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Risikokapital Holtzbrinck Ventures stellt sich neu auf

Der Start-up-Investor will mit einem neuen, 535 Millionen Euro schweren Fonds erstmals als Wachstumsfinancier auftreten. Mit dabei sind ausgewählte Privatinvestoren.
29.10.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Der Investor gestaltet die deutsche Start-up-Szene mit. Quelle: dpa
HV-Beteiligung Flixbus

Der Investor gestaltet die deutsche Start-up-Szene mit.

(Foto: dpa)

Hamburg Hellofresh, Delivery Hero, Flixbus: Der Start-up-Financier Holtzbrinck Ventures (HV) ist seit zwei Jahrzehnten im Geschäft und hat die deutsche Gründerszene mitgeprägt. Jetzt hat der Risikokapitalgeber für seinen jüngsten, achten Fonds 535 Millionen Euro eingesammelt. Damit ist der Geldtopf größer als seine Vorgänger – und soll erstmals nicht nur bei frisch gegründeten Start-ups einsteigen, sondern auch in Firmen, die bereits einige Jahre am Markt sind.

„Wir sehen als einer der wichtigsten deutschen Frühphaseninvestoren alle relevanten Gründungen. Wir haben uns gelegentlich geärgert, dass wir bei erfolgreichen Gründern nicht noch später einsteigen konnten“, sagte Holtzbrinck-Partner Christian Saller dem Handelsblatt. Bisher galt: HV steigt entweder in der Frühphase ein, also mit einem sogenannten Seed- oder Serie-A-Investment – oder gar nicht.

An den folgenden Wachstumsrunden, den Serien B und C, nahm der Frühphaseninvestor nur teil, wenn er schon bei dem jeweiligen Start-up investiert war. Künftig sollen solche Investments bis zur Höhe von 25 Millionen Euro auch dann möglich sein, wenn HV zuvor noch nicht an Bord war.

Was technisch klingt, bedeutet in der Praxis, dass Gründer auf mehr Wachstumskapital aus Deutschland hoffen können. Während für die erste Gründungsphase inzwischen meist genügend Geld bei inländischen Fonds aufzutreiben ist, müssen Start-ups Wachstumskapital oft aus dem Ausland besorgen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Dealroom.co fließen zwar 38 Prozent des weltweiten Seed-Kapitals an europäische Start-ups, aber nur 16 Prozent des gesamten Risikokapitals. „Unternehmen, die eine Serie B oder C durchführen wollen, treffen auf eine Finanzierungslücke“, warnen die Studienautoren.

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    Das gilt auch für Deutschland: Lediglich der deutsche Investor Klaus Hommels steigt mit seinem Schweizer Fonds Lakestar bislang auch bis zur dritten Wachstumsrunde, der Serie C, ein. Lakestar hatte im Februar einen neuen Fonds bei einem Volumen von 679 Millionen Euro geschlossen.

    Wettbewerb für Lakestar

    Bei den anderen deutschen Fonds sieht es anders aus: Der ähnlich wie HV positionierte Investor Eventures beteiligt sich bis zur zweiten Wachstumsrunde, der Serie B. Eventures hat vor einem Jahr einen Fonds mit 355 Millionen Euro Kapital geschlossen, das knapp zur Hälfte in Europa ausgegeben werden soll. Der Berliner Konkurrent Project A fokussiert sich beim Einstieg wie bislang HV auf Seed-Phase und Serie A.

    Saller will durch die erweiterte Strategie die Position von HV im Wettbewerb stärken. Schließlich werben immer mehr Investoren mit tiefen Taschen um die deutschen Gründer.

    „Wir sehen mehr spannende Ideen als jemals zuvor, aber es gibt auch mehr Wettbewerb um die Gründer“, sagte Saller. Mit seinem neuen Fonds hat er bereits eine Serie-A-Runde über 15 Millionen Euro für Dance angeführt, den Anbieter eines Abo-Modells für E-Bikes, das die Gründer von Soundcloud planen. „Um solche Gründer müssen wir kämpfen“, sagte Saller. Je Start-up stellt er über die Jahre 500.000 bis 50 Millionen Euro zur Verfügung.

    Für späte Finanzierungsrunden, die oft dreistellige Millionensummen erfordern, sieht Saller HV dagegen nicht gerüstet. „Wir machen weiterhin keine Serie-D-Runden im 200-Millionen-Euro Bereich“, stellte er klar. „Wir bleiben in den ersten Wachstumsphasen, in denen wir uns auskennen und aufgrund unserer Erfahrung einen Mehrwert bringen können.“

    Tatsächlich kommt das Geld für dreistellige Millionenrunden laut der Dealroom.co-Studie europaweit zu 60 Prozent aus anderen Kontinenten, vor allem Nordamerika und Asien. 2019 sammelten europäische Risikokapitalgeber zwar 13 Milliarden Euro an Investorengeldern ein, insgesamt flossen aber 38 Milliarden Euro in europäische Start-ups. Die Lücke füllten außereuropäische Geldgeber.

    Dabei steckt in den europäischen Fonds nicht unbedingt Geld von europäischen Anlegern. 60 Prozent des in den vergangenen acht Monaten für den neuen Fonds eingesammelten Kapitals stamme von außerhalb Europas, sagte Saller, der geringste Teil aus Deutschland. HV steht institutionellen Investoren wie Staatsfonds, Versicherungen, Pensionskassen und Family Offices ab fünf Millionen Euro Einzelinvestment offen.

    Erstmals öffnete sich HV auch für 50 ausgewählte Privatinvestoren aus der Gründerszene, die 20 Millionen Euro beisteuerten. Das soll etwa die Gründer von Zalando, Flixbus, Hellofresh und Trivago enger an HV binden. Die erfahrenen Szenegrößen könnten dann etwa Erfahrung und Netzwerk an Portfoliounternehmen weitergeben, hofft Saller. Andere Risikokapitalgeber beteiligen schon länger ehemalige Gründer.

    Saller wird den Bereich Wachstumsinvestitionen bei HV mit vier Mitarbeitern leiten, unter anderem soll dafür ein Partner dazukommen. HV wolle jedoch weiter als „ein Team“ auftreten, sagte Saller.

    Neue Strategie, neuer Name

    Der Strategieschwenk zeigt sich auch im neuen Namen des Investors. Künftig tritt er als HV Capital an. Damit demonstriert HV die Loslösung von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Deren Chef Stefan von Holtzbrinck hatte HV vor 20 Jahren als Venture-Capital-Arm gegründet und die ersten drei Fonds gefüllt. Ab 2010, beim vierten Fonds, kamen weitere Investoren dazu – auch weil der Holtzbrinck-Verlag den US-Investor Harbour Vest dazuholte.

    2010 sortierte der Holtzbrinck-Verlag sein Portfolio neu und veräußerte unter anderem die Verlagsgruppe Handelsblatt an DVH Medien. In der heutigen Handelsblatt Media Group erscheint auch das Handelsblatt. Einen Ausstieg aus der Start-up-Finanzierung bedeutete die Neuausrichtung damals für den Holtzbrinck-Verlag nicht.

    Die Stuttgarter seien auch mit einer „erheblichen“ Summe beim aktuellen Fonds dabei, sagte Saller. Der Holtzbrinck-Verlag respektiere den nachvollziehbaren Namenswechsel, sagte eine Sprecherin. Sie bestätigte, das Unternehmen bleibe ein starker Investor und stehe im engen Austausch mit HV.

    Offenbar lohnt sich das Investment. Dafür sprechen jedenfalls die wenigen Zahlen, die Saller veröffentlicht. Demnach hat HV bislang insgesamt 1,7 Milliarden Euro bei seinen Investoren eingesammelt. Die ersten vier Fonds haben bereits zu großen Teilen ausgeschüttet. Insgesamt seien 1,1 Milliarden Euro zurückgeflossen. Über alle Fonds hinweg habe sich der Einsatz inzwischen verdreifacht – vor der Gebührenrechnung. Bei den bereits weitgehend zurückgezahlten Fonds liege der Faktor „deutlich höher“.

    Auch in Zukunft strebt Saller mindestens eine Verdreifachung der eingesetzten Mittel an, damit sich HV unter dem Top-Viertel der Risikokapitalfonds halten könne. Damit will er für Investoren attraktiv bleiben, die in den deutschen Start-up-Markt gehen wollen. Bislang gelingt das: Trotz der Coronakrise sei der aktuelle Fonds überzeichnet gewesen, sagte Saller. Allerdings greift auch HV bei älteren Fonds für Nachinvestments in notleidende Start-ups auf die Co-Investment-Hilfen der KfW Capital zurück.

    Chancen für Investitionen in der bis zu fünfjährigen Investitionszeit des jungen Fonds sieht der HV-Manager derzeit besonders in den Bereichen Nachhaltigkeit, digitale Gesundheits- und Sportanwendungen und Marktplätze für Unternehmenskunden. Damit unterscheiden sich die Modelle von denjenigen, die HV in den ersten Jahren groß gemacht hat.

    Die heute börsennotierten Liefermodelle Hellofresh, Delivery Hero und Zalando richteten sich an Endkunden – ein Markt, der weitgehend erschlossen ist. Die drei genannten Unternehmen gehören laut der Dealroom.co-Studie zu den zehn wertvollsten europäischen Tech-Gründungen.

    Mehr: Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern wird für Start-ups zum Problem

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