hinterher, will aber trotzdem zum Leitmarkt für 5G werden. Wir sollten also schnellstmöglich Klarheit schaffen.

Für Ihr Netz brauchen Sie auch Technik der Ausrüster. Wie laufen die Gespräche mit Nokia und ZTE?
Zu Details von Gesprächen und den Namen der beteiligten Firmen kann ich mich nicht äußern. Wir sprechen mit verschiedenen potenziellen Partnern.

Werden Sie ein Netz bauen oder anmieten?
Wir diskutieren verschiedene Modelle. Es ist möglich, dass wir die Infrastruktur kaufen. Wir könnten aber auch ein komplettes Netz leasen. Als dritte Möglichkeit könnten wir eine Mischform wählen. Die Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen.

Wie wollen Sie mit 5G Geld verdienen – eher mit Privat- oder mit Firmenkunden?
Unsere Stärke liegt klar im Geschäft mit Konsumenten und Kleingewerbetreibenden. Wir zahlen heute jährlich rund 600 Millionen Euro für Vorleistungen an andere Mobilfunknetzbetreiber. Diese Kosten können wir mit dem Bau eines eigenen Netzes internalisieren und die eingesparte Summe für Investitionen in unser Netz nutzen.

Was ist mit Firmenkunden?
Geschäftskunden könnten auch lukrativ sein. Aber es ist noch nicht klar, wie dort die Modelle aussehen. Derzeit wird mit 5G-Lösungen für die Industrie experimentiert. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich ein nachhaltiges Geschäft für Netzbetreiber ist. Schließlich können sich Firmen ihr Campus-Netz auch direkt von Ausrüstern wie Nokia, Ericsson oder Huawei bauen lassen – ganz so, wie sie es bei der Inhouse-Vernetzung auf Basis anderer Technologien tun. Für uns ist das Mobilfunkgeschäft mit Endkunden besser einschätzbar. Dort haben wir ein etabliertes Business-Modell und eine sehr gute Marktstellung mit nahezu zehn Millionen Vertragskunden.

Wie wollen Sie sich von Telekom, Vodafone und Telefónica unterscheiden?
Letztlich läuft alles über Netzqualität, Innovationen, Service und Preis. Ich werde den Mund nicht zu voll nehmen und behaupten, ich könnte ein besseres Netz bauen als die Telekom. Aber wir zeigen tagtäglich bereits mit unserem Festnetz, dass wir eine gute Kombination aus Leistung und Preis anbieten können. Das wird uns auch mit einem eigenen Mobilfunknetz gelingen.

Ihre Anleger scheinen daran zu zweifeln. Ihr Aktienkurs hat gelitten. Wieso?
Die Aktionäre sind momentan verunsichert. Sie fragen sich, wie viel der Netzausbau kosten wird und wie sich Dividende und Geschäft entwickeln werden.

Und was wird der Ausbau kosten?
Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich war von Anfang an ehrlich und habe immer gesagt, dass wir vor einem langwierigen Prozess stehen. Deshalb kann ich Ihnen auch jetzt keine verlässliche Zahl oder einen exakten Zeitplan nennen. Der Erwerb des Frequenzspektrums war nur der erste Schritt auf einer langen Reise.

Mehr: Die Strategie von United Internet ist auf vier Jahre angelegt und verschlingt Milliarden – zum Unmut der Aktionäre. Die bevorzugen kurzfristige Gewinnchancen.

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