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Reinhard Ploss Milliardenzukauf in den USA: Der Infineon-Chef sucht noch einmal die große Herausforderung

Der Ingenieur ist Infineon sein ganzes Arbeitsleben treu geblieben. Zum Ende seiner Karriere will es sich der Chef noch mal beweisen.
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Der Infineon-CEO investiert neun Milliarden Euro in den amerikanischen Halbleiterhersteller Cypress. Quelle: imago/photothek
Reinhard Ploss

Der Infineon-CEO investiert neun Milliarden Euro in den amerikanischen Halbleiterhersteller Cypress.

(Foto: imago/photothek)

MünchenHäufig denkt Reinhard Ploss erst ein paar Sekunden nach, bevor er antwortet. Was er dann sagt, hat aber Hand und Fuß. So war es auch, als der Infineon-Chef im Herbst 2017 gefragt wurde, ob er sich denn weitere Akquisitionen vorstellen könne. Der Ingenieur zögerte ein wenig, anschließend betonte er: „Wir wollen ein aktiver Konsolidierer sein.“

Es hat noch anderthalb Jahre gedauert, ehe Ploss tatsächlich zugriff. Am Montagmorgen kündigte der 63-Jährige an, für neun Milliarden Euro den amerikanischen Halbleiterhersteller Cypress zu kaufen. „Das ist ein großer Schritt für Infineon“, unterstrich Ploss.

Vielleicht ein zu großer? Infineon blättert das Viereinhalbfache des Jahresumsatzes von Cypress auf den Tisch. Er halte den geplanten Kauf für teuer, kritisierte UBS-Analyst David Mulholland und fasste damit die kollektive Gefühlslage der Anleger präzise zusammen. Tatsächlich zeigten die sich entsetzt über den Preis. Mit einem Minus von zeitweise zehn Prozent waren die Infineon-Aktien am Montag der größte Verlierer im Dax. Am Dienstag verharrten die Papiere auf dem niedrigsten Niveau seit knapp drei Jahren.

Ploss hatte offenbar damit gerechnet. Noch am Montagnachmittag ließ er seine Investor-Relations-Abteilung ausschwärmen, um wichtigen Investoren den Deal zu erläutern. Größer, wachstumsstärker und profitabler soll Deutschlands größter Chipproduzent durch den Kauf werden, so die zentrale Botschaft.

Seit sieben Jahren steht der Manager nun schon an der Spitze von Infineon. Er weiß: Das komplexe Geschäft des Halbleiterherstellers will gut erklärt sein. Wie wichtig die Wortwahl sein kann, hat Ploss in all seinen überstandenen Krisen immer wieder erfahren. Zu diesem Erfahrungsschatz zählt auch, dass man sich durch einen Kurssturz nicht vom Weg abbringen lassen darf.

Als der damalige Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber 2012 ihn, den Altgedienten, als neuen Konzernchef präsentierte, da waren viele Analysten und Investoren verblüfft. Mayrhuber aber wusste, dass in der hektischen Chipbranche Bodenhaftung nicht schadet. „In unserem dynamischen und zyklischen Geschäft ist Stabilität ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, sagte Mayrhuber damals.

Es ist ein stolzer Preis, da gibt es keine Zweifel. Reinhard Ploss

Als Prozessingenieur hatte Ploss 1986 angefangen, damals war die Firma noch Teil von Siemens. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung der wichtigen Autosparte, 2007 zog der Franke in den Vorstand ein. Gemeinsam mit dem damaligen Konzernchef Peter Bauer bewahrte er Infineon vor der Pleite. Bauer und Ploss stießen Sparten ab, konzentrierten sich auf wenige Wachstumsfelder: der Grundstein für den heutigen Erfolg.

Andere Konzernchefs leisten sich Pferde und Rennwagen, Ploss lässt Modellflugzeuge in die Lüfte steigen. So präzise er im Umgang mit der Fernbedienung ist, so genau steuert er sein Unternehmen. „Was wir versprechen, das halten wir“, ist einer jener Sprüche, die er gerne hervorkramt, wenn mal wieder Zweifel an seiner Strategie auftauchen.

An seiner Erfolgsquote lässt sich bislang indes wenig aussetzen. Im laufenden Geschäftsjahr musste Ploss zwar bereits zwei Mal die Prognose zurücknehmen, über die Jahre hinweg ist Infineon aber stramm gewachsen. Seine Position sei völlig ungefährdet, heißt es Umfeld des Aufsichtsrats denn auch. Sein Vertrag läuft noch bis in den Herbst 2020.

Kurz danach wird der Ingenieur 65, eigentlich der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Weggefährten halten es für möglich, dass er noch ein paar Jahre dranhängt – wenn er darf. Dann könnte Ploss beweisen, dass sich der Kauf von Cypress gelohnt hat. Der Infineon-Chef verspricht, dass die Firmen in ein paar Jahren gemeinsam 1,5 Milliarden Euro mehr Umsatz erzielen als im Alleingang.

Im Sommer tritt mit Wolfgang Eder, dem scheidenden Chef des Stahlherstellers Voestalpine, ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender an. Ein erfahrener Manager, mit dem Ploss gut auskommen dürfte. Im Grunde die besten Voraussetzungen, um aus der größten Akquisition der 20-jährigen Firmengeschichte einen Erfolg zu machen – und Ploss einen würdigen Abschied zu bereiten.

Mehr: Infineon investiert in ein amerikanisches Unternehmen – andersherum werden diese Schritte aber seltener. Die ausländischen Direktinvestitionen nach Deutschland brechen immer weiter ein.

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