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Republica 2019 Astronaut Alexander Gerst: „Von oben sieht die Erde so zerbrechlich aus“

Zum Abschluss der Republica begeistert „Astro-Alex“ das Publikum. Er lenkt den Blick der Teilnehmer vom Kleingedruckten auf das große Ganze.
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„Wir wollen den Klimawandel nicht nur vermeiden, wir müssen auch Lösungen bereitstellen.“ Quelle: dpa
Alexander Gerst

„Wir wollen den Klimawandel nicht nur vermeiden, wir müssen auch Lösungen bereitstellen.“

(Foto: dpa)

BerlinWenn Alexander Gerst die Bühne betritt, kennen seine Fans kein Halten mehr. Und auf der Republica hat der Astronaut verdammt viele davon. Sie jubeln, klatschen, winken mit kleinen Europa-Fähnchen und machen Fotos mit ihren Smartphones. Auf dem Boden vor der ersten Reihe sitzen jüngere Besucher, die parallel zu der Digitalkonferenz an der Jugendkonferenz Tincon teilgenommen haben.

Dass er wie ein Superstar bejubelt wird, findet Gerst nicht erstaunlich. Er habe Astronauten früher selbst für Superstars gehalten, erzählt er. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich ausgewählt werde.“ Fünf Jahre lang beobachtete er die Website der Weltraumagentur ESA, um den Aufruf zur Bewerbung nicht zu verpassen. Als er die Zusage bekam, glaubte er an einen Fehler – immerhin gab es ja noch 8.412 andere Bewerber.

Doch nun wisse er: „Wir sind alle nur Menschen. Mein Ziel ist erreicht, wenn Leute sagen: Das, was Alexander Gerst kann, das kann ich auch.“ Er richtet sich an die Besucher in der ersten Reihe vor den Stühlen, vor allem an die jungen Frauen: „Bewerbt euch, ihr könnt das! Jeder Mensch hat das Recht und sogar die Pflicht, seinem Traum eine Chance zu geben. Ihr könnt Wissenschaftlerinnen, Astronautinnen – eine von euch könnte sogar Chefin der ESA werden. Ihr müsst es nur probieren.“

Es ist kein Wunder, dass Alexander Gerst auf der Digitalkonferenz spricht. Zum einen ist er als „Astro-Alex“ vor allem Social-Media-Nutzern bekannt. Fast 1,3 Millionen Follower begeistert der Astronaut der European Space Agency (ESA) allein auf Twitter mit seinen Bildern aus dem Weltall. Im Dezember 2018 beendete der Deutsche seine zweite Mission auf der internationalen Raumstation ISS mit einem Video, in dem er sich bei nachfolgenden Generationen für den Zustand der Erde entschuldigte. Zum anderen gibt es seit 2012 immer wieder Vorträge der ESA auf der Republica. Zuletzt sprach Alexander Gerst 2015 hier, als er von seiner ersten Mission zurückkam.

Diesmal berichtet der 43-Jährige von der Mission „Horizons“. Am Morgen war er bereits im Bundestag. Was die Menschheit derzeit zum Leben verbrauche, sei nicht nachhaltig, sagte er dort dem Wirtschaftsausschuss. Auf der Republica versucht Jan Wörner, Generaldirektor der ESA-Raumfahrtagentur, immer wieder, das Gespräch mit Gerst und der Präsidentin der portugiesischen Raumfahrtagentur Chiara Manfletti, aufzulockern, flachst herum.

Teilweise bleibt die Diskussion dadurch an der Oberfläche. Das ist schade, geht es ja bei dieser Republica gerade um Details, den Blick hinter die Kulissen. Sie soll sich den Fußnoten, dem Kleingedruckten widmen und darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, zu recherchieren und zu hinterfragen, so das Ziel der Veranstalter.

Dazu passt auch der Vortrag von Johan Rockström unmittelbar vor Alexander Gersts Auftritt. Der Direktor des Potsdam Institute for Climate Impact Research sagt, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft das Tempo, mit dem die globale Erwärmung fortschreitet, unterschätzt habe. Die Pariser Klimaziele seien kaum zu erreichen. Nur wenn es der Gesellschaft gelinge, die Co2-Emmissionen bis 2030 um die Hälfte zu begrenzen, gebe es noch eine Chance, das Schlimmste zu verhindern.

„Ich bin davon überzeugt, dass es absolut notwendig ist, alle Karten auf den Tisch zu legen – egal, wie unangenehm das auch sein mag“, sagt Rockström. Er sei aber auch zuversichtlich: „Ich habe noch nie so eine große Bereitschaft gesehen, etwas zu verändern. Da ist gerade so eine Energie in der Klimawandel-Agenda, wenn man das mit der Situation vor 20 bis 30 Jahren vergleicht.“

Diese Energie war auch auf der Republica zu spüren und das ist auch der ESA ein Anliegen, erklärt Wörner: „Wir kümmern uns um alle Klimavariablen. Dafür haben wir eine Flotte von Satelliten, die uns alles berichten, zum Beispiel wie der Meeresspiegel ansteigt.“

Und nicht nur das: Während einer Mission auf der ISS werden etwa 300 Experimente durchgeführt: „Wir züchten zum Beispiel Nutzpflanzen, die resistent gegen den Klimawandel sind“, sagt Gerst. „Wir wollen den Klimawandel nicht nur vermeiden, wir müssen auch Lösungen bereitstellen.“

Das Publikum auf der Republica ist fasziniert. Bei allen Experimenten gehe es darum, das Leben auf der Erde zu verstehen, sagt Gerst. „Wir erforschen zum Beispiel Krankheiten. Parkinson etwa wird ausgelöst durch ein Proteinkristall, das im Gehirn wächst. Auf der Erde können wir die Kristalle wegen der Gravitation nicht groß genug züchten, um sie ordentlich zu untersuchen. Deshalb machen wir das im Weltall.“

Die ISS sei die komplexeste Maschine, die die Menschheit je gebaut hat, so Gerst. „Die Einzelteile wurden von 100.000 Menschen gebaut und dann wurde das Ganze im Orbit zusammengesteckt – niemand wusste, ob das funktioniert.“ 15 Nationen seien daran beteiligt gewesen.

Die internationale Zusammenarbeit zu betonen, ist Gerst und Wörner ohnehin sehr wichtig. Ohne sie funktioniere es nicht. Zwei Dinge werden Gerst immer wieder besonders deutlich, wenn er aus dem Weltall auf die Erde blickt, sagt er: Wie zerbrechlich sie ist und dass man von oben keine Grenzen sieht. Deshalb appelliert Gerst an die jungen Menschen im Publikum, es ihm gleich zu tun und sich zu dafür zu bewerben, Astronaut zu werden. Im nächsten Jahr seien die Chancen gut, so Wörner, dass auf der Website der ESA wieder eine Ausschreibung zu finden ist.

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