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Smartphone Pixel 4 Warum das Hardwaregeschäft für Google immer wichtiger wird

Das Smartphone Pixel 4 soll mit einer neuen Kamera gegen Samsung und Apple punkten. Noch wichtiger für Google ist, die Vorherrschaft des Android-Systems zu sichern.
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Auf den Geräten zeigt der Konzern, was mit Android alles möglich ist. Quelle: AP
Google-Präsentation in New York

Auf den Geräten zeigt der Konzern, was mit Android alles möglich ist.

(Foto: AP)

Düsseldorf, New York Mehr Sterne fotografieren, als man sehen kann: Bei der Präsentation seiner neuen Produkte in New York stellt Google die Kamera seines neuen Smartphones Pixel 4 in den Mittelpunkt. Und wer sich fragt, warum er bei einem Suchmaschinen-Anbieter ein Telefon kaufen sollte, findet in den neuen Funktionen der Kamera vielleicht die Antwort. Zumindest auf seinen Smartphone-Fotos könnte er künftig die Milchstraße entdecken. Möglich machen das Algorithmen, die den Sternenhimmel errechnen.

Das Geschäft mit Mobiltelefonen ist härter geworden. Nachdem die Absatzzahlen jahrelang gestiegen sind, gingen sie 2018 zum zweiten Mal in Folge zurück. Die Menschen wollen nicht mehr unbedingt das neueste Modell der Smartphones haben, wie noch vor wenigen Jahren.

Das liegt auch daran, dass die Technik in den Geräten zumindest für den Moment weitgehend ausgereizt ist. Einige Hersteller setzen deshalb schon auf Geräte für die neue fünfte Netzgeneration, mit der der Mobilfunk viel schneller werden soll. Google versucht, die Kunden beim Pixel 4 mit neuen Kamerafunktionen zu einem Neukauf zu überreden. Damit ist der Tech-Konzern allerdings nicht allein.

„Die Kamera ist zum Hauptdifferenzierungsmerkmal geworden“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. Jeder Hersteller versuche, sich über die Kamera von den anderen abzuheben. Dieser Trend wird nach Meinung der Expertin von zwei Seiten angetrieben: „Einerseits ist eine tolle Kamera für die Nutzer ein super Mehrwert, andererseits kann sich kein Hersteller mehr dem Wettstreit entziehen.“

Aber es ist nicht leicht, die Kunden zu überzeugen, mahnt Paolo Pescatore, Analyst bei PP Foresight: „Es ist immer schwieriger geworden für die Hersteller, sich in diesem harten Markt von der Konkurrenz abzusetzen“, beobachtet er. Durch die jüngsten Probleme von Huawei – die Telefone dürfen keine Google-Software mehr haben – könnten Kunden zwar theoretisch den Anbieter wechseln. „Aber es wird nicht einfach, Apple- und Samsung-Kunden abzuwerben“, gibt Pescatore zu bedenken.

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Die Kamera im neuen Pixel hat erstmals zwei Linsen und kann noch mehr als den Himmel heranzoomen. Stolz ist der Suchmaschinen-Konzern auch auf die Möglichkeit, Bilder schon vor dem Knipsen zu bearbeiten. Der Nutzer kann so etwa Personen im Gegenlicht fotografieren. Außerdem korrigieren Algorithmen die Farbe. Schneebilder sollen künftig weiß statt bläulich sein.

Den Ritterschlag ließ Google dem Pixel 4 von keiner Geringeren als Annie Leibovitz verleihen. Die vor allem für ihre Porträts berühmte Star-Fotografin war mehrere Monate im Land unterwegs, um Menschen zu fotografieren. „Ich war am Anfang sehr skeptisch“, erklärte sie auf der Bühne in New York. „Aber ich war neugierig, wie weit man mit einer Smartphone-Kamera kommt.“ Das Pixel 4 habe sie überzeugt.

Geringer Marktanteil bei Smartphones

Seit Google 2016 sein erstes Smartphone herausgebracht hat, fragen sich Beobachter, was der Konzern mit seiner Hardware allgemein und den Mobiltelefonen im Speziellen eigentlich will. Eine Erklärung: Der US-Konzern will die Smartphonehersteller antreiben, die mit Googles Betriebssystem Android auf den Markt gehen.

Frank Gillett von dem auf Technologie spezialisierten Marktforschungsunternehmen Forrester beschreibt das Pixel als „Leuchtturm-Android-Smartphone“: Auf den eigenen Geräten zeigt Google, was mit Android alles möglich ist, und fordert die Konkurrenz heraus, noch besser zu werden. Damit will Google verhindern, dass Kunden sich Herstellern zuwenden, die etwa auf Windows-Betriebssysteme setzen oder auf Apple mit iOS umsteigen. Doch das sei nicht mehr genug, sagt Gillett.

Google will inzwischen auch mehr, ist sich Annette Zimmermann von Gartner sicher: „Google versucht, seine Lücken im Portfolio zu schließen.“ Als sich der Konzern vor zwei Jahren das Design‧team von HTC ins Haus geholt habe, sei dieser Anspruch offenkundig geworden.

Hard- und Software müssen immer besser Hand in Hand gehen, das könne Google am besten selbst. „Die Strategie ist eindeutig, die gesamte Hardware-Bandbreite von den kleinsten Wearables wie den kabellosen Kopfhörern bis zu den großen Notebooks abzudecken“, sagt Zimmermann.

Bis zum ernst zu nehmenden Hardwarehersteller ist der Weg für Google allerdings noch weit. Bei den Smartphones hat der Konzern einen so geringen Marktanteil, dass Analysten die Geräte in Statistiken bisher nur unter „andere“ listen. Die Analysten von Gartner schätzen den weltweiten Absatz auf unter zehn Millionen Geräte im Jahr.

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Der Blick in Googles eigene Zahlen macht deutlich, dass das Hardwaregeschäft für das Unternehmen zwar noch klein ist, aber immer relevanter wird. Im zweiten Quartal hat der IT-Konzern bei 39 Milliarden Dollar Umsatz zehn Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Das größte Geschäft macht Google dabei zwar immer noch mit Werbung.

Aber immerhin 16 Prozent des Umsatzes kommen mittlerweile über den Verkauf von Smartphones, Lautsprechern und Cloud-Computing-Dienstleistungen. Diese Sparte „andere Umsätze“ ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar gestiegen. Wie viel davon von den Smartphones stammt, gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Am Ende könnten die Einnahmen aus den Geräteverkäufen für Google aber auch nur ein angenehmer Nebeneffekt sein. Die Hardwarefrage ist aus anderen Gründen existenziell: Das Hauptgeschäft könnte künftig von der Verbreitung der eigenen Geräte und des Betriebssystems abhängen.

„Allen großen Techkonzernen wie Google, Apple und Amazon geht es darum, die meisten Zugangspunkte zu bekommen“, erklärt Zimmermann. Erst kürzlich hat Amazon eine ganze Reihe neuer Geräte geradezu auf den Markt geschmissen. „Google möchte überall sein und die Menschen im täglichen Leben 24 Stunden erreichen“, sagt die Gartner-Analystin. Nur möchten andere Techunternehmen das eben auch.

Neben der Kameratechnik setzt Google stark auf den Trend zum „Ambient Computing“. Hinter dem Begriff steht das Bestreben, nicht mehr alle Technik in einem Gerät unterzubringen, sondern den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und die Technik dezentral zu verteilen.

Mit seinen neuen Kopfhörern, die erst 2020 auf den Markt kommen, zeigt Google, wie weit das gehen kann. Der Konzern verspricht, dass Nutzer ihr Telefon in der Umkleide des Fitnessstudios einschließen und auf dem Laufband Musik hören und auswählen können. Die Reichweite ohne Zwischenwände soll ein Fußballfeld überbrücken.

Das komplett vernetzte Haus

Auch für zu Hause schwebt Google eine neue, komplett vernetzte Welt vor: Dank eleganter Smartspeaker und Sensoren gehen Lichter und Heizungen von alleine aus, das Video wechselt per Sprachbefehl von einem Raum in den nächsten. Die „Mini Nest“-Geräte im Bücherschrank dienen als Telefon und teilen mit, wer an der Tür ist, ob der Hund bellt oder das Kind in der Küche ist.

Zum Ambient Computing gehört, dass Nutzer die Hände nicht mehr brauchen. Beim neuen Google-Smartphone lassen sich eingehende Anrufe mit beruhigender Geste leiser stellen, Lieder kann man wegwischen – und das Wecksignal auch. Außerdem merkt das Gerät, wenn eine Hand nach ihm greift und geht schon mal in den Gesichtserkennungsmodus.

Mit der Gestensteuerung haben auch schon andere Hersteller experimentiert. Aber nicht immer lässt sich voraussagen, was der Nutzer will und auch anwendet. „Die Hürde ist immer, das Nutzerverhalten zu ändern – manchmal klappt das, manchmal nicht“, sagt Zimmermann. „Google ist zuzutrauen, dass es wirklich nützliche Funktionen liefern kann, die bedienerfreundlich sind.“ Das Kunststück bei Ambient Computing und Gestensteuerung ist, dass am Ende auch alles gut zusammen funktioniert.

Fraglich bleibt, warum Google vor allem bei seinen Smartphones nur auf die USA setzt. Geoff Blaber von CCS Insight weist darauf hin, dass Google in Europa nicht genug Mobilfunkanbieter hat, die die Pixels führen. „Um Europa hat sich Google bisher wenig gekümmert“, sagt auch Gartner-Analystin Zimmermann. Fast noch verwunderlicher: „Es sieht aus, als würde das neue Smartphone nicht mal auf dem Riesenwachstumsmarkt Indien angeboten.“ So ganz gelingt es dem Konzern also doch noch nicht, überall dabei zu sein.

Mehr: Neueste Handys stoßen auch in den Sektor hochpreisiger Systemkameras vor. Hersteller wie Nikon und Sony setzen daher auf noch ausgefeiltere Modelle.

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