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Schwarz-Gruppe Nudeln, Obst, Speicherplatz: Lidl-Mutter startet Anfang 2021 ihre Cloud-Plattform

Die Schwarz-Gruppe arbeitet an einem Cloud-Dienst. Ein deutsches Start-up spielt bei der Plattform namens Stackit eine entscheidende Rolle.
26.11.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Wo steht das Rechenzentrum? Für viele Mittelständler ist das eine entscheidende Frage. Quelle: dpa
Server im Rechenzentrum (Archiv)

Wo steht das Rechenzentrum? Für viele Mittelständler ist das eine entscheidende Frage.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Viele Mittelständler stecken in einem Dilemma: Sie wollen die Cloud nutzen, um ihre IT zu modernisieren, aber sie fürchten um ihre Daten, wenn sie die Rechenzentren von Marktführern wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google nutzen. Im Mittelstandsradar der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärten 83 Prozent der Unternehmen, dass sie den Standort Deutschland bevorzugen. Eine Speicherung außerhalb der EU kommt für viele nicht infrage.

Die Schwarz-Gruppe, die mit ihren Handelsketten Lidl und Kaufland bundesweit bekannt ist, will diese Lücke schließen. Der Konzern entwickelt für die interne Nutzung eine Cloud-Plattform namens Stackit. Diese Infrastruktur sollen auch externe Kunden nutzen können – und die Einführung steht kurz bevor.

Im Januar beginne die interne Nutzung, zudem gebe es für ausgewählte Unternehmen Testzugänge, wie der Konzern gegenüber dem Handelsblatt erklärte. „Der produktive Einsatz am externen Markt“ – also die Vermarktung – soll ab Mitte 2021 beginnen. Bis dahin werde die Entwicklung neuer Services vorangetrieben und die Stabilität der Infrastruktur „weiter gehärtet“.

Im Wettbewerb mit AWS, Microsoft und den anderen großen Anbietern, im Fachjargon Hyperscaler genannt, will sich die Schwarz-Gruppe durch hohe Standards bei Datenschutz und Sicherheit profilieren. Der Konzern verspricht in einer Mitteilung die Nutzung von Rechenzentren in Europa und will beispielsweise auf Komponenten des umstrittenen chinesischen Netzausrüsters Huawei verzichten.

„Insbesondere mittelständische Unternehmen, die Wert auf hohe europäische Sicherheitsstandards legen“, wolle man adressieren. Einerseits als Alternative zu den bestehenden Anbietern, andererseits als Ergänzung für eine sogenannte Multi-Cloud-Strategie, bei der mehrere Plattformen parallel zum Einsatz kommen.

Für ein deutsches Start-up bedeutet das Projekt eine große Chance: Cloud&Heat, das in Dresden ansässig ist, arbeitet bei der Entwicklung der Architektur für Stackit eng mit der Schwarz-Gruppe zusammen. Das Unternehmen, das auf energieeffiziente Rechenzentren spezialisiert ist, soll seine Expertise bei der Entwicklung von Cloud-Infrastruktur einbringen.

Eigene Plattform mit Open Source

„Wir sind sehr froh über die Kooperation und überzeugt, gemeinsam eine leistungs- und zukunftsfähige Infrastruktur auf die Beine stellen zu können“, erklärte Marius Feldmann, Chief Operating Officer (COO) von Cloud&Heat. Eine Erweiterung der Zusammenarbeit auf angrenzende Geschäftsfelder, beispielsweise im Bereich nachhaltiger Rechenzentren, werde geprüft.

Die Kooperation soll zeigen, dass der deutsche Mittelstand nun einen Platz hat, wo er seine Daten sicher speichern kann“, sagte Feldmann. „Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit, das in unserer DNA steckt und das der Schwarz-Gruppe auch sehr wichtig ist.“

Beim Aufbau von Stackit geht es um die Nutzung der herstellerneutralen und offenen Software Openstack – diese dient als technische Grundlage. Sie enthält mehrere Komponenten für Cloud-Plattformen, zum Beispiel Rechenleistung, Speicher- und Netzwerkmanagement. In dem Projekt werden außerdem zusätzliche Services entwickelt, etwa ein Identitätsdienst, virtuelle Maschinen oder eine Umgebung für die Softwareentwicklung.

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Es handelt sich um eines der größten Open-Source-Projekte weltweit. Viele Unternehmen aus der IT- und Telekommunikationsbranche sind Mitglieder der Stiftung, IBM, Hewlett-Packard und VMWare beispielsweise, in Deutschland SAP, Telekom und Volkswagen. Eine Community aus mehr als 8000 Programmierern arbeitet an dem System. „Openstack ist das Linux der Cloud-Welt“, zieht René Büst vom Analystenhaus Gartner einen Vergleich, also eine Art Betriebssystem für die IT-Infrastruktur im Netz.

Stackit und Cloud&Heat wollen eine eigene Version von Openstack entwickeln, im Fachjargon ist von einer Distribution die Rede. „OpenStack ist ein Baukasten mit verschiedenen Komponenten, die man selbst zusammenfügen muss“, sagt Cloud&Heat-Manager Marius Feldmann.

Im Kern gehe es darum, die Aktualisierung der Software im laufenden Betrieb zu erleichtern. Auch andere Entwickler sollen sich daran beteiligen können: „Wir hoffen, dass andere einsteigen und die Distribution unterstützen.“

Die Schwarz-Gruppe entwickelt mit der Tochterfirma Schwarz IT die Cloud-Plattform für die eigenen Unternehmen. Das Ziel sei es, die IT zu transformieren, um für neue Geschäftsmodelle bereit zu sein, sagte IT-Vorstand Christian Müller dem Handelsblatt im Mai. Aus dieser Kostenstelle will der Konzern mit der Öffnung für externe Kunden ein Profitcenter machen.

Harter Wettbewerb mit US-Konzernen

Schwarz IT und Cloud&Heat positionieren ihre Cloud-Plattform zwar als Alternative zu amerikanischen Anbietern wie AWS, Microsoft und Google. Im direkten Vergleich dürften sich allerdings deutliche Unterschiede zeigen: Die US-Konzerne entwickeln zusätzlich zu ihrer Infrastruktur kontinuierlich neue Funktionen.

Das gilt beispielsweise für die Vernetzung von Maschinen und Künstliche Intelligenz. So können Kunden die Technologie hinter der Spracherkennung Alexa auch in ihre eigenen Produkte einbauen. Nach Einschätzung von Branchenkennern sind die großen Anbieter AWS, Microsoft und Google kleinen Konkurrenten um mehrere Jahre voraus: Es gebe eine „deutliche funktionale Lücke“, sagte kürzlich Christa Koenen, IT-Chefin der Bahn.

Viele deutsche Konzerne arbeiten daher intensiv mit den amerikanischen Anbietern zusammen. So baut Volkswagen mit AWS eine „Industrial Cloud“ auf, um die Produktivität in den Werken zu steigern. BMW wiederum kooperiert beim Aufbau einer Plattform mit Microsoft.

Welche Funktionen die Schwarz-Gruppe genau anbieten will, ist derzeit unklar, auf der Website nennt der Konzern nur einige exemplarische Dienste, die „demnächst“ verfügbar sein sollen. Klar ist: Wer gegen die Hyperscaler konkurrieren will, muss derartige Funktionen selbst entwickeln, wie Gartner-Analyst Büst betont. „Die Infrastruktur ist lediglich die Basis für weitere Anwendungen.“ Die Arbeit hat für Stackit also gerade erst begonnen.

Mehr: Partner mit Fragezeichen: Gaia-X zieht auch umstrittene Unternehmen an

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