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Risikokapital Wettbewerb um Europas Start-ups: Finanzierer steigen ins Wachstumsgeschäft ein

Die deutschen Start-up-Geldgeber wollen die großen Runden nicht länger der Konkurrenz aus Übersee überlassen. Der Wettbewerb der Investoren um die besten europäischen Start-ups steigt.
24.06.2021 - 14:15 Uhr Kommentieren
Viele deutsche Start-ups haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Nach den ersten Finanzierungsrunden brauchen sie nun vor allem Wachstumskapital. Quelle: Getty Images
Berlin

Viele deutsche Start-ups haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Nach den ersten Finanzierungsrunden brauchen sie nun vor allem Wachstumskapital.

(Foto: Getty Images)

Hamburg Beim internationalen Private-Equity-Kongress Superreturn in Berlin im Februar 2020 herrschte eine seltsame Stimmung. Einige Teilnehmer aus Übersee waren aus Furcht vor dem Coronavirus nicht angereist. Die übrigen rätselten, ob das Panik oder gerechtfertigte Sorge war. Doch für Maximilian Mayer veränderte der Kongress seine Karriere.

Denn Mayer nahm als Berliner Vertreter des von Oliver Samwer ins Leben gerufenen Start-up-Fonds Global Founders Capital teil – und kam mit dem Gründer des US-Fonds Activant, Steve Sarracino, ins Gespräch. Die Chemie stimmte, so erzählt es Mayer. Die Folge: Er ist künftig der erste Vertreter von Activant in Berlin und baut in Mitte ein Büro auf.

Für den aktuellen, 400 Millionen Dollar schweren Activant Fonds, soll er drei bis vier Investmentgelegenheiten in europäische Start-ups auf Wachstumskurs finden. „Für Wachstumsinvestoren ist jetzt ein guter Zeitpunkt, verstärkt in den deutschen Markt zu gehen. Wir sehen immer mehr aufstrebende Start-ups, die den Sprung nach Amerika schaffen wollen“, sagt Mayer dem Handelsblatt.

Der gerade verkündete Jobwechsel des gut vernetzten Start-up-Experten zu Activant zeigt erneut: Der Wettbewerb der Investoren um die besten europäischen Start-ups steigt. Um mithalten zu können, rüsten sich auch deutsche Fonds wie HV Capital, Visionaries Club und Project A zunehmend für größere Runden.

Sie sind bislang meist mit ersten Finanzierungen, den Seed-Runden und der Serie A, erfolgreich. Jetzt wagen sich einige in das Geschäft mit Wachstumsrunden in Serie B und C vor. Ein Ziel ist es zu verhindern, dass aus dem Sprung auf den amerikanischen Markt spätestens zum Börsengang eine komplette Abwanderung nach Übersee wird.

Boom bei Finanzierungsrunden

„Das europäische Start-up-System wird reifer, entsprechend steigt der Bedarf nach Wachstumskapital“, sagt Mayer. Das zeigt sich an immer größeren Finanzierungsrunden und steigenden Bewertungen: Sechs Berliner Start-ups haben seit Oktober die Bewertung von einer Milliarde Dollar überschritten – zuletzt der Logistiker Forto.

Laut der Beratung GP Bullhound hat sich die Bewertung der gesamten europäischen Tech-Branche innerhalb eines Jahres auf 800 Milliarden Dollar verdoppelt. Im ersten Quartal 2021 flossen 14,9 Milliarden Dollar Risikokapital in europäische Start-ups – fast so viel wie im gesamten Vorjahr. Die Berater sehen in einer aktuellen Studie „einen nie da gewesenen Boom bei großen Finanzierungsrunden“ in Europa.

Dennoch sei in Europa noch vergleichsweise wenig Wachstumskapital verfügbar, rechnet Mayer anhand von Crunchbase-Daten vor: Während in den USA 65 Prozent des Kapitals in Wachstumsrunden fließe, seien es in Europa erst 50 Prozent. Der Rest wird für erste Anschubfinanzierungen eingesetzt.

Activant legt seinen Schwerpunkt auf die Themen E-Commerce, Fintechs und Lieferketten. Ein Vorzeigeinvestment ist der schon 2013 für 1,5 Milliarden Dollar an SAP verkaufte Schweizer E-Commerce-Softwareanbieter Hybris.

Start-ups in Europa halten

Die deutschen Start-up-Finanzierer wollen solche Erfolge künftig nicht mehr Geldgebern aus Übersee überlassen. „Dass US-Investoren verstärkt in deutsche Start-ups investieren, spricht für das Ökosystem. Wir müssen aber langfristig dafür sorgen, dass Start-ups nicht abwandern und die Wertschöpfung woanders stattfindet“, fordert Uwe Horstmann, Partner beim Berliner Frühphaseninvestor Project A.

Sein Fonds hält inzwischen gezielt Geld zurück, um bei Wachstumsrunden von Portfolio-Unternehmen mit bis zu 30 Millionen Dollar mitziehen zu können.

Ein starkes Zeichen setzt HV Capital. Mit seinem achten Fonds hat der Investor eine Strategieanpassung verkündet: Aus dem 535 Millionen Euro großen Topf geht der Start-up-Investor nun auch in Wachstumsrunden. „Wir erwarten, dass in diesem Bereich weitere Fonds in Deutschland zeitnah folgen. Wir sehen diese Entwicklung in jedem Fall ausschließlich positiv: Für den Standort Deutschland ist es wichtig, dass allgemein mehr Wachstumskapital gerade im Growth-Bereich zur Verfügung steht und künftig auch ein größerer Teil dieses Kapitals aus dem Inland kommt“, sagt Christian Saller von HV Capital.

Aus seinem neuen Fonds hat er bereits Wachstumskapital in Solarisbank und Roadsurfer investiert, ein drittes Investment werde in den kommenden Wochen bekanntgegeben. „Wir sind mit mehr Tempo unterwegs, als es ursprünglich geplant war“, sagt er.

Die Investoren liefern sich inzwischen eine harte Konkurrenz um die meistversprechenden Start-ups. „Immer mehr Investoren suchen in einer Zeit extrem billigen Geldes nach Rendite und sind bereit, dafür mehr Risiko in Kauf zu nehmen. Klassische Private-Equity-Investoren engagieren sich jetzt bei Scale-ups, die früher nur von Venture-Capital-Firmen finanziert worden wären“, beobachtet Daniel Wild, Gründer des Risikokapitalgebers Mountain Alliance.

Trotzdem global denken

Um die Gründer als Investor zu überzeugen, brauche es jedoch mehr als nur Geld, meint Robert Lacher. Sein erst 2019 gegründeter Berliner Investor Visionaries Club startete zwar gleich mit zwei gleich großen Fonds über 85 Millionen Dollar, von denen einer in Wachstum investiert. Lacher sieht das allerdings nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu Fonds aus Übersee, die er sogar gezielt ansprechen will.

Lachers These: Lokale Geldquellen seien für Start-ups vor allem in der Gründungsphase wichtig. Viele deutsche Gründer etwa aus dem Uni-Umfeld kämen allein gar nicht auf den Radar der großen internationalen Investoren. In der ersten Zeit könnten die lokalen Geldgeber wichtige regionale Netzwerke vermitteln. Dann allerdings sei es wichtig, in die internationalen Kreise vorzustoßen. „Wenn wir nicht die besten globalen Netzwerke als Investoren hinzunehmen, dann denken wir zu provinziell“, befindet er. „So verspielen wir die Chance, aus Deutschland heraus einen globalen Marktführer zu entwickeln.“

Lacher warnt, Angst vor Wissensverlust durch Investoren aus Übersee zu schüren. Vielmehr sollten deutsche Geldgeber die Chancen der erfahrenen Fondsmanager aus dem Silicon Valley, New York und Asien nutzen, um Erfahrungen zu sammeln: „Die deutschen Investoren und Konzerne sollten schauen, dass sie in die wichtigsten globalen Fonds investieren“, sagt Lacher. „Sie sollten sich global orientieren, nicht lokal.“

Balderton führt den Trend an

Dafür gibt es immer mehr mögliche Partner. So steigt einer der bekanntesten europäischen Start-up-Finanzierer ebenfalls in großem Stil in die Wachstumsfinanzierung ein: Der Londoner VC Balderton legt einen neuen, 680 Millionen Dollar schweren Fonds auf – und überflügelt damit die Ambitionen der deutschen Risikokapitalgeber locker.

„Europa wird dank der Erfolge großer Gründungen in der Tech-Szene immer sichtbarer. Daher ist es für uns ein natürlicher Schritt, dass wir unser Geschäft auf Wachstumsfinanzierung erweitern“, sagt Managing-Partner Bernard Liautaud dem Handelsblatt.

Bisher konzentrierte sich Balderton mit 3,1 Milliarden Dollar an eingesammeltem Kapital weitgehend auf Anschubfinanzierungen und sieht sich als europäische Nummer eins in dem Bereich. Balderton ist auch an deutschen Start-ups wie Infarm, McMakler und dem Fintech Raisin beteiligt.

Der neue Fonds ist der größte in der 20-jährigen Firmengeschichte. Er soll sich in den kommenden Jahren an etwa 15 Unternehmen beteiligen und jeweils 25 Millionen bis 50 Millionen Dollar zu Wachstumsrunden B und C beisteuern.

Damit will der Fonds geistiges Eigentum in Europa halten: „Europäische Gründer müssen anders als noch vor einigen Jahren ihren Sitz nicht mehr in die USA verlagern, um erfolgreich zu sein“, verspricht Balderton-Chef Liautaud.

Mehr: Diese Probleme sehen Start-ups noch beim milliardenschweren Zukunftsfonds

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