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Reaktionen auf Frequenzvergabe Verbraucherschützer loben Ergebnis der 5G-Auktion – Kritik der Konzerne

Mit Drillisch gibt es künftig einen weiteren Wettbewerber auf dem Mobilfunk-Markt. Kritik kommt dagegen von Vodafone und Telekom. Die Reaktionen auf die Milliarden-Auktion.
Update: 13.06.2019 - 12:19 Uhr Kommentieren

5G-Frequenzauktion beschert Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro

Berlin, Mainz Nach dem Ende der längsten deutschen Mobilfunkauktion rechnen Fachleute und Politiker mit positiven Folgen für Verbraucher. Diese seien letztlich ein Gewinner der Versteigerung. Schließlich gebe es durch den Einstieg von Drillisch als vierten deutschen Netzbetreiber künftig mehr Wettbewerb am Markt.

„Durch den vierten Netzbetreiber am Markt wird sich der Wettbewerb verschärfen, was dem Verbraucher zugutekommen kann, etwa wenn Handyverträge wegen des Konkurrenzkampfes billiger angeboten werden als bisher“, sagte der VWL-Professor Vitali Gretschko von der Denkfabrik ZEW.

Nach mehr als zwölf Wochen war am Mittwoch die Auktion von Mobilfunkfrequenzen zu Ende gegangen. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch zahlen insgesamt knapp 6,6 Milliarden Euro. Neueinsteiger als Netzbetreiber ist Drillisch – künftig wird es in Deutschland also Funkmasten von vier und nicht nur von drei Unternehmen geben.

„Drillisch könnte dem deutschen Markt mit modernen, kundenorientierten Preismodellen neue Impulse geben - eine gute Nachricht für Verbraucher“, sagt Jens-Uwe Theumer vom Preisvergleichsportal Verivox.

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Sitta wertete den Ausgang der Versteigerung positiv: „Es ist sehr erfreulich, dass es einen weiteren Mobilfunkanbieter geben wird, denn mehr Wettbewerb führt zu niedrigeren Preisen und einer besseren Infrastruktur für die Verbraucher.“

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) begrüßte, dass mit Drillisch ein weiterer Netzbetreiber antreten wird. „Denn Wettbewerb belebt das Geschäft und sorgt für günstige Preise“, sagte vzbv-Chef Klaus Müller der „Rheinischen Post“. „Damit der neue Anbieter dann auch wirklich wettbewerbsfähig sein wird, müssen die drei etablierten Netzbetreiber ein faires Angebot für die Nutzung der Netze auf dem Land machen.“

Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter sprach dagegen von einem „katastrophalen“ Ergebnis. Wegen der Ausgaben für die Lizenzen hätten die Unternehmen nun kein Geld mehr für den Ausbau der Netzinfrastruktur. „Wir schlagen deshalb vor, dass der Bund die Einnahmen aus der Auktion in Form einer Förderung an die Unternehmen zurückgibt, um damit ein besseres Mobilfunknetz zu bauen“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

„Die Deutsche Telekom hat das Spektrum erhalten, das sie wollte“, sagte ein Telekom-Konzernsprecher. Ganz zufrieden war er dennoch nicht: Die Versteigerung hinterlasse einen „bitteren Nachgeschmack“. Das Ergebnis sei ein Dämpfer für den Netzausbau, da das Spektrum viel teurer sei als in anderen Ländern. „Das Geld für die Auktion fehlt den Netzbetreibern in Deutschland“, monierte er.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, erklärte: „Es liegt nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen.“ Nach dem Willen der Bonner Behörde müssen etwa bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland, die Autobahnen und die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit schnellen Datenverbindungen versorgt werden. Die Telekomfirmen hatten das scharf kritisiert.

Obgleich sein Unternehmen schwächer abschnitt als die Telekom und Vodafone äußerte sich Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas positiv: Man habe „ein werthaltiges Frequenzpaket erworben, das unser bestehendes Spektrum ideal ergänzt“.

Auch Neueinsteiger Drillisch war erfreut. „Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen“, erklärte Ralph Dommermuth, Chef des Mutterkonzerns United Internet.

Kritische Töne gibt es auch mit Blick auf die Staatseinnahmen. Fachleute waren vor der Auktion zwar nur von Einnahmen von drei bis fünf Milliarden Euro ausgegangen, und nun sind es mit knapp 6,6 Milliarden Euro sogar deutlich mehr. Das hinterlasse aber einen „faden Beigeschmack“, denn die Milliarden fehlten dem Mobilfunkmarkt nun zum Netzausbau, monierte FDP-Politiker Sitta.

Scholz will keine Haushaltslöcher schließen

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer übte ebenfalls Kritik: „Die Einnahmen aus der Versteigerung sind viel zu hoch –das führt zu einem langsameren Ausbau des Mobilfunks.“ Mit dem Geld sollte der Bund nun ein Förderprogramm in den Mobilfunkausbau im ländlichen Raum auflegen, „sonst bleibt Deutschland eine Funkloch-Nation“, forderte der Grüne.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz will mit den Erlösen aus der Versteigerung keine Haushaltslöcher schließen. Die Einnahmen seien mit gut 6,5 Milliarden Euro höher ausgefallen als erwartet, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend in Berlin. „Das ist gut. Es geht los mit einem besseren Mobilfunkausbau in Deutschland.“

Das Geld werde er nicht für den Bundeshaushalt, sondern wie in der Koalition vereinbart für die digitale Infrastruktur verwenden. Es gebe nun mehr Mittel, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben und auch dünn besiedelte Regionen mit einem besseren Breitband zu versorgen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie mahnte die Politik, die flächendeckende Versorgung mit 5G sicherzustellen. „Die Bundesregierung muss die Milliarden aus der jüngsten Auktion dringend in die Infrastruktur investieren“, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf. „Die milliardenschweren Förderprogramme des Bundes nützen wenig, wenn Bau und Planung der Netze durch das Planungs- und Baurecht zu einer immer größeren Herausforderung werden.“

Die Verbände der Chemie-, Automobil-, Maschinenbau- und Elektronikbranche betonten in einer gemeinsamen Erklärung, die Bundesnetzagentur müsse nun schnellstmöglich die Vergabebedingungen für lokale Frequenzen im Bereich von 3,7 bis 3,8 Gigahertz bekanntgeben. Viele Unternehmen planten eigene 5G-Netze, insofern sorgten eigene Frequenzen für mehr Wettbewerb.

Das Kürzel 5G steht für die 5. Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, auch LTE genannt. 5G ist wesentlich schneller im Download und verfügt über eine geringere Reaktionszeit (Latenz) - Daten werden praktisch in Echtzeit verarbeitet.

Und wer hat sich in der Auktion nun durchgesetzt? Der Auktionstheoretiker Gretschko wertet den Ausgang als kleinen Rückschlag für Drillisch und begründet dies damit, dass die Firma am Ende noch überboten wurde und damit einen Block weniger bekam als in dem wochenlangen Ringen angestrebt.

Gut abgeschnitten haben aus Sicht von Gretschko die Deutsche Telekom und Vodafone. „Sie haben genau das bekommen, was sie wollten.“ Allerdings müssen auch sie wesentlich tiefer in die Tasche greifen als gedacht. Telefónica stellte Gretschko ein mäßiges Zeugnis aus.

Von den 41 Frequenzblöcken entfallen die meisten auf die Deutsche Telekom – der frühere Staatsmonopolist konnte 13 Blöcke abräumen und muss dafür 2,17 Milliarden Euro zahlen. Auf Vodafone entfallen zwölf Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica neun für 1,42 Milliarden Euro.

Drillisch konnte sich sieben Blöcke für 1,07 Milliarden Euro sichern – die Tochterfirma des rheinland-pfälzischen Konzerns United Internet hat bisher kein eigenes Netz, stattdessen nutzt sie bisher Antennen der Konkurrenz.

Mehr: Die 5G-Auktion ist zu Ende. Damit muss der auch der Stillstand enden. Die Betreiber sollten schnell damit beginnen, ihre Netze auszubauen.

  • dpa
  • rtr
  • opl
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