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Russland Amazon-Tochter AWS und russische MCS bauen Cloud-Service auf

Mit russischer Hilfe will Amazon in den russischen Cloud-Markt. Die Kooperation ist auch juristisch motiviert und eine Chance für den neuen Partner Mail.ru.
06.07.2020 Update: 10.07.2020 - 10:09 Uhr Kommentieren
Die Zusammenarbeit mit MCS bietet AWS in Russland auch politische Rückendeckung. Quelle: Reuters
Amazon Web Services (AWS)

Die Zusammenarbeit mit MCS bietet AWS in Russland auch politische Rückendeckung.

(Foto: Reuters)

Moskau Der Cloud-Computing Anbieter Amazon Web Services (AWS) forciert seinen Markteintritt in Russland. Die Amazon-Tochter kooperiert dazu mit dem Unternehmen Mail.ru Cloud Solutions (MCS) – einem Ableger des russischen Digitalinvestors Mail.ru Group. Die Konzerne bieten Kunden künftig einen einheitlichen Zugang zu Cloud-Services und –Lösungen an, teilte ein Sprecher der Mail.ru Group mit.

„Die Partnerschaft mit MCS erlaubt es den globalen Kunden von AWS, ungehindert und unter Einhaltung der lokalen Gesetzgebung auf den russischen Markt zu gehen. Russische Kunden von MCS erhalten ihrerseits die Möglichkeit, ihr Geschäft schnell auf dem Weltmarkt auszubauen“, zitiert die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ einen Konzernsprecher der Mail.ru Group. Die Einnahmen wollen die Partner untereinander so aufteilen, wie ihre Kunden auf die Dienste der jeweiligen Plattformen zugreifen.

AWS ist zwar mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar im ersten Quartal 2020 Weltmarktführer im Bereich Cloud-Computing, spielt als IT-Dienstleister in Russland aber nur eine untergeordnete Rolle. Bislang ist der Markt für Cloud-Dienstleistungen in Russland überhaupt noch sehr klein.

Nach Schätzung der Consultingfirma iKs-Consulting belief sich das Volumen im vergangenen Jahr auf 86 Milliarden Rubel – dem jetzigen Wechselkurs entsprechend sind das knapp 1,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Weltmarkt für Cloud-Dienstleistungen erreicht in diesem Jahr laut Schätzung des Marktforschungsinstituts Gartner ein Volumen von 226,4 Milliarden Dollar.

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    Digitalisierungsschub durch den Lockdown

    Die Coronakrise hat das Wachstum des Segments noch einmal drastisch beschleunigt: Die Arbeit im Homeoffice erhöht die Notwendigkeit, auf externe Speicherdienstleistungen zurückzugreifen – etwa, um betriebsintern Dokumente oder Gedanken via Chat auszutauschen oder um Kunden Präsentationen zur Verfügung zu stellen. Laut Gartner haben Unternehmen weltweit in diesem Jahr bereits 19 Prozent mehr für Cloud-Dienstleistungen ausgegeben.

    In Russland ist der Trend noch deutlicher zu erkennen. Der Kreml verordnete dem Land im April einen mehr als einmonatigen Shutdown wegen Corona, um das Ansteckungstempo zu reduzieren. Viele Konzerne haben im Eiltempo ihren Betrieb digitalisiert, Angestellte ins Homeoffice geschickt, ihren Netzauftritt und die Möglichkeiten von Online-Bestellungen erweitert. Die Nachfrage ist hoch, die Chance für Dienstleister entsprechend groß.

    So spricht Stefan Teuchert, Chef der BMW Group in Russland, von einem „Digitalisierungs-Boost“, den die Krise mit sich gebracht habe. Der Konzern habe über 2000 Online-Trainings mit den Händlern absolviert und neue Instrumente auf der Homepage installiert. „Mittlerweile sind unsere Kunden in der Lage, auf der Homepage das Fahrzeug nicht nur zu konfigurieren oder eins im Lagerbestand zu finden, sondern das Fahrzeug komplett zu bezahlen oder mit einem Finanzierungsvertrag zu versehen“, sagte Teuchert.

    Die durch die Pandemie hervorgerufene Express-Digitalisierung dürfte nach Einschätzung von Experten Cloud-Dienstleistern in Russland ein explosives Wachstum bescheren. Laut Jewgeni Kolbin, Generaldirektor von SberCloud, hat der Markt von Cloud-Dienstleistern in Russland derzeit nicht einmal zehn Prozent des Gesamtpotenzials erreicht – während der Sättigungsgrad weltweit bei 60 Prozent liege.

    Auch ein Politikum

    Für die Zusammenarbeit von AWS und Mail.ru sind jedoch auch juristische Gründe ausschlaggebend: AWS hat kein eigenes Datenzentrum in Russland, das geografisch nächstgelegene ist in Frankfurt am Main.

    Der Kreml sieht die Datenspeicherung im Ausland mit großem Argwohn. 2014 brachte das Parlament ein entsprechendes Gesetz auf den Weg, das IT-Unternehmen verpflichtet, die persönlichen Daten russischer Bürger auch auf russischen Servern zu speichern.

    Das war auch eine Antwort auf westliche Sanktionen, da Moskau befürchtete, nach der Krim-Annexion von der digitalen Welt – speziell im Banken- und Finanzsektor – abgeschnitten zu werden. Seit knapp fünf Jahren ist das Gesetz in Kraft.

    Die Partnerschaft mit MCS bietet für AWS die Möglichkeit, die juristisch hohe Einstiegsbarriere für den russischen Markt zu überwinden. Bislang schreckten russische Kunden vor einem Vertrag mit AWS zurück – oft wegen des unterschiedlichen Dokumentenverkehrs, der nötigen Eröffnung eines Auslandskontos und der Zahlung in einer Fremdwährung. Das soll nun alles wegfallen.

    Die Zusammenarbeit mit MCS bietet AWS auch politische Rückendeckung. Die Muttergesellschaft Mail.ru Group wurde zwar vom Internetpionier Juri Millner gegründet, gehört aber seit über zehn Jahren zum Imperium des kremlnahen Oligarchen Alischer Usmanow. Seit 2018 sind auch die Gazprombank und die staatliche Industrie- und Rüstungsholding Rostech um den Putin-Vertrauten Sergej Tschemesow Teilhaber des Internetriesen.

    Mehr Konkurrenzkampf in Russland

    Die Unternehmensgruppe ihrerseits profitiert erheblich von der Multi-Cloud. Die Tochter wurde erst Anfang 2018 gegründet, doch es gibt bereits eine Partnerschaft mit dem russischen Software- und Spielehersteller 1C, der die virtuelle Infrastruktur von MCS nutzt. Dazu kommt die Zusammenarbeit mit Mastercard für Zahlungen per Telefon und mit den russischen sozialen Netzwerken „vkontakte“ und „Odnoklassniki“.

    Dennoch sind auch die Marktanteile von MCS im Cloudgeschäft noch relativ gering. „Aber die Zusammenarbeit mit einem der Marktführer erlaubt es der Mail.ru Group, einen beträchtlichen Anteil des Segments in Russland einzunehmen“, erläutert Stanislaw Mirin, Analyst bei iKs-Consulting.

    Der Einstieg von AWS wird den Konkurrenzkampf in Russland entsprechend deutlich steigern. Bisher ist der Gesamtanteil ausländischer Anbieter an den Verkäufen von Cloud-Dienstleistungen in Russland laut Mirin mit acht Prozent überschaubar.

    Kampflos will die Konkurrenz das Feld nicht räumen. So hat der russische IT-Dienstleister Softline, bisher der größte Reseller von ausländischen Cloud-Diensten wie Microsoft und Google, mit der Entwicklung einer eigenen Multi-Cloud-Plattform begonnen. Zudem haben auch die zur russischen Sberbank gehörende SberCloud und der chinesische Technologiekonzern Huawei im Frühjahr eine Partnerschaft gegründet, um Marktanteile in Russlands digitaler Wirtschaft zu gewinnen.

    Mehr: Wie sich Amazon in der Digitalwirtschaft unverzichtbar machen will.

    Update:

    Auf die Meldung des „Kommersant“ über die Kooperation mit AWS beim Aufbau einer Multi-Cloud stiegen die Aktien der Mail.ru Group zu Wochenbeginn kurzzeitig um neun Prozent. Kurz darauf relativierte ein Konzernsprecher der Russen den Bericht. Das Unternehmen habe nie erklärt, dass AWS den russischen Markt mithilfe der Mail.ru Group erobere. Vielmehr sei MCS Mitglied im AWS Partner Network. „Wir haben keine andere Partnerschaft mit AWS. Das Projekt ist rein technologisch“, es gehe um die Technologie Kubernetes, stellte Mail.ru klar.

    AWS seinerseits betonte gegenüber dem Handelsblatt ebenfalls, dass kein formelles Partnerschaftsabkommen mit MCS geschlossen worden sei. MCS habe ein eigenes Programm entwickelt, das es Unternehmen erlaube, Kubernetes-Technologie anzuwenden und dabei sowohl auf die Infrastruktur von AWS als auch von MCS zuzugreifen. „Obwohl diese Lösung AWS-Technologien verwendet, ist es keine gemeinsame Lösung“, heißt es im Statement des Unternehmens.

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