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Smartphone-Hersteller Deutsche Telekom geht auf Distanz zu Huawei

Die Telekom fordert ihre Beschäftigten auf, keine Huawei-Smartphones mehr als Diensthandys zu bestellen. Für den chinesischen Konzern verdüstert sich die Lage.
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Deutsche Telekom geht auf Distanz zu Huawei Quelle: Bloomberg
Huawei-Forschungscampus in Dongguan

Durch die US-Sanktionen werden die Smartphones des chinesischen Hardwareherstellers zu Ladenhütern.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf, Frankfurt, Bonn Die Deutsche Telekom hat als erstes Branchenschwergewicht auf die Sanktionen der USA gegen den chinesischen Netzausrüster Huawei reagiert. Europas größter Telekomkonzern rief seine Mitarbeiter dazu auf, keine neuen Huawei-Smartphones mehr als Diensttelefone anzuschaffen.

„Im Sinne des Investitionsschutzes sollte auf einen alternativen Anbieter ausgewichen werden“, heißt es in einem internen Schreiben an die Beschäftigten, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Anschaffung eines neuen Huawei-Smartphones sei „derzeit nicht empfehlenswert“. Es gebe für die Mitarbeiter aber kein generelles Kaufverbot, betonte ein Sprecher auf Anfrage.

Den eigenen Kunden bietet das Schwergewicht die Geräte weiterhin an – nur weniger offensiv, wie es in Konzernkreisen heißt. Huawei werde eher nach hinten im Regal gestellt.

US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich einen „Telekommunikationsnotstand“ ausgerufen. Die USA setzten Huawei daraufhin auf eine schwarze Liste von Unternehmen, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen.

Für die Regeln gilt eine dreimonatige Übergangsfrist, danach werden Huawei-Smartphones möglicherweise nicht mehr mit Sicherheitsupdates aktualisiert. Zudem könnten auf neuen Geräten zahlreiche Dienste gesperrt werden, darunter Google Maps, WhatsApp oder Facebook. Damit wären die Handys weitgehend funktionslos.

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Die Drohgebärde der USA hat weitreichende Folgen. Neben Apple und Samsung gehört Huawei zu den führenden Anbietern von Smartphones und ist damit einer der wichtigsten Lieferanten von Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1.

Diese nehmen den Herstellern große Stückzahlen mit Rabatt ab und verkaufen sie zusammen mit ihren Tarifen an Endkunden weiter. Die Kunden müssen dann nicht auf einen Schlag das gesamte Geld für ein modernes Smartphone bezahlen, sondern stottern den Betrag über die Laufzeit ihres Vertrags ab.

Nach der US-Ankündigung ist die Nachfrage nach den Handys der Chinesen bereits zurückgegangen. Die Firmen überlegen nun, ob sie Huawei-Geräte künftig nur noch eingeschränkt anbieten. „Bei uns gibt es große Sorgen, dass wir auf tausenden unverkäuflichen Smartphones sitzen bleiben“, sagte ein ranghoher Manager aus der Branche.

Für den chinesischen Hersteller wachsen damit die Probleme. Firmen in den Vereinigten Staaten müssen sich eine Genehmigung des Handelsministeriums einholen, wenn sie weiter mit Huawei kooperieren wollen. Einige Chiphersteller haben bereits ihre Kontakte zu den Chinesen abgebrochen.

Auch der US-Technologiekonzern Google könnte nach einer 90 Tage dauernden Übergangsfrist Huawei-Geräten den Zugang zu seinen Diensten entziehen. Die Geräte würden damit von neuen Versionen des Google-Betriebssystems Android sowie von Anwendungen wie Google Maps abgeschnitten.

Massiv in neue Technologien investiert

Auf bereits ausgelieferten Smartphones und Tablets von Huawei sollen die Google-Dienste auch weiterhin funktionieren. Betroffen könnten künftig vor allem neue Geräte sein – wie etwa das P30 Pro, für das Huawei auch in Deutschland massiv Werbung schaltet.

Nach Google könnten weitere Dienste ausfallen. Facebook könnte das nächste US-Unternehmen sein, dass sich mit seinem Nachrichtendienst WhatsApp den Sanktionen beugt. Es ist eine Kettenreaktion, die von Donald Trump ausgelöst wurde.

Für die Huawei-Oberen kommen die drohenden Sanktionen zu einer denkbar schlechten Zeit. Der Konzern hat massiv in die Entwicklung neuer Technologien investiert – und hat sich damit erfolgreich zu einem Herausforderer für Apple und andere Schwergewichte entwickelt. Für Huawei ist die Ankündigung von Trump daher nichts Geringeres als Teil eines Wirtschaftskonfliktes zwischen Amerika und China.

Der Konzern investierte massiv in neue Technologie. Quelle: Reuters
Vorstellung des Huawei P30 in Paris

Der Konzern investierte massiv in neue Technologie.

(Foto: Reuters)

„Die amerikanischen Politiker nutzen die Macht einer ganzen Nation, um ein Privatunternehmen zu verfolgen“, sagte Chefjurist Song Liuping am Mittwoch in Shenzhen. Huawei-Gründer Ren Zhengfei hatte kürzlich sogar im Handelsblatt-Interview vor einem „neuen kalten Krieg“ gewarnt.

Die Auswirkungen des transpazifischen Streits erreichen Europa: Die Führung der Deutschen Telekom hat sich nach Handelsblatt-Informationen ausführlich mit dem Thema beschäftigt und sich zu einem Schritt mit Symbolcharakter entschieden: Im firmeninternen Intranet hat der Konzern die Beschäftigten aufgerufen, keine neuen Huawei-Geräte als Diensttelefone zu bestellen. Dabei handele es sich nicht um eine zwingende Vorgabe, sagte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage. Es gebe kein Verbot für Mitarbeiter. Beschäftigte, die bereits ein Huawei-Smartphone nutzten, dürften es künftig weiter dienstlich verwenden. Aber von einer Neuanschaffung werde abgeraten.

Die Führung des Bonner Konzerns ist sensibel, wenn es um die USA geht. Vorstandschef Timotheus Höttges kämpft für eine Fusion der Tochter T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint. Einige Hürden hat der Deal zwar schon genommen, final besiegelt ist er aber noch nicht. Erst kürzlich reiste Höttges selbst in die USA, um Bedenken der Wettbewerbsbehörden auszuräumen.

Nun könnte das Politikum Huawei, so urteilen Konzernkenner, zum Problem werden. Denn sensibel ist die Lage für Höttges auch mit Blick nach China. Huawei ist ein wichtiger Lieferant – nicht nur von Handys, sondern auch für die Netzwerke, über die Telefongespräche abgewickelt werden. In Deutschland sind die Chinesen der führende Netzwerkausstatter. Ihre Technik steckt in allen drei deutschen Mobilfunknetzen.

So werden die Spannungen zwischen China und den USA in der Bonner Konzernzentale genau verfolgt, wie ein hochrangiger Manager berichtet. „Wir müssen da vorsichtig und wachsam sein.“

Während die Telekom erste Maßnahmen ergreift, verhält sich der Rest der Branche noch ein wenig zurückhaltender. Dennoch weist etwa Telefónica in einem umfangreichen Hinweistext auf Risiken hin. Darin heißt es, dass Huawei Sicherheitsupdates liefern wolle. „Aus heutiger Sicht kann Huawei allerdings eine Verfügbarkeit etwaiger künftiger Software-Updates nicht bestätigen“, warnt der Konzern.

Konkurrent 1&1 verkauft derzeit noch Huawei-Geräte, aber die Firma könne ihre Bestellungen zurückfahren. „Wir können generell sehr schnell und flexibel auf veränderte Kundenwünsche reagieren, da wir über Geräte aller namhaften Hersteller verfügen“, sagte ein Firmensprecher.

Huawei will Smartphones nicht zurücknehmen

In Großbritannien kündigte Vodafone an, Huawei bei den Vorbestellungen für den für Juli angekündigten Start des Echtzeitmobilfunks 5G vorerst nicht zu berücksichtigen. „Das erste 5G-Endgerät aus dem Hause Huawei muss noch die erforderlichen Zertifizierungen erhalten“, sagte ein Vodafone-Sprecher. Ansonsten werden die anderen Telefone von Huawei unverändert verkauft, auch in Deutschland.

Die Anbieter wollen auf die Waren von Huawei nicht verzichten. Schließlich hat sich der Konzern zu einer veritablen Größe entwickelt, die sich nicht hinter Marktführer Samsung aus Südkorea zu verstecken braucht. Um sich Zugriff auf die begehrten Handys zu sichern, haben die Telekom wie andere Mobilfunkanbieter den Einkauf größerer Mengen vertraglich zugesagt.

Damit stehen die Konzerne unter Druck. Die georderten Geräte sollten schließlich auch verkauft werden, sagte ein Branchenvertreter. Wie aber können die Telekomfirmen Huawei-Telefone an ihre Kunden verkaufen, obwohl die bald schon nur noch eingeschränkt nutzbar sein könnten?

Huawei verweist auf die Telekomunternehmen. Es gebe keinen Grund, Smartphones zurückzunehmen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. „Die Geräte sind voll funktionsfähig und haben keinen Mangel. Alles Weitere sind Spekulationen, zu denen wir uns nicht äußern.“ Huawei werde Sicherheitsupdates für Smartphones und Tablets bereitstellen, die bereits verkauft wurden oder auf Lager sind.

Der Huawei-Gründer warnt vor einem „neuen kalten Krieg“. Quelle: Bloomberg
Ren Zhengfei

Der Huawei-Gründer warnt vor einem „neuen kalten Krieg“.

(Foto: Bloomberg)

Die Pläne gehen bereits weiter: Der oberste Smartphone-Manager von Huawei, Richard Yu, drohte nach der US-Ankündigung, sein Unternehmen werde sich notfalls von Google lösen und ein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen. Noch in diesem Jahr könnte das Huawei-System in China starten und im kommenden Jahr international, kündigte der Chef der Konsumgütersparte an.

Ein eigenes Betriebssystem würde Huawei zwar von der Android-Abhängigkeit befreien. Doch Dienste wie Google Maps wären trotzdem gesperrt, warnte Technologieexperte Marton Barcza, der mehrere Jahre für den chinesischen Smartphone-Hersteller Oppo gearbeitet hat und den Youtube-Kanal TechAltar betreibt.

Die Sperre von Google-Diensten könnte weitere Apps betreffen. Viele Entwickler nutzen Dienstleistungen von Google innerhalb ihrer Anwendungen. Die Programme müssten erst für die Verwendung außerhalb des Google-Werkzeugkastens umgeschrieben werden.

Smartphone-Besitzer müssen auf Updates verzichten

Käufer von Huawei-Geräten können diese weiter verwenden. Auf Updates mit neuen Funktionen müssen sie aber verzichten: Es gebe keinen Anspruch darauf, „immer die neueste Version des Betriebssystems zu bekommen“, sagte Oliver Müller von der Verbraucherzentrale NRW dem Handelsblatt. Auch mit einem möglichen Wertverlust ihrer Hardware müssten sich Verbraucher abfinden – dafür könne man den Hersteller nur schwer in die Pflicht nehmen.

Die Negativnachrichten kratzen am Huawei-Image. „Die Empfehlungsbereitschaft der Nutzer zur Marke hat stark nachgelassen“, heißt es in einer Auswertung der Kölner Markenberatung Spirit for Brands, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Darum ist der Kauf eines Huawei-Smartphones derzeit ein Risiko

Eine wichtige Messgröße für eine Marke ist der sogenannte Brand-Promoter-Score, mit dem die Empfehlungsbereitschaft gemessen wird. Vor dem US-Bann lag dieser Wert bei Huawei bei 80 Prozent – und damit in der Spitzenklasse der Branche. Seit Mitte Mai ist der Wert auf 50 Prozent abgerutscht.

Für den Vorzeigekonzern aus Fernost ist die Sanktionsdrohung der USA zu einer realen Gefahr geworden. US-Präsident Trump hatte das harte Vorgehen gegen Huawei mit einer Sorge vor Spitzelattacken begründet. In den Technologien sollen Einfallstore für Spionage durch China geschaffen worden sein, hatte Trump erklärt.

Der Spionageverdacht hält sich seit Jahren – und er wird durch immer neue Spekulationen genährt. Vertreter deutscher Konzerne betonten, dass bei Überprüfungen keine Einfallstore entdeckt worden seien. Zudem gebe es keine Warnung durch die deutschen Behörden, sagte ein Experte eines Großkonzerns. Bedenken aber bleiben. Gleich mehrfach sorgte China in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen aufgrund verübter Spitzelattacken.

Viele deutsche Großkonzerne wie Thyssen-Krupp, Siemens oder Volkswagen verzichten auf den Einsatz von Huawei-Handys – womöglich aus Sicherheitsbedenken.

Mitarbeit: Sha Hua

Mehr: Ein Jurist der Verbraucherzentrale NRW sieht nur geringe Chancen, dass Smartphone-Besitzer Huawei in die Pflicht nehmen können. Lesen Sie hier das Interview.

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4 Kommentare zu "Smartphone-Hersteller: Deutsche Telekom geht auf Distanz zu Huawei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich glaube, der Umgang mit Huawei bzw. deren Handysparte zeichnet ein objektives Bild vom Zustand des Menschen.
    Der Mensch an sich ist versaut durch Gier, der er alles andere unterordnet.
    Was haben Huawei- Handys mit der Netzsparte des Konzerns zu tun? Wo sind die Beweise.
    Die einzigen Fakten sind das spionieren des US-Geheimdienstes bis ins Handy unserer Kanzlerin und das Anzetteln eines Krieges mit falschen Beweisen. Schonballes vergessen?

  • Hallo Deutsche Industrie , Ich denke dass ihr alle aufs falsche Pferd setzt im Handelskrieg USA -China insbesondere der Blödsinnige Kampf gegen Huawei . Es ist sicherlich auch der deutschen Telekom aufgefallen dass seit Jahren die US Firma Cisco wegen Spionageverdacht von verschiedenen Geheimdiensten auch in den USA unter Beobachtung steht. Trump dreht einfach das ganze um und beschuldigt Huawei obwohl alle westlichen Geheimdienste niemals nur den kleinsten Beweis gefunden haben gegen Huawei Selbst Cisco bestätigt dass sie bei der Technik für 5G Netze ca. 3 Jahre technisch zurückliegen. Gerade die Telekom die bei der Übernahme von Sprint in den USA eigentlich kein deutsches ,sondern ein US Unternehmen sind lassen sich politisch manipulieren .Das gleiche gilt für die Sanktionen gegen den Uran . Alle deutschen Unternehmen sind aufgerufen sich gegen diesen Mafiosi Trump zur Wehr zu setzen und die Sanktionen zu unterlaufen . Sie können sich nicht leisten den China markt und damit auch den asiatischen Markt zu verlieren Wenn China es wahr macht die USA auf eine schwarze Liste zu setzen und das auch auf einen Lieferstopp für seltene Erden durchsetzen wird die USA bedeutungslos in Sachen Computertechnologie . enn China besitzt ca 90% der Vorkommen an seltenen Erden .Gerade auf dem Markt für mobile Telekommunikation würde China die schon heute fast alle Mobiltelefone auf der Welt herstellen und zwar meistens bei Foxcon in Shenzhen wo auch die sogenannten europäischen Mobiltelefone von Ericson und Nokia produziert werden neben Huawei, Apple Toshiba usw kommen alle aus dem gleichen Haus . Ich frage Sie ,wieso setzen Sie auf die USA Karte . Jetzt haben Sie in Deutschland und in Europa die einmalige Chance sich von den USA abzusetzen und nicht weiter von alter Freundschaft zu schwärmen Natürlich sind die USA ein großer Markt , aber sie wissen auch dass diese Erpressung seitens der USA sehr gefährlich ist insbesondere für Deutschland

  • Warum die Huawei sanktioniert wurde? Huawei ist sehr groß gewachsen, hat die US-Marktanteile regiert und somit die Apple gedrängelt. Die US-Amerikaner wollen immer regieren, politisch sowie wirtschaftlich. Uns in Deutschland wird die US-Abhängigkeit irgendwann zerstören! SCHADE

  • Super! Und als nächstes werden chinesische Staatsunternehmen ihren Mitarbeitern "empfehlen" keine deutschen Autos mehr zu fahren. Und schon steckt Deutschland zwischen den beiden großen Mahlsteinen USA und China.

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