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Schnelle Börsengänge Spac-Boom erreicht Deutschland: Gründer werden mit Angeboten überhäuft

Weltweit suchen Hunderte Spacs Übernahmeziele. Nun steht auch ein erster deutscher Deal an. Doch die Gründerszene hierzulande ist eher skeptisch.
07.06.2021 - 04:30 Uhr Kommentieren

Düsseldorf -

Das Ferienhaus-Start-up will über den Spac des Wagniskapital-Investors Lakestar an die Börse. Bildnachweis: HomeToGo/Chris Marxen_Headshots-berlin.de
Hometogo-Gründer Patrick Andrä (links) und Wolfgang Heigl

Das Ferienhaus-Start-up will über den Spac des Wagniskapital-Investors Lakestar an die Börse.
Bildnachweis: HomeToGo/Chris Marxen_Headshots-berlin.de

Der Spac-Boom erreicht die deutsche Gründerszene: Der Initiator der ersten Frankfurter Börsenhülle, Klaus Hommels, verhandelt mit der Berliner Ferienhausplattform Hometogo über eine Übernahme. Das gaben die Beteiligten am Freitag bekannt. Es wäre der erste Deal einer deutschen Special Purpose Acquisition Company (kurz: Spac), seit der Boom um diese Zweckfirmen vor etwa zwei Jahren in den USA begonnen hat.

Weltweit suchen inzwischen Hunderte Spacs Übernahmeziele. Auch deutsche Gründer werden mit Angeboten überhäuft. Denn Spacs werden nur gegründet, um Geld einzusammeln, Start-ups zu kaufen und ihnen schnell Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt zu verschaffen. Doch je mehr Spacs um Start-ups buhlen, desto skeptischer sind die Offerten zu hinterfragen: Was ist von den Angeboten zu halten? Welche Chancen und Risiken gibt es? Und für wen eignen sie sich?

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    Fest steht: Spacs bieten jungen Unternehmen eine weitere Option, große Kapitalbeträge einzusammeln. Aktuell ist zwar viel Geld am privaten Markt. Aber die Lage kann sich schnell ändern, und Firmen mit hohen Entwicklungskosten tun sich auch weiterhin schwer bei der Finanzierung.

    Klaus Hommels sieht Spacs als Chance, junge europäische Technologiefirmen unabhängiger von amerikanischem Geld zu finanzieren und sie für hiesige Finanzplätze zu gewinnen. So sieht es auch der Präsident des Bundesverbands Deutsche Startups. „Klaus Hommels hat hier mit seinem Spac ein fantastisches Beispiel dafür geliefert, wie wir auch hierzulande große Runden stemmen können“, schrieb Christian Miele in einem Beitrag zu der Nachricht vom Freitag.

    Doch bisher sind erst drei Spacs in Frankfurt gelistet. Trotz einer wachsenden Zahl europäischer Spacs gibt es weitaus mehr US-Zweckfirmen, die in Europa Firmen kaufen wollen. Denn der amerikanische Markt ist zunehmend abgegrast. Und sie haben nur zwei Jahre für ihre Suche – danach müssten sie das eingesammelte Kapital zurückgeben. Je nach Konstruktion der Spacs entgeht ihnen dann ein lukratives Geschäft.

    Thema wird in der Start-up-Branche kontrovers diskutiert

    „Es ist die riesige Zahl an Spacs, die das Thema so kontrovers macht“, sagte Peter Specht vom Wagniskapitalgeber Creandum kürzlich bei einer Fachkonferenz der Universität St. Gallen. „Es ist schwer, 400 hochqualitative Firmen zu finden, die kurzfristig börsenreif werden.“ Kritiker sehen so die Gefahr, dass viele mit einem Spac fusionierte Firmen am öffentlichen Kapitalmarkt in Schwierigkeiten geraten. Solche Skepsis spiegelt sich auch in den oft schwachen Börsenkursen der Spacs wider.

    Der Risikokapitalgeber und Inhaber von der Firma Lakestar verhandelt mit der Berliner Ferienhausplattform Hometogo über eine Übernahme. Es wäre der erste deutsche Spac-Deal. Quelle: Lakestar
    Klaus Hommels

    Der Risikokapitalgeber und Inhaber von der Firma Lakestar verhandelt mit der Berliner Ferienhausplattform Hometogo über eine Übernahme. Es wäre der erste deutsche Spac-Deal.

    (Foto: Lakestar )

    Die Spac-Sponsoren werben sogar damit, fehlende Börsenexpertise in den Firmen zu kompensieren, das Listing zu vereinfachen und zu beschleunigen. Regularien am US-Kapitalmarkt sehen zudem vor, dass Firmen bei einem Spac mit Zukunftsplänen Geld einsammeln dürfen – beim klassischen Verfahren dürfen sie nur mit erreichten Zahlen werben.

    So unterschätzen die meisten Unternehmen die Anforderungen einer Spac-Fusion, warnt Ralf Pfennig von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Diese seien nicht weniger komplex als bei einem Börsengang. „Sehr häufig sind sie sogar wesentlich schwieriger zu erfüllen“, sagt er mit Verweis auf US-amerikanische Rechnungslegungsstandards.

    Wer sich für einen Spac entscheidet, bringt sich auch um die Aufmerksamkeit bei Analysten, Banken und der Öffentlichkeit, die ein klassischer Börsengang bietet. Und damit um eine mögliche höhere Bewertung und Wahrnehmung durch potenzielle Kunden. Ein Investor einer großen deutschen Wagniskapitalfirma sagte dem Handelsblatt: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir unsere starken Portfoliofirmen nicht an Spacs verkaufen wollen, sondern ihnen zu einem eigenständigen Börsengang raten.“

    Als das Flugtaxi-Start-up Lilium Ende März seine Fusion mit dem US-Börsenmantel Qell bekanntgab, waren die Reaktionen kritisch. Spacs seien nur etwas für Firmen, die bei einem enormen Kapitalbedarf keinen eigenen Börsengang zustande bringen könnten, hieß es in Szenekreisen. Und: Ein Scheitern von Lilium könnte dramatische Folgen für die Finanzierungschancen anderer junger Technologiefirmen haben.

    Jetzt fallen die Reaktionen ganz anders aus. Der Fall von Klaus Hommels und Hometogo zeigt, wie sehr es bei der Bewertung des Instruments auf die Kombination von Sponsor und Firma ankommt. Hommels hat einen hervorragenden Ruf und seinen Spac so konstruiert, dass seine Wagniskapitalfirma Lakestar nur profitiert, wenn sich die übernommene Firma gut entwickelt – das ist bei vielen US-Spacs nicht der Fall.

    Kriterien für den richtigen Spac: Reputation, Investoren und IPO-Erfahrung

    „Für Hometogo macht ein schneller Börsengang enorm viel Sinn, da sie mit dem Börsenlisting viele strategische Optionen wahrnehmen können“, sagt etwa Johannes Reck. Als Chef des Reise-Start-ups Getyourguide kennt er Branche und Firma gut - und auch Wagniskapitalgeber Lakestar, der an Recks eigenem Unternehmen beteiligt ist. Hometogo sei ein Krisengewinner, da Ferienwohnungen in der Corona-Pandemie stärker nachgefragt würden und der Trend sich fortsetzen dürfte. Er sei ein großer Fan von diesem strategischen Zug Hometogos: „Ich denke, dass der Fall wegweisend wird für europäische Start-ups“, sagt Reck.

    Grafik

    Viel spricht dafür, dass Hommels den erwarteten Reisetrend mitnehmen will – und so wenig Risiko wie möglich eingeht, wenn er die bereitstehenden rund 275 Millionen Euro investiert. Er ist mit seinem ersten Spac in quasi politischer Mission unterwegs und hat selbst viel investiert. Immer wieder betont er, dass Europa für eine starke Position auf dem Weltmarkt nicht nur starke Gründer brauche, sondern ihre Firmen auch souverän finanzieren müsse. Eine Fehlinvestition kann er sich unter dieser Zielsetzung nicht leisten.

    Für das Sicherheitsargument spricht auch, dass sich Hommels für eine eigene Portfoliofirma entschieden hat: Seit 2017 ist Lakestar bei Hometogo investiert, man kennt die Gründer und ihre Zahlen sehr gut. Eine Bewertung von einer Milliarde soll angepeilt werden.

    Zur allgemeinen Einschätzung von Spacs sagt Alexander Joël-Carbonell von der Risikokapitalfirma HV Capital: „Es gibt keine wirkliche Faustformel, aber durchaus Kriterien, wann und welcher Spac eine gute Finanzierungsalternative ist.“ Neben Reputation, Investorenbasis und fachlichem Mehrwert des Sponsors seien beispielsweise auch bisherige IPO-Erfahrungen entscheidend. Für das Start-up gebe es harte Kriterien durch Regulatorik und Reportingauflagen und weiche Kriterien wie ein bereits gut auf Marktbedürfnisse angepasstes Produkt und die Wachstumsfantasie.

    David Nothacker, Gründer der Digitalspedition Sennder, sagt: „Mit Spacs ist es wie mit Investoren: Es gibt Topinvestoren und Tier-3-Investoren.“ Wenn letztere, als weniger renommiert geltende Geldgeber investierten, werde das auch eher als Zeichen der Schwäche gewertet.

    Die Berliner Solarisbank und die Reiseplanungsplattform Omio sollen derzeit die Spac-Option prüfen. Omio musste anders als Hometogo seine Aktivitäten in der Pandemie fast gänzlich einstellen, hofft jetzt aber auch auf die Trendwende. Seit Jahresbeginn arbeitet die Firma an börsentauglichen Reportings.

    David Nothacker hingegen hat das Thema für seine Firma erst mal aufgeschoben und sich jüngst auch nach Gesprächen mit Spac-Sponsoren für eine weitere Wagniskapitalfinanzierung entschieden. Ein Börsengang soll frühestens bei einem Milliardenumsatz erfolgen. Spac oder nicht: „Stand heute kommt für uns nur Europa infrage“, sagt Nothacker.

    Mehr: Spacs einfach erklärt – Wie der Börsentrend aus den USA funktioniert

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