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Sapphire Ventures SAP-Finanzableger nimmt deutsche Start-ups ins Visier

Der Investmentriese will in Zukunft verstärkt in Start-ups aus Deutschland investierten. Neben dem Kapital verspricht er Zugang zum Ökosystem von SAP.
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Finanztochter mit 2,5 Milliarden Dollar ausgestattet. Quelle: Bloomberg
SAP-Hauptquartier in Walldorf

Finanztochter mit 2,5 Milliarden Dollar ausgestattet.

(Foto: Bloomberg)

München, Düsseldorf E-Mails, Reisebuchungen, Projektmanagement: Smartphones sind aus dem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. Doch die Geräte seien nur unzureichend gegen Angriffe von außen und Missbrauch durch Mitarbeiter geschützt, warnt Stijn Paumen, Vertriebsmanager der britischen Sicherheitsfirma Wandera.

Dennoch fand Wanderas Start-up lange Zeit kaum Konzerne, die sich bereit zeigten, in seine Firma zu investierten. Einen Schub gab es erst, als der Walldorfer Softwarekonzern SAP einstieg – nicht direkt, sondern mit seinem eigenständigen Finanzableger Sapphire Ventures.

Der Risikokapitalgeber habe Kontakte zu Kunden und IT-Partnern vermittelt und geholfen, das Geschäft zu skalieren, schwärmt Paumen. Für Finanzierungsrunden gelte eindeutig: „Es geht um mehr als Geld.“

Sapphire Ventures ist ein heimlicher Riese in der Venture-Capital-Szene. Der Name mag in der Öffentlichkeit nicht so prominent sein wie Kleiner Perkins, Sequoia oder Andreessen Horowitz, doch die Bilanz ist ähnlich beeindruckend: In mehr als 100 Start-ups hat das Unternehmen investiert, mehr als 50 Verkäufe und Börsengänge sind gelungen, viele mit ordentlichem Profit.

Nach eigenen Angaben half man, Firmen mit mehr als 100 Milliarden Dollar Unternehmenswert aufzubauen, darunter LinkedIn, Fitbit, Square, Box und Nutanix.

Zurückhaltung in Europa

In Europa hat sich Sapphire Ventures bislang im Hintergrund gehalten. Nur geschätzt 15 Prozent der Investments wurden hier getätigt. In Deutschland hat Sapphire sogar nur eine direkte Beteiligung: Contentful, Anbieter eines Content-Management-Systems.

Das soll sich nun ändern. „Wir wollen noch deutlich mehr in Europa und Israel investieren“, sagte Mitgründer und Partner Andreas Weiskam dem Handelsblatt. Weiskam ist für alle Investments in Europa verantwortlich.

Deutschland und Europa hätten sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, so der Risikokapitalspezialist. Es gebe außerdem mehr Start-ups im B2B-Bereich, die selbstbewusst den wichtigsten Markt USA ins Visier nehmen. Das mache sie für US-Investoren interessanter. Sapphire werde daher das Team in Europa aus- und neue Netzwerke aufbauen.

Diese Entwicklung belegen Zahlen des Risikokapitalgebers Atomico: Europäische Start-ups mit Technologieschwerpunkt erhielten dieses Jahr 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

An 20 Prozent der Finanzierungsrunden waren Geldgeber aus den USA und Asien beteiligt – 2018 waren es nur zehn Prozent. Diese hätten das Vertrauen gefasst, auch in Europa einen lukrativen Weiterverkauf schaffen zu können, glaubt Atomico-Partner Tom Wehmeier.

Erst jüngst erhielt Celonis, ein Spezialist für die Analyse von Geschäftsprozessen, 290 Millionen Dollar. In diesem Jahr machten auch die Digitalbank N26, der Werbetechnologie-Anbieter Adjust und der Event-Vermittler Getyourguide mit Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich auf sich aufmerksam.

Eine Bestätigung für die Szene lieferte zudem Teamviewer, das bei einem Börsengang 2,2 Milliarden Euro einsammelte. Im Vergleich zu den USA mögen das kleine Summen sein – doch sie stehen für einen Trend.

Den Vorstoß nach Europa leitete Sapphire Ventures vor wenigen Tagen mit einem Dinner für Chief Information Officer (CIO) in München ein. In den USA, wo der SAP-Ableger schwerpunktmäßig sitzt, finden solche Netzwerktreffen mit IT-Chefs regelmäßig statt. Denn Sapphire will mehr bieten als nur Geld. Standen früher die Start-ups bei den Investoren Schlange, ist es heute bei den besten Neugründungen umgekehrt.

„Geld ist im Übermaß vorhanden“, sagte Weiskam. Die schlauen Unternehmer würden daher heute die potenziellen Investoren fragen: „Was kannst du für mich tun, wie kannst du mir helfen?“ Gute Kontakte zu Firmenkunden, denen man Software von Start-ups wie Wandera vorstellen kann, sind da ein Pluspunkt.

Schon bei der Gründung des Venture-Capital-Fonds 1996 – damals unter dem Namen SAP Ventures – sollte es nicht nur ums Geld gehen: Der Softwarehersteller aus Walldorf wollte mit der Firma in attraktive Start-ups investieren. 2011 gab er die Hoheit ab, es erfolgte eine Umfirmierung. Die Nähe zum Konzern sollte nicht abschrecken. Heute ist Sapphire Ventures in den Entscheidungen vollkommen unabhängig.

Der Softwarehersteller ist aber praktisch der einzige Geldgeber. Der Dax-Konzern hat etwa 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Die sind derzeit zum großen TEil investiert oder für spätere Finanzierungsrunden bei den bestehenden Beteiligungen reserviert.

Trotz der Unabhängigkeit ist die Nähe zu SAP ein wichtiges Differenzierungsmerkmal, mit dem sich Sapphire Ventures von Konkurrenten unterscheiden will. Die Beteiligungen können Unterstützung im Vertrieb bekommen und vom Netzwerk profitieren.

„SAP hat mehr als 437.000 Kunden. Da können wir wichtige Kontakte zu CIOs und anderen Entscheidungsträgern vermitteln“, sagt Klaus Boeckle, der bei Sapphire Ventures in der Region Europa, Naher Osten und Afrika die Geschäftsentwicklung leitet.

Spreu vom Weizen

Im Gegenzug könne Sapphire Konzerne beraten, falls sie neue Technologiepartner suchen. „Wir können den Konzernen bei der Auswahl neuer und bahnbrechender Digitaltechnologie helfen und die Spreu vom Weizen trennen.“ Bei IT-Investitionen wollten die Firmen, dass es den Lösungsanbieter auch in fünf Jahren noch gebe. Bei der Beurteilung könnten die Sapphire-Experten helfen.

Das Geld wird in Themen investiert, die SAP wichtig sind – aber nicht in potenzielle Konkurrenten: „Wir wollen in ‚Companies of Consequence‘ investieren“, sagt Weiskam. Dies bedeutet laut Boeckle, dass man sich an Start-ups beteiligen wolle, die eine nachhaltige Expansion und enormes Markpotenzial aufweisen und die einen echten Mehrwert schaffen – zum Beispiel, indem sie eine differenzierte Technologie entwickeln und sich so ihre eigenen Märkte schaffen.

Zweistellige Rendite

Primär geht es bei den Investments darum, Geld zu verdienen. Laut Branchenschätzungen liegt die Rendite im zweistelligen Prozentbereich. Der Fonds verkauft Beteiligungen auch an SAP-Konkurrenten. Und er eröffnet den Start-ups Zugänge zum deutschen Softwarehersteller und bahnt gelegentlich Kooperationen an.

Aktuell gehören zum Portfolio Beteiligungen zum Beispiel an Datenanalysespezialisten wie Sumologic, IT-Sicherheitsfirmen wie Netskope und Fintechs wie Transferwise. Neuerdings investiert Sapphire zudem mit einem 115-Millionen-Dollar-Fonds in Firmen aus dem Bereich Sport, Medien und Unterhaltung. Hier arbeitet Sapphire erstmals mit externen Partnern zusammen.

In der hiesigen Start-up-Szene spielt der SAP-Ableger eine Sonderrolle. Das bestätigt Alex von Frankenberg, Geschäftsführer beim High Tech Gründerfonds (HTGF). Sapphire sei es äußerst erfolgreich gelungen, da anzusetzen, wo das europäische Start-up-Ökosystem seine größte Schwäche hat: bei dem Aufbau von neuen Weltmarktführern.

Sapphire Ventures hat Strahlkraft. So offenbar auch auf Siemens, das mit Next47 eine ähnliche Risikokapitalsparte aufbaute. So kündigte Siemens-Chef Joe Kaeser an, binnen fünf Jahren eine Milliarde Euro zu investieren. Es ginge nicht darum, die operativen Einheiten mit Technologiezukäufen zu stärken – Akquisitionen können sie selbst tätigen. Stattdessen wolle man „das nächste große Ding“ finden. Next47 rückte dafür vom Konzern ab und suchte sich Räume außerhalb der Zentrale.

„Venture-Capital in Großunternehmen ist immer schwierig, schon weil die Zeitschienen unterschiedlich sind“, sagt Weiskam. So sei man im Investmentbereich oft über acht bis zehn Jahre engagiert. Zudem gebe es das Risiko, mit Einzelaktivitäten zu scheitern. Manche Konzerne seien in Boomzeiten ins VC-Geschäft eingestiegen. Sie hätten aber oft nicht den langen Atem, um Abschwungszyklen durchzustehen.

Nun also soll auch verstärkt in Deutschland investiert werden. Bislang ist Sapphire Ventures hierzulande fast ausschließlich indirekt an Start-ups beteiligt – über Fonds hält man auf diese Weise Anteile an 63 Unternehmen in der frühen Phase, weltweit sind es 1000 Firmen. Jetzt aber sollen auch die direkten Investitionen in Deutschland zunehmen, bei denen Sapphire bislang meist mit weniger als 20 Prozent einsteigt und dabei durchschnittlich 20 bis 40 Millionen Dollar einsetzt.

„Wir wollen über das hinauswachsen, was SAP machen will“, sagte Weiskam. Daher werde man in den nächsten Jahren voraussichtlich verstärkt auch Kapital von externen Investoren aufnehmen.

Mehr: Die Doppelspitze aus Jennifer Morgan und Christian Klein muss bei SAP nun früher übernehmen als geplant – und könnte mit alten Mythen aufräumen.

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