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Republica 2019 Warum sich alle für den Klimawandel interessieren, aber niemand handelt

Nachhaltigkeit ist ein Schwerpunktthema auf Europas größter Digitalkonferenz Republica. Das Bewusstsein ist groß – ein Gefühl der Ohnmacht auch.
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Klimawandel: Alle interessieren sich dafür, aber niemand handelt Quelle: dpa
„Fridays for Future“-Demo in Mainz

Beim CO2-Ausstoß liegen der Flugverkehr und digitale Technologien fast gleichauf.

(Foto: dpa)

BerlinUnschlüssig machen die Workshop-Teilnehmer einen Schritt nach vorne, dann treten sie wieder einen Schritt zurück. Sie sollen mit ihrer Position im Raum zeigen, ob sie einer Aussage zum Klimawandel eher zustimmen oder sie ablehnen. „Digitale Technologien erzeugen mehr Kohlenstoffdioxid als globaler Luftverkehr“, lautet die Behauptung, über die sie grübeln. Die meisten stellen sich schließlich in die linke Hälfte des Raumes, was bedeutet, dass sie die Aussage für falsch halten. Wieso? Nur so ein Gefühl, schließlich sei Fliegen das Schlimmste.

Tatsächlich erzeugten Technologien nicht mehr CO2 als globaler Luftverkehr – noch: Denn bereits jetzt seien der CO2-Ausstoß fürs Fliegen und für digitale Technologien fast gleichauf. In Zukunft werde der CO2-Ausstoß durch letztere wohl doppelt oder drei Mal so hoch sein wie der durch das Fliegen, erklärt Michael Lindner von clisciety. Die Gruppe fördert den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Auf der Republica treffen sich traditionell viele Besucher, die sich für Nachhaltigkeit interessieren. Sie schultern stolz ihre Jutebeutel mit dem Logo der Veranstaltung, tragen Schlüsselbänder aus recycelten Plastikflaschen um den Hals und klatschen für die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ in Deutschland. Sie bauen Insektenhotels oder tauchen ein in eine begehbare Unterwasserwelt, die der WWF aufgebaut hat, um auf Plastikmüll in den Meeren aufmerksam zu machen.

Unter dem Titel SYSTEM:ERROR sind in diesem Jahr auf der dreitägigen Digitalkonferenz Veranstaltungspunkte zusammengefasst, die sich mit dem menschengemachten Klimawandel und dem Zusammenhang mit der Digitalisierung befassen.  

„Die Digitalisierung verändert, wie wir über Nachhaltigkeit nachdenken“, sagt Maja Göpel, Generalsekretärin Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Der WBGU hatte Ende April die Große Koalition gemahnt, einer ungezügelten Digitalisierung entgegenzuwirken, weil diese ansonsten die Schädigung von Umwelt und Klima weiter beschleunigen werde. Immer größere Datenmengen benötigen immer mehr Strom.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze legte zur Republica Eckpunkte für eine „umweltpolitische Digitalagenda“ vor. Sie wolle einen Raum für Forschung, Start-ups und Netzwerke schaffen, die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für mehr Klimaschutz nutzen, schreibt Schulze in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Wenn es nach Expertin Göpel geht, muss bereits vor der Entwicklung einer Technologie über ihren Zweck nachgedacht werden. Viel Hoffnung hat sie aber nicht. „Am Ende kippt es dann ja doch immer, weil Profitabilität für Unternehmen eine wichtigere Rolle spielt, als Nachhaltigkeit.“

Harald Welzer von der Stiftung Futurzwei sagt, dies liege an einem falschen Verständnis von Disruption: „Disruptiv ist, wenn 40 Prozent unserer Insektenarten vom Aussterben bedroht sind. Disruptiv ist, wenn die Erde sich um mehr als zwei Grad erwärmt. Denn diese Entwicklungen verändern unser gesamtes Leben. Es ist keine Disruption, wenn mein Kühlschrank Milch für mich bestellt.“

Wissen müssten das inzwischen eigentlich alle. Durch die Digitalisierung haben Menschen schließlich immer mehr Möglichkeiten, sich zu informieren. Doch sie greifen sich nur einzelne Aspekte heraus, verzetteln sich, handeln nicht mit aller Konsequenz. „Geowissenschaften sind super komplex“, sagt Antonia Schuster, die den Workshop mit Michael Lindner leitet. „Too long; didn’t read, das Motto der diesjährigen Republica, trifft besonders auf den Klimawandel zu.“

Schuster forscht im Rahmen ihrer Masterarbeit am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nach den Gründen. „Je größer das Bewusstsein eines Menschen für den Klimawandel ist, desto größer ist auch sein CO2-Fußabdruck“, sagt Schuster. Flüge auf Dienstreisen und die Angst, sich durch einen nachhaltigen Lebensstil zu sehr vom Freundeskreis abzugrenzen, würden viele daran hindern, konsequent nachhaltig zu leben.

Ob eine CO2-Bepreisung oder andere politische Rahmenbedingungen das ändern könnten? Zwei Republica-Teilnehmer setzen in der Diskussion mit Schuster anders an: Wie wäre es, wenn wir uns nicht nur bewusst für Einschränkungen entscheiden, sondern Vergnügen gleich komplett neu definieren würden – um uns in einen nachhaltigen Lebensstil zu verlieben?

Auch Maja Göpel fordert – vor allem von Unternehmen – Wertschöpfung neu zu definieren: „Wir haben die Wahl, ob wir aktiv oder reaktiv transformieren möchten.“ Doch Harald Welzer fürchtet: „Viele Menschen haben ihre Selbststeuerungs-Fähigkeit verloren.“

Zum Abschluss des Workshops müssen die Teilnehmer sich wieder bewegen. Sie müssen einen Schritt in die andere Richtung des Raumes machen: Für jedes Mal, in dem sie im vergangenen Jahr geflogen sind. Wenn sie „Binge Watching“ betrieben haben (Streaming, etwa von Serien, verbraucht viel Energie). Und auch, wenn sie mehr als einmal pro Woche Fleisch essen. Zum Schluss finden sich viele Teilnehmer am anderen Ende des Raumes wieder. Tatsächlich auch diejenigen, sie sich zuvor besonders für Nachhaltigkeit starkgemacht haben.

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2 Kommentare zu "Republica 2019: Warum sich alle für den Klimawandel interessieren, aber niemand handelt"

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  • Ja Bundesumweltministerin Svenja Schulze legte zur Republica Eckpunkte für eine „umweltpolitische Digitalagenda“ vor. Sie wolle einen Raum für Forschung, Start-ups und Netzwerke schaffen, die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für mehr Klimaschutz nutzen. Vor allem aber könnte sich unsere Zukunft noch positiver Entwickeln, wenn wir konsequent neuen revolutionären Technologien den Weg frei machen.Wir müssen endlich Erwachen für die neuen Möglichkeiten der Nutzung Emissionsfreier Energy um den Klimaschutz im Alltag zu leben. Die Berliner Neutrino-Energy Group entwickelt innovative Patente, die es ermöglichen, das nichtsichtbare kosmische und solare Strahlenspektrum in elektrischen Strom zu wandeln. Das neueste Produkt ist die NeutrinoVoltaic, die ähnlich wie die bereits seit den 90iger Jahren bekannte solare Photovoltaic funktioniert, allerdings auch ohne Sonnenschein und 24h in 365Tagen im Jahr, unendlich und weltweit. Darum heisst das patentierte Kleinfahrzeug dann auch PI, weil es mit unendlicher Reichweite ohne Auftanken fahren kann. Aber auch anwendbar für eine mobile und dezentrale Haushaltsenergie. Für den Klimaschutz jetzt emissionsfreie Neutrino-Energy nutzen - unendliche Ressourcen weltweit nutzbar. Dafür sollten sich Frau Schulze stark machen.



  • Der Fahrer eines Schulbusses sagte neulich zum Radioreporter:
    mein Schulbus sieht tag-täglich nach den Touren aus wie eine MÜLLDEPONIE!