Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

SAP-Konferenz Sapphire Now „XO, Bill“ – Wie der SAP-Chef den Milliardenzukauf Qualtrics nutzen will

Bill McDermott will Kunden auf einer SAP-Konferenz den Zukauf Qualtrics schmackhaft machen. Für den größten Aha-Effekt sorgt aber Apple-CEO Tim Cook.
Kommentieren
SAP: Wie Bill McDermott den Milliardenzukauf Qualtrics nutzen will Quelle: AFP
Optimistischer Chef

SAP-Chef Bill McDermott ist überzeugt, dass sich der Kauf von Qualtrics auszahlen wird.

(Foto: AFP)

Düsseldorf„XO, Bill“: SAP-Chef Bill McDermott unterschreibt derzeit seine E-Mails an die Mitarbeiter wie ein amerikanischer Teenager seine WhatsApp-Nachricht. Der Manager will mit dieser Abkürzung aber nicht virtuelle Umarmungen und Küsse übermitteln, er spielt auf seinen jüngsten Plan an, den Softwarehersteller neu zu erfinden. Dabei spielt die Übernahme des Marktforschungsspezialisten Qualtrics, im Januar abgeschlossen, eine entscheidende Rolle.

SAP entwickelt Programme, mit der Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern können, von der Lagerhaltung über den Vertrieb bis zum Rechnungswesen und sammelt in seinen Systemen viele operativen Daten, kurz: O. Diese will der Konzern künftig mit den Meinungen von Kunden oder Mitarbeitern, die Qualtrics erhebt, direkt verbinden – im IT-Sprech „experience data“, kurz: X.

Wenn X und O zusammenkommen, sollen Unternehmen beispielsweise besser verstehen, warum die Nachfrage für ein Produkt einbricht oder was den Mitarbeitern am Arbeitgeber besonders gefällt. Auf der Konferenz Sapphire Now in Orlando, wohin SAP jedes Jahr im Frühling einlädt, hat der Softwarekonzern am Dienstag zehn solcher Lösungen vorgestellt. „Meine Damen und Herren, Gefühle zählen!“, rief McDermott.

Das galt auch für die Konferenz selbst. Die SAP-Vertreter auf der Bühne betonten immer wieder, wie wichtig die Kunden seien. „SAP entwickelt sich ständig weiter, um das zu sein, was Sie von uns erwarten“, sagte McDermott. Das Unternehmen versprach etwa, die vielen Systeme miteinander zu verknüpfen, was eine wichtige Forderung von Kunden ist.

SAP nutzt die Sapphire Now stets, um neue Produkte und Pläne vorzustellen. Wenig überraschend ist Qualtrics gut drei Monate nach dem Abschluss der Übernahme das große Thema: Der Softwarekonzern hat dafür acht Milliarden Dollar gezahlt, es handelt sich um einen der größten Deals der Firmengeschichte. Nun gilt es, die Kunden und Partner von dem System zu überzeugen.

Qualtrics ist spezialisiert auf Software für Online-Marktforschung. Das Unternehmen spricht vom „Experience Management“: Unternehmen können ermitteln, wie zufrieden ihre Kunden und Mitarbeiter sind, wie ihre Marke und ihre Produkte wahrgenommen werden. Dabei fließen nicht nur Umfragen ein, sondern beispielsweise auch Auswertungen der sozialen Medien.

Der Softwarekonzern will mit Qualtrics einerseits das Geschäft mit CRM-Software stärken, in dem Salesforce derzeit die Nummer eins ist – kluge Marktforschung soll helfen, Marketing, Vertrieb und Verkauf zu stärken. Andererseits verfolgt SAP mit dem Schlagwort „Intelligent Enterprise“ die Vision, den Kunden eine intelligente Steuerung von Geschäftsprozessen zu ermöglichen. Auch dank Feedback von Nutzern, Kunden oder Mitarbeitern.

Wenn Unternehmen nicht liefern, was die Kunden erwarten, ist das ein Problem – McDermott taxiert den Schaden auf 1,6 Billionen Dollar weltweit, es handle sich um ein „globales wirtschaftliches Problem“. Qualtrics-Chef Ryan Smith pflichtet bei: „Organisationen profitieren überproportional davon, wenn sie bessere Erfahrungen bieten, und werden bestraft, wenn sie es nicht tun.“

Große Ankündigungen sind in der IT-Branche nicht unüblich. SAP will aber mit Qualtrics bald Taten folgen lassen: McDermott kündigte an, die Software intern umfassend zu nutzen. So habe die Investor-Relations-Abteilung kürzlich auf dem Kapitalmarkttag die anwesenden Investoren nach ihren Prioritäten befragt. In 50 wichtige Prozesse sei die Lösung intern bereits eingebunden, sagte der Amerikaner kürzlich dem Handelsblatt.

Den größten Aha-Effekt lieferte auf der Konferenz indes ein Gast: Apple-Chef Tim Cook kam zu Bill McDermott auf die Bühne, um über die Partnerschaft der beiden Unternehmen zu sprechen. Sie arbeiten seit 2016 zusammen, damit die Geschäftsanwendungen des deutschen Konzerns auf den mobilen Geräten des amerikanischen Elektronikherstellers laufen – künftig gilt das auch für Mac-Computer.

Im Gespräch schilderte Cook, dass SAP Apple Ende der 1990er half, aus der Krise zu kommen – der Kultkonzern stand damals kurz vor der Pleite. Als das Unternehmen am Tiefpunkt war, habe SAP mit der Infrastruktur geholfen. „Und das war ein Schlüssel für uns, um die Wende zu schaffen.“

Die Systeme von SAP sind komplex, die Einführung führt bei schlechtem Projektmanagement gelegentlich zu spektakulären Problemen, wie der Fall Lidl exemplarisch dokumentiert. Das Lob von Apple erinnert daran, dass die Software großes Potenzial bietet, um ein Unternehmen in den Griff zu bekommen.

Startseite

Mehr zu: SAP-Konferenz Sapphire Now - „XO, Bill“ – Wie der SAP-Chef den Milliardenzukauf Qualtrics nutzen will

0 Kommentare zu "SAP-Konferenz Sapphire Now: „XO, Bill“ – Wie der SAP-Chef den Milliardenzukauf Qualtrics nutzen will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.