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Smart City Toyota baut sich eine eigene Stadt

Der Konzern will in einer Smart City Menschen das Zusammenleben mit Robotern ermöglichen. Für den Firmenchef Akio Toyoda ist das ein Lebenstraum.
07.01.2020 Update: 07.01.2020 - 17:53 Uhr Kommentieren
Der Toyota-CEO will autonomes Fahren optimieren. Quelle: AP
Akio Toyoda

Der Toyota-CEO will autonomes Fahren optimieren.

(Foto: AP)

Las Vegas, Tokio Früher fremdelte Toyota-Chef Akio Toyoda auf großer Bühne. Inzwischen nutzt er sie, um seine Visionen für die Zukunft vorzustellen. Auf der CES kündigte er nun einen Prototypen an, den sich noch kein Autobauer der Welt vorgenommen hat. „Aus meiner Sicht wünscht sich niemand mehr als die Autoindustrie eine Kristallkugel“, witzelte er. Aber da das nicht geht, nahm er sich das Nächstbeste vor: die Stadt der Zukunft.

Auf dem Gelände einer stillgelegten Fabrik am Fuße des japanischen Nationalbergs Fuji soll die smarte Stadt entstehen, „Woven City“, die „gewebte Stadt“. 70 Hektar groß, innovativ, vernetzt, mit Roboterautos und -Haushaltshelfern belebt und ökologisch, gebaut mit Mensch- und Roboterhand. Dort sollen in der ersten Ausbaustufe rund 2 000 Mitarbeiter von Toyota, Rentner und Forscher „leben, arbeiten, spielen – und teilnehmen an einem lebenden Labor“, sagt der Urenkel des Toyota-Gründers.

Toyota will dort Produkte und Dienste unter lebensnahen Bedingungen testen und entwickeln: autonome Mobilität, Roboter, persönliche Fortbewegungsmittel und Künstliche Intelligenz. 2017 gründete Toyota beispielsweise in Kalifornien das Toyota Research Institute, das laut dem Konzernchef der Grundstein für einen neuen Toyota ist. Dieser soll Robotik und smarte Systeme miteinander verbinden. „Selbst in diesem kleinen Maßstab ist der Bau einer kompletten Stadt von Grund auf eine einmalige Gelegenheit, Zukunftstechnologien zu entwickeln, inklusive digitaler Betriebssysteme für die städtische Infrastruktur“, erklärte Toyoda.

Der Plan ist ambitioniert, passt sich aber in die Visionen, die an vielen Orten auf der CES präsentiert werden, nahtlos ein. Das Auto wird nicht mehr als singuläres Transportmittel, sondern als Teil eines größeren Ökosystems gesehen: in seinem Zusammenspiel mit dem Internet, anderen Autos und der restlichen Stadt. Vernetzt oder eben in seine Umwelt „eingewoben“.

Der Konzern ist mit seiner Idee für die „Woven City“ nicht allein. Toyotas Batteriepartner Panasonic hat schon eine smarte Einfamilienhaussiedlung entwickelt, die Fujisawa Sustainable Smart Town. Dort führt der Konzern Produkte vor, die er auch im Ausland vermarktet – vom Fertighaus über Solarzellen und Haushaltsgeräte bis hin zu stationären Brennstoffzellen, die aus Wasser- und Sauerstoff Strom und Heißwasser herstellen.

Google folgte 2017 und kündigte eine Siedlung im kanadischen Toronto an, allerdings nur mit fünf Hektar Fläche. Doch ein Konzern der verarbeitenden Industrie traute sich noch nicht an so ein Projekt heran.

Fußgänger bekommen eigene Straßen

„Hat dieser Mann den Verstand verloren? Hält er sich für eine Art japanischen Willy Wonka?“, witzelte Toyoda in Anspielung auf die Figur aus dem Hollywood-Hit „Charlie und die Schokoladenfabrik“, in dem der Fabrikbesitzer die Träume von Kindern wahr macht. Für ihn ist die Stadt „mein persönliches Feld der Träume“. Aber er meint es ernst. „Ich glaube, dass dieses Projekt allen nutzen kann, nicht nur Toyota.“

Damit das gelingt, hat sich Toyota einen internationalen Stararchitekten besorgt, den Dänen Bjarke Ingels. Dessen Büro BIG hat mit Wolkenkratzern wie dem zweiten Turm des World Trade Centers oder Gebäuden wie Googles Hauptquartier und mit Ideen für Marskolonien international auf sich aufmerksam gemacht.

Bei Toyotas Stadt der Zukunft stehen verschiedene Formen der Mobilität im Zentrum des Versuchs, Urbanität im Zeitalter autonomer Autos neu zu erfinden. Ein Straßentyp ist für autonome Autos gedacht. Um denen das Navigieren zu erleichtern, werden dort Fußgänger und Autos getrennt. Dies ist bisher eine wichtige Hürde für die Einführung autonomer Fahrzeuge. Darüber hinaus gibt es gemischte Zonen für Fußgänger und die Nutzer von persönlichen Fortbewegungsmitteln. Begrünte Gehwege sollen die Parks der Stadt verbinden.

Nutzfahrzeuge fahren autonom

Die Häuser sollen mit Robotern aus Holz hergestellt werden, die Dachziegel Sonnenstrom liefern. In den Wohnungen werden Roboter den Menschen zur Hand gehen. Und intelligente Kühlschränke sollen selbst dafür sorgen, dass sie immer gut gefüllt sind.

„Und das Beste ist, dass diese Häuser einen spektakulären Blick auf den Fuji haben werden“, sagte Architekt Ingels. Wie teuer das Projekt werden wird, verriet Toyota zwar nicht. Aber die finanzielle Bürde dürfte beherrschbar sein. Zum einen ist Toyota für einen Massenhersteller hochprofitabel. Zum anderen bleiben viele Investitionen in der eigenen Gruppe. 

Beispiel autonome Autos: Toyota hat autonome kommerzielle Nutzfahrzeuge, die je nach Bedarf als Taxis, Busse, rollende Büros, Supermärkte oder Arztpraxen ausgerüstet werden können. E-Palette heißt das System, das Toyota zuerst dieses Jahr bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio testen wird. Auch eigene Batterien als Zwischenspeicher von erneuerbaren Energien kann das Unternehmen durch sein Joint Venture mit Panasonic verwenden. Panasonic kann zudem Solar- und Brennstoffzellen liefern. 

Auch bei Gebäuden kann eine Toyota-Gründung mitkassieren. Toyota-Home, inzwischen fusioniert mit Panahome von Panasonic, ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Fertighaushersteller. Das Unternehmen stellt Häuser ähnlich her wie Autos: riesige Stahlrahmen der Haussegmente werden in Zinkbäder getaucht, um sie vor Rost zu schützen.

Und Roboter hat Toyota natürlich auch im Programm. Die ersten Modelle wurden in der Krankenpflege und der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten eingesetzt. Während der Olympiade wird Toyota weitere autonome Geräte vorstellen. Ein Star könnte der Human Support ‧Robot werden. Japans führendes Start-up für Künstliche Intelligenz, Pre‧ferred Networks, hat dem einarmigen Helfer beigebracht, ein unordentliches Zimmer aufzuräumen.

Mehr: Bei der CES Unveiled sind vielversprechende Innovationen präsentiert und ausgezeichnet worden. Das sind die spannendsten Produkte in diesem Jahr.

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