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Republica Digitales Exil: Warum es virtuelle Tech-Konferenzen schwer haben

Die Internet-Konferenz Republica findet erstmals tatsächlich im Netz statt. Auch die TOA-Konferenz wird abgesagt. Darunter leidet das Erlebnis.
07.05.2020 - 08:45 Uhr Kommentieren
In diesem Jahr findet die Digitalkonferenz nur virtuell – aber dafür erstmals rein digital – statt. Quelle: dpa
re:publica 2019

In diesem Jahr findet die Digitalkonferenz nur virtuell – aber dafür erstmals rein digital – statt.

(Foto: dpa)

Hamburg Die Digitalkonferenzen waren bislang eines nicht: digital. Bei den großen Treffen der Internet-, Start-up- und Risikokapitalgeber geht es vielmehr um den direkten Austausch, das Sehen und Gesehenwerden, auch natürlich ums Wichtigtun.

Davon leben – je nach Konzept etwas mehr oder weniger – unter anderem die Republica, die Noah und die Tech Open Air (TOA) in Berlin, die Online Marketing Rockstars (OMR) in Hamburg und die Bits & Pretzels in München.

Doch all diese Konferenzen sind in diesem Jahr abgesagt. Die meisten planen virtuelle Alternativen, werden also digital. Den Start macht am Donnerstag die Internetvordenker-Konferenz Republica.

Ab Mittag wollen die Veranstalter ihre Panels in vier parallelen Videostreams zeigen, statt 25.000 Besucher in der Messehalle Station in Berlin zu versammeln. Aus Teilnehmern werden Zuschauer. „Mit der Republica im digitalen Exil möchten wir einen Prototypen für ein Online-Konferenzformat schaffen: für uns als Veranstalter, für euch als Community und für unsere zahlreichen Partner und Weggefährt der letzten Jahre“, versprechen die Veranstalter.

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    Offen ist: Wie kommt solche in Angebot an? Die Republica zehrt auch davon, dass die Teilnehmer Prominente live erleben wollen. In den Stream kommen zwar ebenfalls bekannte Leute wie Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die Schriftstellerin Kathrin Passig oder die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Doch das wird in der virtuellen Umsetzung zur Herausforderung: Die Attraktion, einen Prominenten unmittelbar auf der Bühne zu erleben, fällt weg, wenn die Konferenz zu einer Art Fernsehsendung im Netz wird.

    Zudem ist das offizielle Bühnenprogramm für viele Konferenzteilnehmer üblicherweise eher eine Art Hintergrundrauschen, die eigentliche Attraktion der Austausch mit anderen Teilnehmern – gern mit etwas Small-Talk über einen der Vorträge als Eisbrecher. Dazu kommt: Gerade in der Tech-Szene sind viele Akteure sowieso in langen Podcasts oder Youtube-Videos jederzeit abrufbar.

    Andere, die mit Auftritten auf Konferenzen professionell Geld verdienen, dürften bewusst virtuellen Konferenzen fernbleiben: Eine ganze Reihe von Ex-Sportlern und Populärwissenschaftlern lebt davon, dass ihr Auftritt jeweils als inspirierend, frisch und neu wahrgenommen wird. Eine Aufzeichnung wäre für sie kontraproduktiv.

    Der Herausforderung, das Bühnenprogramm als Live-Stream umzusetzen, haben sich bereits Ende März, also kurz nach Beginn der Corona-Krise, die Macher der Münchener Start-up-Konferenz Bits & Pretzels gestellt. Sie stellten in kurzer Zeit ein Programm außer der Reihe auf die Beine.

    Trotz des nahezu perfekten Ablaufs bewies das auch: Zwischenzeitlich kann ein stundenlanger Stream inhaltlich auch schon einmal etwas zäh werden. Dennoch planen sie für die Konferenz Ende September ein mehrtägiges virtuelles Spektakel aus München, San Francisco, London, Paris, Lissabon und Schanghai.

    Wie solch eine digitale Alternative aussehen kann, überlegt auch Nikolas Woischnik. Er ist Gründer der Tech Open Air (TOA), einer Start-up-Konferenz, die ihren Ruf auch durch den Veranstaltungsort erarbeitet hat.

    Üblicherweise findet die Konferenz mit 20.000 Teilnehmern im Funkhaus Berlin-Oberschöneweide statt, einem ehemals prachtvollen DDR-Bau aus den 1950er-Jahren mit Außengelände an der Spree. Zunächst wollte er die Konferenz vom Juni auf den Herbst verschieben.

    Konferenzveranstalter werden zu Medienproduzenten

    Doch daraus wird nichts. Die Konferenz solle nun komplett virtuell stattfinden, sagt er dem Handelsblatt. „Wir denken an ein großes 24-Stunden-Festival mit Vorträgen, Diskussionen, abends auch mit Live-Konzerten, Comedy und DJs“, sagt er. „Das Ganze würde eher als Show produziert, weniger als klassische Konferenz.“ Schließlich, so meint er, lassen sich die Funktionen einer Konferenz nicht in ein Digital-Format pressen.

    Stattdessen ergänzt Woischnik seit Beginn der Krise immer wieder einzelne Video-Talks – am 12. Mai etwa mit dem Wordpress-Gründer - und plant ein virtuelles Kennenlern-Event, bei dem einen Tag lang Teilnehmer in kurzen Video-Calls miteinander sprechen können. Dazu kommen etwa virtuelle „Master Classes“, kleine Kurse mit praktischen Lerninhalten.

    Klar ist: Die Corona-Krise beschleunigt den Trend, dass die Konferenz-Veranstalter zu Medienanbietern werden. Die Bits&Pretzels hat dafür die ehemalige Handelsblatt-Korrespondentin Britta Weddeling als Chefredakteurin verpflichtet

    Bei der Hamburger OMR baut Gründer Philipp Westermeyer um seinen erfolgreichen Podcast immer weitere Inhalte auf. Zur Konferenz 2019 brachte er sogar mit dem „Hamburger Abendblatt“ seine eigene Zeitschrift mit dem nur halb ironischen Titel „Philipp“ heraus.

    Allerdings war bislang die Konferenz der Hauptumsatzbringer für die jeweiligen Veranstalter. Während die Republica als Idee-Veranstaltung auch in der Krise noch Sponsoren und Stiftungen als Geldgeber mobilisieren kann, wird es für andere enger. „Wir rechnen auf jeden Fall mit einem Umsatzrückgang dieses Jahr“, sagt TOA-Chef Woischnik. Einige der 16 Mitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit. Entlastung bringt auch, dass Kosten für die Veranstaltung wegfallen. „Die virtuellen Formate werden die Ausfälle der physischen Konferenz kurzfristig nicht wettmachen“, sagt er.

    Denkbar ist, dass einige Akteure für ihre digitalen Auftritte zahlen – wie auch bei realen Konferenzen üblich. Podcasts finanzieren sich zudem schon in den vergangen Monaten verstärkt durch Werbung. Voraussetzung ist, dass die Konferenzanbieter auch virtuell ein attraktives Publikum zusammenbringen können. Zentral bei den realen Konferenzen ist, dass viele Entscheider etwa von Risikokapitalgebern oder Werbetreibenden vor Ort sind. Das müssen die Veranstalter nun digital hinbekommen.

    Eine weitere Möglichkeit sind Bezahlinhalte. Woischnik will einen „TOA Klub“ starten, dessen Mitglieder zusätzliche exklusive Inhalte und Vernetzungsmöglichkeiten bekommen sollen – gegen eine Abogebühr. „Dazu brauchen wir Themen, die so nur bei uns stattfinden“, sagt er.

    Schon kurz vor der Coronakrise habe er zusätzliche Gesellschafter gefunden, sagt Woischnik, darunter Axel Springer sowie die Gründer von N26 und Trivago. 2017 hatte es eine erste Investorenrunde gegeben, an der sich Gründer von bekannten deutschen Start-ups wie Delivery Hero und Hello Fresh beteiligt hatten.

    Überfluss an Gratis-Streams

    Eine Befürchtung bleibt unter den Veranstaltern: Die Vielzahl von Streams könnte zur Ermüdung des Publikums führen – und zu einer neuen Gratis-Mentalität beim Publikum, die gerade erst dank Angeboten wie Spotify und Netflix überwunden schien. So konkurrieren derzeit jedes Wochenende Dutzende Clubs mit virtuellen DJ-Sets um die Zuschauer, treten Musiker und Schauspieler online auf.

    Zugleich entstehen noch mehr Podcasts und Videoblogs. Viele Veranstalter, Künstler und Marken hoffen so auf Spenden – oder darauf, nicht vergessen zu werden. Letzteres dürfte durchaus auch bei den Konferenzanbietern Grund für den neuen Aktionismus sein. Sie rufen sich zudem durch Corona-Aktionen in Erinnerung. Die TOA etwa unterstützt die breite Initiative „Gesund Zusammen“, die technische Lösungen in der Krise mitfinanzieren will.

    Auch TOA-Gründer Woischnik erwartet, dass nicht alle Veranstaltungen überleben. „In diesen Zeiten zeigt sich, wer in den letzten Jahren nur auf den Zug aufgesprungen ist und für wen Veranstaltungen wirklich Lebensinhalt sind“, sagt er. Sein Tipp: Eigenveranstaltungen von Großunternehmen würden als erste eingestellt.

    Allerdings: Die „Digitalisierungsinitiative“ Digital X, geführt von der Telekom, kündigt bereits für den 19. Mai eine eigene Video-Konferenz an – mit Konzernchef Tim Höttges und dem Whistleblower Edward Snowden. Der ehemalige Geheimdienstler ist es gewohnt, virtuell an Konferenzen teilzunehmen. Reisen kann er wegen der Furcht vor den US-Gerichten nicht – aber die deutschen Veranstalter schalten ihn seit Jahren gern auf ihre Bühnen zu.

    Mehr: Die sieben wichtigsten Erkenntnisse der Digitalkonferenz DLD

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