Smartphone-Markt Microsoft wählt den Apple-Weg

Microsoft liegt bei den boomenden Smartphones abgeschlagen hinter der Konkurrenz. Nun will der Softwarehersteller den Nutzern mit einem neuen Betriebssystem und einem Online-Laden für Musik und Videos wieder Geschmack auf Handys mit dem Windows-Logo machen.
  • Christof Kerkmann (dpa)
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dpa REDMOND/BERLIN. Öffentlich würde es in der Konzern-Zentrale von Microsoft wohl niemand zugeben: Der Software-Riese hat sich auf den Apple-Weg gemacht. Um bei den boomenden Smartphones wieder Anschluss zu finden, orientiert sich der Windows-Hersteller an Prinzipien des Rivalen, der mit iPhone und iPod riesigen Erfolg hat.

Auch der jetzt angekündigte Online-Laden für Musik und Videos im Stile von iTunes passt in dieses Muster.

Der Markt für internetfähige Handys - Smartphones - verspricht traumhafte Wachstumsraten und satte Margen. Er ist gerade deswegen aber auch hart umkämpft. Während Microsoft den PC-Markt dominiert, liegt der US-Konzern bei den kleinen Alleskönnern abgeschlagen hinter Rivalen wie Nokia, Android, Research in Motion und eben Apple. Die Marktforschungsfirma Gartner prognostizierte schon, dass der Marktanteil der mobilen Microsoft-Betriebssysteme von heute schon mageren 4,7 auf 3,9 Prozent im Jahr 2014 schrumpft.

Microsoft muss etwas tun. Unterhaltung ist dabei ein wichtiger Baustein - Apple hat das mit seinen Geräten und dem Online-Laden iTunes vorgemacht, Konkurrenten wie Nokia ("Comes With Music") ahmen es nach. Der "Zune"-Marktplatz zielt in die gleiche Richtung. Unter dem Namen verkauft Microsoft bisher einen Multimediaplayer - nur in den USA und weitgehend erfolglos.

Viel Geld wird Microsoft mit dem Online-Shop vermutlich nicht verdienen. "Der Musik- und Videomarkt ist sehr umkämpft. Die Umsatzerlöse und Margen sind begrenzt", sagt Arno Wilfert vom Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers. Nicht nur die Mobilfunker kämpfen um Kunden, sondern auch Amazon oder die zur Telekom gehörigen Plattformen Musicload und Videoload. "Ein relativ später Markteintritt macht nur Sinn, wenn man damit andere Produkte attraktiver machen kann, zum Beispiel ein Betriebssystem oder Endgerät", so Experte Wilfert.

Wer sich ein neues Smartphone kauft, könnte "Zune" durchaus als Argument für Windows Phone sieben sehen: Der Online-Marktplatz hat acht Mio. Songs im Angebot, auch etliche große Filmstudios sind vom Start weg dabei. Apple-Nutzer mögen vielleicht dem reibungslos integrierten iTunes-System treubleiben. Doch der Smartphone-Markt wächst weiter, und Rivalen wie Nokia schwächeln.

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