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Smarte Assistentin So will Amazon seine Sprachassistentin Alexa schlauer machen

Sprache könnte die nächste große Internetplattform nach dem Smartphone werden. Doch dafür muss Amazon die Programmierhürden für Entwickler senken.
22.07.2020 - 18:00 Uhr Kommentieren
Amazon will es Entwicklern leichter machen, für die Plattform zu programmieren. Quelle: Reuters
Amazon Alexa

Amazon will es Entwicklern leichter machen, für die Plattform zu programmieren.

(Foto: Reuters)

San Francisco Der „Rittermanager“ ist ein Computerspiel, bei dem die Spieler einen Krieger auf Abenteuer schicken können. Dort sammeln sie Gold, kaufen davon Schwerter und fechten Kämpfe aus, die sie mit steigender Erfahrung versierter werden lassen. Der Unterschied zu anderen Mittelalter-Rollenspielen: Der Spieler bekommt seinen Helden fast nie zu Gesicht.

Denn der „Rittermanager“ ist für Amazons smarte Assistentin Alexa programmiert. Wenn ein Spieler seinem Ritter eine Pause gönnen will, ruft er „Taverne“. Schickt er seinen Ritter auf eine Mission, ist „Abenteuer“ das Zauberwort.

Durchschnittlich 700 bis 800 Spieler habe der „Rittermanager“ pro Tag, sagt Mathias Goor, der das Spiel programmiert hat. Ein anderes Spiel, „Quiz des Tages“, habe sogar zehnmal so viele. Darunter seien viele sehbehinderte Spieler, für die es die einzige Möglichkeit sei, Computer zu spielen.

Goor ist selbst ein Abenteurer, der sich auf wenig erkundetes Terrain gewagt hat. 2016 entwickelte der Programmierer aus Rheine in Westfalen seinen ersten „Skill“ – eine Mini-App – für Amazons zwei Jahre zuvor eingeführten smarten Lautsprecher Echo.

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    Doch während Spiele-Apps für Smartphones schon seit Jahren ein Milliardenmarkt sind, betreibt Goor sein Drei-Leute-Unternehmen Krögoor Entertainment immer noch als Hobby. „Es ist nichts, wofür wir unsere Jobs an den Nagel hängen würden“, sagt er.

    Von Entwicklern wie Goor hängt ab, ob Sprache die nächste große Internetplattform nach dem Smartphone wird. Zwar feierte Amazon Anfang des Jahres 200 Millionen aktive Geräte aus seiner Echo-Reihe – nur ein Jahr nachdem die 100-Millionen-Marke geknackt worden war.

    Im Juni erst hat Amazon den Echo Auto, seinen Lautsprecher für die Nutzung im Auto, in Deutschland eingeführt. Der Onlinehändler ist bei Sprachassistenten der weltweite Marktführer vor Google und dem chinesischen Unternehmen Baidu.

    „Skill-Nutzung hat sich verdoppelt“

    Es gebe Entwickler, die mit sogenannten In-Skill-Käufen sechsstellige Summen verdienen, heißt es bei Amazon. Neben Musik und der Smarthome-Steuerung seien 2019 auch Spiele und Küchen-Skills wie etwa Rezeptplaner stärker genutzt worden, sagt Nedim Fresko, Amazons Vizepräsident für Alexa-Geräte und -Entwickler dem Handelsblatt. „Die Skill-Nutzung hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt.“

    Das bedeutet aber auch: Bei doppelt so vielen aktiven Geräten hat sich die Nutzungsintensität pro Gerät kaum verändert. Smartspeaker enden als Staubfänger oder überqualifizierte Jukeboxen, wenn es zu wenige überzeugende Anwendungen gibt.

    Der App-Boom der späten 2000er-Jahre brachte Uber, Instagram, Slack und Tausende andere Firmen hervor. Und so wie das Smartphone erst durch den App Store zum internetfähigen Zauberstab wurde, braucht Alexa ein Ökosystem von begeisterten Entwicklern, um das Gleiche zu schaffen.

    Zwar programmieren laut Amazon mehr als 700.000 Entwickler für Alexa, und es gibt mehr als 100.000 Alexa-Skills. Doch erfolgreiche Unternehmen, die primär mit In-Skill-Käufen ihr Geld verdienen, fehlen noch. Krögoor sei die zweitgrößte Spielefirma in Deutschland, die nur für Alexa programmiert, sagt Goor.

    Um das zu ändern, will es Amazon Entwicklern leichter machen, für die Plattform zu programmieren. Bei seiner Entwicklerkonferenz am heutigen Mittwoch will Fresko die Einführung tiefer neuronaler Netze in den Code der Assistentin ankündigen.

    Die Technologie, eine Annäherung von Künstlicher Intelligenz an das menschliche Gehirn, soll Alexas Verständnis natürlicher Sprache verbessern. „Wir konnten die Zahl der Fälle, in denen die Intention des Sprechers richtig verstanden wurde, um 15 Prozent steigern“, sagt Fresko, „ohne dass der Skill-Entwickler etwas dafür tun muss.“

    Einem Entwickler wie Goor kann das viel Arbeit ersparen: Gerade neue Spieler würden oft nicht nur „Abenteuer“ sagen, sondern „Ich will meinen Ritter auf ein Abenteuer schicken“ oder irgendeine der unzähligen Varianten davon. Als er den „Rittermanager“-Skill zertifizierte – das Äquivalent zum Review-Prozess im App Store –, reichte Goor elf Versionen eines Satzes mit dem Wort „Abenteuer“ ein.

    Logiksprünge sind für Maschinen schwer zu verstehen

    Macht das neuronale Netz seine Arbeit gut, müssen Entwickler künftig weniger Beispielsätze einreichen, und die Nutzer kommen trotzdem häufiger ans Ziel. Überhaupt soll Alexa Gespräche führen können wie ein Mensch. „Es ist schwer für Entwickler, eine natürliche Konversation nachzuahmen“, sagt Fresko.

    Synonyme, Personalpronomen oder Logiksprünge sind für Menschen meist leicht zu verstehen, für eine Maschine eher nicht. „Entweder müssen Nutzer dann wie Roboter sprechen, oder Entwickler geben einfach auf“, sagt Fresko.

    Künftig soll die Künstliche Intelligenz, trainiert mit ein paar Satzbeispielen, Kontext übertragen können. Sein Team diskutiere Kontextübertragung oft am Beispiel einer Pizzabestellung, sagt Fresko. Wenn ein Kunde erst eine mittelgroße Pizza bestellt, dann Zutaten auswählt und plötzlich „Nein, doch lieber eine große“ sagt, soll Alexa verstehen können, dass nun zum Beispiel statt 26 Zentimeter Durchmesser 32 Zentimeter gewünscht sind.

    Goor betreibt Krögoor Entertainment mit zwei Kollegen, Yvonne Petrausch und Sebastian Kröger. Beide sind im Hauptberuf Journalisten: Sie schreiben die Rittergeschichten, die erzählerischen Verästelungen und die Erzählermonologe, die die Mittelalter-Szenerie vor dem inneren Auge des Spielers entwerfen.

    Freskos Team hat eine Technologie entwickelt, die Spielerfahrungen atmosphärischer machen soll und für die Krögoor Betatester war. Bislang habe man pro Ausgabe, etwa eine Kampfszene, maximal fünf Sounddateien kombinieren können, sagt Goor. Mit Stimmen, Lautenmusik, Schwertklirren oder dem Geräusch einer ritterlichen Kopfnuss sei man da schnell an die Grenze gekommen. Künftig gebe es keine Grenzen mehr.

    Goor ist ein zufriedener Alexa-Entwickler – sein Team sei jede Woche in Kontakt mit Amazon. Für die Konferenz hat er Audio-Schnipsel aus seinem „Knight Manager“ eingeschickt. Die englische Version seines Spiels könnte von Amazon weltweite Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht wird aus dem Hobby dann doch noch mehr.

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