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Rekordwert im Dax 170 Milliarden Euro Marktkapitalisierung: Die Börse feiert gute SAP-Zahlen

Das Dax-Schwergewicht überrascht die Märkte mit einem starken Quartalsergebnis. Das verschafft Chef Christian Klein Luft für wichtige Zukunftsthemen.
09.07.2020 Update: 25.08.2020 - 17:34 Uhr Kommentieren
Der Dax-Konzern hat alle Erwartungen übertroffen. Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images
SAP-Sitz in Walldorf

Der Dax-Konzern hat alle Erwartungen übertroffen.

(Foto: Ulrich Baumgarten/Getty Images)

Düsseldorf Es war ein schwieriger Start für Christian Klein. Als der 40-jährige Manager im April die alleinige Führung von SAP übernahm, sorgte die abrupte Trennung von seiner Co-Chefin Jennifer Morgan für öffentliche Diskussionen. Gleichzeitig kassierten viele Kunden nach dem Absturz der Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie ihre Aufträge.

Drei Monate später sieht die Situation deutlich besser aus. In der Nacht zu Donnerstag veröffentlichte SAP per Ad-hoc-Mitteilung überraschend robuste Zahlen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass unsere Teams das sehr schwierige Umfeld erfolgreich gemeistert und ein besseres Quartalsergebnis erreicht haben als erwartet“, sagte Konzernchef Klein.

Das Geschäft mit den Softwarelizenzen, das im ersten Quartal um 31 Prozent eingebrochen war, erholte sich stärker als erwartet – vor allem in Asien. Der Erlös mit dem Cloud-Computing wuchs um immerhin 21 Prozent.

Die Reaktion an der Börse war geradezu euphorisch: Der SAP-Kurs stieg um bis zu 8,5 Prozent auf ein Rekordhoch von mehr als 139 Euro. Die Marktkapitalisierung stieg auf 170 Milliarden Euro. Selten war ein Dax-Konzern so viel wert.

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    „So eine Leistung hat keiner im Markt erwartet – SAP scheint selbst ein Stück weit überrascht zu sein“, sagt Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zum Optimismus der Aktionäre trägt bei, dass der Softwarehersteller die Prognose bestätigt hat. „Wenn sich ein Unternehmen trotz Covid-19 so entwickelt, ist das schon aufsehenerregend.“

    Die Ergebnisse verschaffen Christian Klein Ruhe für die vielen Projekte, die anstehen – von der Integration der Produkte bis zu neuen Initiativen wie einer Lösung für die Messung von CO2-Emissionen.

    Die Coronakrise sorgte bei allen Unternehmen für eine Ausnahmesituation – auch bei SAP. Die Programmierer und Projektmanager können ihre Arbeit zwar bequem im Homeoffice erledigen, allerdings müssen sich auch die Vertriebler nun per Video mit den Kunden zusammenschalten und die Technikspezialisten Systeme aus der Ferne einrichten. Das erschwert Großprojekte, die bei dem Softwarehersteller üblich sind.

    Starke Einbrüche erwartet, Zuwachs geliefert

    Entsprechend drastisch waren die Folgen im ersten Quartal: Aufgrund der Krise hätten Kunden „eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen“ verschoben, was sich in einem erheblichen Rückgang der Lizenzerlöse widerspiegele, erklärte SAP damals. Die Wirtschaftstätigkeit werde sich erst im zweiten Halbjahr erholen, warnte der Softwarehersteller und senkte daher die Prognose.

    Nun zeigt sich: Das war zu pessimistisch. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 6,74 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis aufgrund von Sondereffekten sogar um 55 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro – bereinigt lag das Plus bei immerhin sieben Prozent. Auch die operative Marge verbesserte sich deutlich. Alle wichtigen Kennzahlen waren somit besser als von Analysten erwartet.

    Grafik

    Finanzchef Luka Mucic verwies auf „das breite Lösungsportfolio“, aber auch die „beispiellose Diversifikation im Hinblick auf Branchen und geografische Regionen. Ein wichtiger Faktor war aber vor allem das unerwartet robuste Geschäft mit Softwarelizenzen. Der Erlös sank zwar um 18 Prozent auf 0,77 Milliarden Euro, am Jahresanfang war das Minus allerdings noch deutlich höher ausgefallen. In der Region Asien-Pazifik-Japan, zu der auch China zählt, sei es zu einer starken Erholung gekommen, teilte der Konzern mit.

    SAP habe mit dem Ausblick erwarten lassen, dass das Lizenzgeschäft im zweiten Quartal stark einbrechen werde, sagt Mirko Maier, Analyst bei der LBBW. „Ich dachte: Jetzt kommt es richtig dicke.“ Er habe daher ein Minus von 60 Prozent angesetzt. Dank der Erholung in Asien kam es jedoch anders.

    Gute Vertragslage

    Dieser Trend sorgt für Optimismus. „Die Befürchtung, dass Großprojekte gestoppt werden, ist bislang nicht eingetreten“, so Holger Schmidt, Analyst beim Bankhaus Metzler. „Aus der Verbesserung in der Region Asien lässt sich ableiten, dass sich das Geschäft nach der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen auch in Europa und USA beleben wird – immer vorausgesetzt natürlich, dass es keine zweite Welle gibt.“

    Für Stabilität sorgt zudem das Geschäftsmodell mit dem Cloud-Computing: Der Erlös wuchs um 21 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro und damit zwar weniger stark als noch in den Monaten zuvor. SAP verwies darauf, dass der Umsatz aus Transaktionen wie der Vermittlung von Geschäftsreisen oder dem Verkauf von Material wegen der Wirtschaftskrise gesunken sei. Der Softwarehersteller hat Geschäftsnetzwerke für Beschaffung, Reisen und Personal.

    Viele Kunden schließen aber weiterhin neue Verträge ab und verlängern alte. Die Kennzahl Current Cloud Backlog, die vertraglich gesicherte, aber noch nicht verbuchte Umsätze für die nächsten zwölf Monate darstellt, stieg um 20 Prozent auf 6,65 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach Lösungen beispielsweise für digitale Logistikketten und E-Commerce sei „unverändert stark“.

    Bereits 73 Prozent des Geschäfts zählt SAP inzwischen zu den besser planbaren Umsätzen, zu denen neben den Abonnements für Cloud-Dienste auch die obligatorischen Wartungsgebühren zählen, die Kunden nach dem Kauf von Softwarelizenzen zahlen müssen. Die strategische Ausrichtung der vergangenen Jahre macht sich gerade in der Krise bezahlt.

    Klein hat eine lange To-do-Liste

    Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation gelang es SAP zudem, die Profitabilität deutlich zu steigern. Die bereinigte operative Marge, die für das Management wie auch für Investoren eine wichtige Rolle spielt, stieg deutlich um 1,8 Prozentpunkte auf 29,1 Prozent. Die „schnelle Reaktion auf die Krise auf der Kostenseite“ habe zu dem starken Anstieg geführt, erklärte Finanzchef Mucic. Das Unternehmen hat weniger neue Mitarbeiter eingestellt, bei den Geschäftsreisen gespart und Veranstaltungen virtuell ausgerichtet.

    Das starke Ergebnis verschafft SAP-Chef Klein Zeit und Ruhe. Dieser könne „erst einmal durchatmen und seine Themen vorantreiben, ohne zusätzlichen Druck seitens des Kapitalmarkts zu bekommen“, sagt ein Insider. Gleichzeitig habe er eine erste kleine Bestätigung gegeben, dass seine Ernennung richtig gewesen sei.

    Das gute Quartalsergebnis verschaffe Klein eine Atempause, urteilt auch Holger Müller, Analyst beim Marktforscher Constellation Research. Dieser müsse nicht nur Mitarbeiter, Partner und Kunden „verantwortungsvoll managen“, sondern auch eine neue Produktstrategie für die nächsten Jahre liefern.

    Das sei kritisch „für das Überleben der SAP, wie wir sie kennen“ – als Weltmarktführer für ERP-Software, mit der Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern. „Wenn Klein das in diesem schwierigem Gesamtumfeld hinbekommt, dann hat er seine Feuertaufe als CEO mit Bravour bestanden.“

    Der SAP-Chef hat nun mehr Freiraum, dringende Zukunftsprojekte umzusetzen. Quelle: dpa
    Christian Klein

    Der SAP-Chef hat nun mehr Freiraum, dringende Zukunftsprojekte umzusetzen.

    (Foto: dpa)

    Klein hat eine lange To-do-Liste. So verspricht er, die vielen Produkte zu integrieren, damit sie ohne große Anpassung zusammen funktionieren. Die Unternehmen sollen typische Aufgaben durchgängig abbilden können, zum Beispiel von der Kundenwerbung bis zur Zahlungsabwicklung, „Lead to Cash“ genannt. 50 Prozent der Arbeit seien erledigt, sagte der Manager kürzlich, bis Jahresende sollen es 90 Prozent sein.
    Auch beim Kernprodukt S/4 Hana ist noch viel zu tun. Die Cloud-Version, die im Zuge der Ausgangsbeschränkungen gerade rasant an Bedeutung gewinnt, hat im Vergleich zur Konkurrenz noch Schwächen. Der Marktforscher Gartner bescheinigte dem System kürzlich zwar eine starke Produktvision, aber gewisse Schwächen bei den Funktionen. Zudem muss der Konzern die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Cloud-Produkte verbessern.

    SAP mit Preisvorteil

    Zudem hat Klein auf der virtuellen Kundenkonferenz Sapphire Now jüngst mehrere Initiativen angekündigt. Eine neue Lösung erfasst die CO2-Emissionen über die Produktionskette hinweg, neue Cloud-Plattformen für spezielle Branchen sollen Firmen bei der digitalen Transformation helfen. Das alles ist jedoch noch vage.

    Mit mehr als 139 Euro hat die SAP-Aktie einen neuen Rekordwert erreicht. Trotzdem besteht noch Potenzial. Die Investmentbank Goldman Sachs führt den Dax-Konzern auf der „Conviction Buy List“ und hat bereits vor der Veröffentlichung der Ergebnisse das Kursziel von 125 auf 142 Euro angehoben. LBBW-Analyst Maier überarbeitet gerade seine Empfehlung und erwartet bei seinen Kollegen ebenfalls Korrekturen.

    Dafür gibt es einige gute Gründe. Das Geschäft wirkt trotz der Coronakrise robust, eine Anhebung der Prognose fürs laufende Jahr scheint nicht abwegig. Zudem ist SAP im Vergleich zu Konkurrenten wie Salesforce, Adobe und Microsoft günstig, wie Schmidt vom Bankhaus Metzler erläutert – durch eine Neubewertung ergebe sich gegebenenfalls noch Potenzial.

    Zumindest, wenn die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft nicht ein zweites Mal lahmlegt. „Entscheidend für das Gesamtjahr wird der Zustand der globalen Wirtschaft im vierten Quartal sein“, sagt Schmidt: Am Jahresende erwirtschafte der Konzern traditionell mehr als 40 Prozent der Lizenzumsätze. „Da spielt die Musik.“

    Hinweis: In dem Beitrag hieß es zunächst, nie sei ein Dax-Konzern mehr wert gewesen als SAP. Allerdings haben in wenigen Fällen andere Unternehmen eine höhere Marktkapitalisierung erreicht, etwa die Telekom zu Zeiten des Dotcom-Booms. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

    Mehr: SAP-Chefaufseher rechnet mit Ex-CEO Bill McDermott ab.

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