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Skepsis bei Experten Festnetz soll zur Wunderstrippe werden

Die Kupferleitungen der ehemaligen Bundespost sind inzwischen kräftig aufgebohrt. Doch die Branche will noch mehr. Über die modernen Breitbandnetze sollen nun gleichzeitig Filme, Internetseiten und Telefongespräche flitzen.
Das Festnetz soll weit mehr als reine Telefonate ermöglichen. Die Anbieter setzen auf Triple Play. Foto: ap

Das Festnetz soll weit mehr als reine Telefonate ermöglichen. Die Anbieter setzen auf Triple Play. Foto: ap

HB HANNOVER. Auf der Hightech-Messe Cebit in Hannover stellen die Anbieter ihre Ideen für das so genannte Triple Play vor. Einer aktuellen Umfrage zufolge hat immerhin jeder fünfte Deutsche Interesse an solchen Kombi-Produkten. Beobachter sind jedoch skeptisch, ob ihnen ein schneller Erfolg beschieden sein wird. Denn über die herkömmliche Kanäle wie Kabel oder Satellit seien die Nutzer bereits ausgiebig mit Fernsehsendern vorsorgt.

Die Anbieter in Hannover setzen dennoch stark auf bewegte Bilder. So präsentiert das zweitgrößte deutsche Web-Unternehmen United Internet auf der Cebit eine Videothek im Internet zum monatlichen Pauschaltarif. Sie macht damit nicht nur Filmverleih und Kino Konkurrenz, sondern auch den Kabelnetzbetreibern, auf die der Zuschauer früher für die Lieferung von Spielfilmen an das Sofa angewiesen war. Kooperationspartner Pro Sieben freut sich, dass er für Sendungen wie "Germany´s Next Top Model" einen weiteren Absatzkanal hat, und der United Internet-Vorstandsvorsitzende - Ralph Dommermuth sieht im Video-Paket "neuen Mehrwert" für seinen DSL-Anschluss.

Die Festnetzsparte der Deutschen Telekom legt ebenfalls einen Schwerpunkt aufs Fernsehen. T-Com-Vorstand Walter Raizner versprach auf dem Messegelände ein "ganz neues Fernseherlebnis" durch die Verbindung von klassischen TV-Angeboten mit neuen Medien und interaktiven Möglichkeiten. Zeitversetztes Fernsehen ist eine der Feinheiten, mit denen Raizner Kunden locken will. Die Rechte zur Übertragung der Fußball-Bundesliga im Internet hat sich der Konzern bereits gesichert.

Auch Beobachter halten das Zusammenwachsen von Fernsehen, Internet und Telefon langfristig für unvermeidlich. Analyst Per Hellgren-Ola von der Landesbank Rheinland-Pfalz meint, eine wichtige Voraussetzung für die bequeme Nutzung seien schnelle Zugänge wie das geplante Hochgeschwindigkeits- Glasfasernetz der Telekom. Doch das will der Konzern nur dann komplett hochziehen, wenn er hier nicht reguliert wird - eine offene Streitfrage. Auch deshalb bleibt die neue Unterhaltungswelt nach Einschätzung des Analysten in den kommenden 18 Monaten eher etwas für Enthusiasten.

Telekom-Vorstandschef Ricke will bis Juni zehn Städte an das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL anschließen. Foto: dpa Quelle: dpa

Telekom-Vorstandschef Ricke will bis Juni zehn Städte an das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL anschließen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Hellgrens Kollege Robert Gallecker von der Bayerischen Landesbank ist von den Ankündigungen der Telekom auf der Messe noch nicht begeistert: "Wirklich Neues ist nicht dabei." Entscheidend sei jetzt, wie das Angebot aussehe und wie es schließlich angenommen werde, betont der Analyst: "Irgendwo Leitungen zu vergraben ist weniger das Problem." Die Hauptaufgabe komme anschließend - die Kunden zum Wechsel zu einem Rundumpaket zu bewegen.

Das werde für die Unternehmen teuer, meint Nikolaus Bremerich, Telekommunikationsexperte bei der Wiesbadener Beratungsgruppe Marketing-Partner. Denn im Wesentlichen gehe es bei Triple Play um Angebote, die bereits heute viele Menschen nutzten. Der Vorteil liege für sie vor allem in möglichen Einsparungen und dem Service aus einer Hand. Einer Umfrage der Consultants zufolge haben immerhin 20 Prozent der Deutschen Interesse. Und die Experten von Mummert Consulting vermuten, dass bis zum Jahr 2010 rund drei Millionen Haushalte in Deutschland Fernsehen, Telefon und Internet im Paket beziehen. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney schätzt das potenzielle Marktvolumen für Triple Play in Deutschland sogar auf rund 29 Mrd EUR - es wäre damit größer als der heutige Mobilfunkmarkt, der auf 20 Mrd kommt.

Aufbau des Supernetzes VDSL

Derzeit sind die Festnetzbetreiber gerade damit beschäftigt, ihre Netze für die neuen Angebote wirklich fit zu machen. So hat die Deutsche Telekom zur Cebit verkündet, parallel zum Aufbau ihres Supernetzes VDSL zunächst für 200 Mill. Euro eine Zwischenstufe zu bringen, bei der die Daten immerhin schon mit 16 Megabit pro Sekunde sausen - das Achtfache eines heutigen Standardanschlusses. Und ihr Rivale Arcor, der zweitgrößte deutsche Festnetzanbieter, will in den kommenden Monaten über 100 neue Ortsnetze erschließen. Damit sei dann mehr als die Hälfte der Haushalte erreichbar, sagte Vorstandschef Harald Stöber auf der Cebit.

Mit dem Dual-Phone der Telekom kann man auch mobil via WLAN telefonieren. Foto: T-One

Mit dem Dual-Phone der Telekom kann man auch mobil via WLAN telefonieren. Foto: T-One

Die Festnetzanbieter basteln aber nicht nur an höheren Geschwindigkeiten, sondern wollen auch das Einsatzgebiet des herkömmlichen Festnetztelefons erweitern. Mit schnurlosen Modellen hatten sie den Kunden in den vergangenen Jahren schon in der eigenen Wohnung Bewegungsfreiheit gegeben. Jetzt wollen T Com, - Arcor und freenet das Handy mit neuartigen Telefonen überflüssig machen: Diese "Dual Phones" nutzen im Wohnzimmer das Festnetz und wechseln außerhalb der eigenen vier Wände automatisch zum Mobilfunk.

Alle drei Unternehmen präsentieren auf der Messe solche Geräte, die ab dem Sommer verfügbar sein sollen. Das Zusammenwachsen von herkömmlichem Telefon und Handy hält Analyst Hellgren für eine vernünftige Entwicklung. Langfristig müsse man ein Gerät von einem Anbieter mit einem Anschluss wählen können - die jetzt vorgestellten Produkte seien dafür erste Schritte.

Festnetzbetreiber kämpfen auch gegen Kabelnetzbetreiber

Die Festnetzbetreiber kämpfen mit dem Ausbau ihrer Netze und Angebote auch gegen die Kabelnetzbetreiber. Denn Telefon und Internetzugang sind mittlerweile auch über das TV-Kabel zu haben. Die Mobilfunker ihrerseits rüsten ihre Übertragungswege zur echten Festnetzkonkurrenz auf. So kündigte O2 zum Cebit-Start an, dass der erfolgreiche Zuhause-Tarif Genion ab Mai auch die schnelle Übertragungstechnik UMTS und damit schnelles Surfen im Web bieten soll. Gleichzeitig wollen die Münchener eine große Nummer im DSL-Geschäft werden - in Zusammenarbeit mit der neuen Mutter Telefonica will O2 in rund zwei Jahren einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent.

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