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Smartphone-Hersteller Beipackzettel für Apps: Wie Apple im App Store für mehr Datenschutz sorgen will

Welche Daten verwendet eine App? iPhone-Nutzer können das nun vor der Installation mit einem Blick sehen. WhatsApp wittert Wettbewerbsverzerrung.
14.12.2020 - 19:00 Uhr Kommentieren
Der Manager sieht Datenschutz als ein Unterscheidungsmerkmal. Quelle: AFP
Apple-Chef Tim Cook

Der Manager sieht Datenschutz als ein Unterscheidungsmerkmal.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Wenn es um Datenschutz geht, wählt Apple-Chef Tim Cook gerne große Worte: Es handle sich neben dem Klimawandel um „das wichtigste Thema des 21. Jahrhunderts“, sagte er beispielsweise kürzlich.

Der Elektronikhersteller bewirbt den Schutz der Privatsphäre beim iPhone und anderen Produkten massiv. In Zeiten, in denen sich die Geräte immer mehr ähneln, handelt es sich hierbei für einen Teil der Kundschaft um ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Im App Store gelten diese Maßstäbe jedoch nur bedingt. Wenn Nutzer über die Plattform Programme herunterladen, haben sie praktisch keine Kontrolle darüber, wie die Anbieter ihre Daten verwenden.

Künftig verspricht Apple mehr Transparenz: Mit einem Update, das seit diesem Montag erhältlich ist, enthalten Produktbeschreibungen im App Store übersichtliche Angaben zur Verwendung personenbezogener Informationen – ähnlich den Nährwertangaben auf Lebensmitteln oder den Beipackzetteln von Medikamenten.

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Standort erkennen

    Die Datennutzung aller Entwickler müsse transparent sein, „damit die Nutzer fundierte Entscheidungen treffen können“, erklärte Apple am Montag. Während Datenschützer die Aufklärung für sinnvoll halten dürften, regt sich bei einem Konkurrenten Kritik: Die Facebook-Tochterfirma WhatsApp wittert eine Wettbewerbsverzerrung, weil für vorinstallierte Anwendungen wie iMessage nicht die gleiche Transparenz gelte. Ein alter Konflikt dürfte damit weiter an Schärfe gewinnen.

    Nutzer sollen sich schnell einen Überblick verschaffen können.
    Neue Datenschutzeinstellungen

    Nutzer sollen sich schnell einen Überblick verschaffen können.

    Im App Store finden Nutzer künftig auf Produktseiten eine Übersicht mit mehreren Kategorien:
    „Fürs Tracking verwendete Daten“, mit denen Unternehmen über mehrere Apps und Webseiten hinweg das Verhalten nachvollziehen können – das gilt beispielsweise für Google und Facebook, aber auch für andere Werbenetzwerke.
    „Mit dir verknüpfte Daten“, darunter Kontaktinformationen, Standort und Bankdaten, außerdem die Browser-Historie und Einkäufe.
    „Daten, die nicht mit dir verknüpft sind“ werden ebenfalls aufgelistet. Entwickler können beispielsweise die Kontakte, das Surfverhalten und den Standort anonymisiert verwenden.

    Reaktion aufs Privatsphäre-Paradoxon

    Besonders das Tracking über verschiedene Apps und Webseiten hinweg birgt große Risiken für die Privatsphäre. Namen und Adressen der Nutzer sollen zwar anonym bleiben, in dem komplexen Markt tauschen jedoch zahlreiche Händler und Zwischenhändler Daten aus – oft, ohne dass es den Nutzern überhaupt bewusst ist. Damit lassen sich womöglich Profile bilden, die die Identität nicht mehr verbergen.

    Mit dem Schritt, bereits angekündigt auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni, reagiert Apple auf das bekannte Privatsphäre-Paradoxon: Viele Menschen sorgen sich zwar um ihre Daten, tun aber wenig, um diese schützen – Datenschutzerklärungen von Apps dürften wohl die allerwenigsten lesen.

    Die neue Übersicht soll auch bei oberflächlicher Lektüre ein Bewusstsein für das Thema schaffen. Zudem dürfte sich der Konzern erhoffen, dass die Transparenz Entwickler dazu motiviert, weniger personenbezogene Informationen zu verarbeiten.

    Bei der Umsetzung nimmt Apple die App-Anbieter in die Pflicht: Diese sind seit Kurzem verpflichtet, die Informationen zum Datenschutz anzugeben, wenn sie neue Programme oder Updates einreichen – mit der Zeit dürften also immer mehr Unternehmen diese Informationen angeben. Das gilt für alle Betriebssysteme und Geräte des Elektronikherstellers – neben dem iPhone also auch iPad, Mac, Apple Watch und Apple TV. Eine Überprüfung soll im Zuge der Freigabe von Apps erfolgen.

    Die neue Übersicht ist nur einer von mehreren Schritten, mit denen Apple den Datenschutz stärken will: Der Konzern verpflichtet App-Entwickler künftig auch, vor der Verwendung von Tracking-Technologien um Erlaubnis zu fragen. Nach Beschwerden aus der Werbeindustrie ist die Einführung auf Anfang 2021 verschoben worden – die Unternehmen fürchten Einnahmerückgänge, wenn viele Nutzer die Personalisierung von Anzeigen verbieten.

    Konflikt zwischen Apple und Facebook

    In den vergangenen Jahren sind Apple und Facebook bereits mehrfach über den Datenschutz aneinandergeraten – so auch jetzt: WhatsApp, seit 2014 Teil des Social-Media-Konzerns, bezeichnete die Labels als wettbewerbswidrig.

    Es sei „ein guter Anfang“, einfach verständliche Informationen zur Verfügung zu stellen. Aber dabei sei die Vergleichbarkeit mit den bereits vorinstallierten Apps wichtig, etwa iMessage, erklärte das Unternehmen gegenüber dem Technikportal Axios. Diese Informationen veröffentlicht Apple allerdings online.

    WhatsApp monierte zudem, dass die Übersicht nicht zeige, was ein Unternehmen zum Schutz der personenbezogenen Daten tue. Der Chat-Dienst verschlüssele Nachrichten beispielsweise auf dem gesamten Weg vom Absender bis zum Empfänger, werde aber trotzdem mit den „gleichen, breiten“ Kategorien bedacht wie andere Anbieter.

    Die Reaktion dürfte damit zu tun haben, dass WhatsApp zahlreiche Informationen der Nutzer sammelt: In einem Blogeintrag nennt das Unternehmen neun Kategorien. Das sei notwendig, um einen „zuverlässigen globalen Kommunikationsservice“ anbieten und beispielsweise Missbrauch verhindern zu können. Dabei begrenze man aber den Zugriff auf die Informationen – so teile man die Kontaktlisten, die Nutzer hochladen können, mit niemandem anders, auch nicht mit dem Mutterkonzern Facebook.

    Trotz der Änderungen in iOS wird es auf iPhones und iPads indes weiter personalisierte Werbung geben, auch dann, wenn die Nutzer nicht explizit zustimmen: Apple bietet dafür nämlich selbst ein Programm an. Im neuen Betriebssystem ist es in den Einstellungen in einem separaten Menü standardmäßig eingeschaltet. Der Konzern betont, dass er die Nutzer in Segmente mit mindestens 5000 Leuten einteile und keine Daten an Broker gebe.

    Mehr: Apple senkt die Gebühren für kleine Entwickler

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