Schnüffeln per WLAN Forscher blicken mit dem Smartphone durch Wände

Mit der richtigen Software genügt schon ein handelsübliches Smartphone, um eine Wohnung von der Straße her auszuspionieren. Abwehrmaßnahmen dagegen gibt es kaum.
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Wie sicher sind Smart-Home-Systeme wirklich?

HeidelbergAus Sicht des Smartphones wirkt ein WLAN-Router ähnlich wie eine Kerze, die man ins Innere einer Laterne stellt: Alles, was sich in der Lampe bewegt, verrät sich durch schwache Veränderungen des Lichts, das nach außen dringt. Und diese verräterische WLAN-Spuren lassen sich selbst durch Wände aufspüren.

Wie man das Innere einer Wohnung auf Basis der WLAN-Funksignale ausspioniert, hat jetzt ein Wissenschaftlerteam um Yanzi Zhu von der University of California in Santa Barbara dokumentiert. In einem Fachbeitrag schreiben sie, dass nicht mehr als ein handelsübliches Smartphone und ihre selbst entwickelte Software dazu nötig ist.

Schon länger ist bekannt, dass man Personen mit Hilfe von WLAN durch die Wohnung verfolgen und sogar ihre Armbewegungen erfassen kann. Auch testeten Wissenschaftler bereits Verfahren, um mit WLAN-Signalen durch Wände zu blicken.

Alle derartigen Versuche benötigten jedoch Kontrolle über den WLAN-Router oder spezielle Antennen. Zhu und Kollegen hingegen kommen laut ihrer Studie ohne weitere Hilfsmittel aus. Sie messen lediglich die Stärke der WLAN-Signale.

Wo intelligente Haushaltshelfer angreifbar sind
Sprachassistenten
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Sicherheitsexperten ist es ein Dorn im Auge, dass der intelligente Lautsprecher Echo von Amazons smarter Assistentin Alexa jedes gesprochene Wort auf die Firmenserver speichert. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hacker das Gerät als Wanze missbrauchen?

Lichtsysteme
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Die Lampen von Philips Hue lassen sich aus der Ferne steuern. Wenn auch noch der aktuelle Zustand ausgelesen werden kann, wäre es für Einbrecher möglich, zu erkennen, ob jemand zu Hause ist.

Bluetooth-Türschlösser
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Für die beiden IT-Experten Anthony Rose und Ben Ramsey gibt es keinen Zweifel: Jeder smarte Türöffner ist knackbar. Von 16 getesteten Schlössern, das berichtet das Magazin Chip (04/2017), hatten 75 Prozent eine unsichere Bluetooth-Implementierung. So konnten die Hacker etwa im Fall von August Smartlock auf das Steuersystem zugreifen und damit sehen, wer wann die Tür öffnete.

Intelligente Steckdosen
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Eine Lücke, die Hacker manipulieren können, haben Sicherheitsexperten auch bei der smarten Steckdose Edimax SP-1101W gefunden, so Chip. Die Angreifer können sich darüber Zugriff aufs Heimnetz verschaffen und andere Netzgeräte attackieren. Auch das An- und Abschalten der Steckdosen aus der Ferne ist ohne Probleme möglich.

Heizungssteuerung
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Beim Max-Thermostat soll es im Test möglich gewesen sein, die Steuerung der Thermostate zu übernehmen und auch den eingestellten Zeitplan der Temperatureinstellungen auszulesen. Man muss wohl nicht lange analysieren, um zu wissen, wann die Bewohner zu Hause sind und wann nicht.

Smart-TVs
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Der Experte Benjamin Michéle kann die Samsung Smart-TVs aus der Ferne so manipulieren, dass Mikrofone und Webcams zu Spionen werden - mit Standleitung zum Hacker. Wenn Sie sich schützen möchten, kleben Sie Mikrofon und Kamera am besten zu.

Diese Funkwellen werden durch Wände, Fenster und Türen, aber auch durch Personen auf komplexe Art und Weise reflektiert. Das Verfahren könne also kein klares Bild des Innern liefern, sondern lediglich grobe Positionsangaben, so die Forscher.

Immerhin aber können sie erkennen, wo sich eine Person bewegt, ob sie aufsteht, sich hinsetzt oder ob sie eine Tür öffnet. Verfügt man über den Grundriss der Wohnung, kann man sich diese Informationen dort anzeigen lassen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Späher den Standort des Routers findet. Dazu muss er mit seinem Handy vor dem Gebäude mehrmals auf und ab gehen, damit das Gerät den WLAN-Sender lokalisieren kann.

Mehrere Sendegeräte in einer Wohnung erhöhten sogar noch die Zuverlässigkeit des Systems, so die Forscher in ihrem Aufsatz. Zu Testzwecken haben sie (mit Erlaubnis der Bewohner) elf Gebäude ausgespäht.

Nur wenn sich nichts und niemand in der Wohnung bewegt, ist der WLAN-Schnüffler blind – dann bleibt das Signal konstant. Abgesehen davon gebe es nicht viele praktikable Abwehrmechanismen für Menschen, die ihre Privatsphäre wahren wollen. Am vielversprechendsten sei es noch, das WLAN-Signal mit künstlichem Rauschen zu versehen.

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2 Kommentare zu "Schnüffeln per WLAN: Forscher blicken mit dem Smartphone durch Wände"

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  • Die Nachricht ist neu, die Situation schon immer da.
    Von Anfang an kamen Nachrichten über die mangelnde Sicherheit des W-Lan. Bequemlichkeit hat halt ihren Preis. Darum vertraue ich von vornherein nur dem Kabel, obwohl ich nicht sicher bin, ob das Übertragungskabel selbst nicht als elektromagnetischer Sender fungieren kann, trotz Abschirmung.
    Das einzige was bei mir funktioniert ist die Kabellose Phone-Übertragung des Fernsehers. Selbst dass ist nicht sicher. Ist der Fernseher ausgeschaltet höre ich klar andere Sender aus der Nachbarschaft, ist er eingeschaltet höre ich das Programm bis zur verwinkelten Trasse zur Garage, mindestens 30 Meter. Ob dies mit der neuen Methode auch zum ausspionieren gebraucht werden kann, lasse ich mal dahingestellt. Kann aber bei der Sicherheit wichtiger Personen ausschlaggebend sein, so wichtig bin ich ja nicht, lach...

  • ...also zurück zum Kabel ;-)

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