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Smartphonehersteller Warum Apple die Modemsparte von Intel kauft

Apple will möglichst viele Komponenten seiner Geräte selbst entwickeln. Nun sichert sich der Konzern eine Schlüsseltechnologie für das 5G-Zeitalter.
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Der iPhone-Hersteller kauft Intels Geschäft für Smartphone-Modems für eine Milliarde Dollar. Quelle: dpa
Apple

Der iPhone-Hersteller kauft Intels Geschäft für Smartphone-Modems für eine Milliarde Dollar.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, München Als Tim Cook 2009 bei Apple die Geschäfte übernahm, beschrieb er in einem Gespräch mit Analysten seine Prinzipien. Er sprach über Innovationen, Einfachheit – und die Lieferkette. „Wir glauben, dass wir die wichtigsten Technologien hinter den Produkten, die wir machen, besitzen und kontrollieren müssen“, sagte Cook.

Diese Politik verfolgt Apple noch heute - und lässt sie sich einiges kosten: Der Elektronikkonzern kauft für eine Milliarde Dollar das Geschäft mit Smartphone-Modems von Intel, einschließlich 2200 Mitarbeitern, Ausrüstung und Patenten. Damit sichert er sich eine wichtige Technologie für das 5G-Zeitalter. Bis diese einsatzbereit ist, dürften ein paar Jahre vergehen.

Der Deal ist für Branchenkenner keine große Überraschung. Im April beendete Apple einen langjährigen Rechtsstreit mit Qualcomm und vereinbarte einen Lizenzdeal mit dem Chiphersteller. Der iPhone-Hersteller kann mehrere Jahre die Funktechnologie nutzen, auch für den neuen Mobilfunkstandard 5G.

Daraufhin sah Intel die eigenen Chancen schwinden, mit dem einzigen Kunden Apple dauerhaft im Geschäft zu bleiben – und kündigte an, die Sparte zu schließen. Da der Konzern aus Cupertino massiv in die Entwicklung eigener Komponenten investiert, galt Apple als ein Interessent.

„Apple freut sich, dass so viele exzellente Ingenieure unserem wachsenden Team für Mobilfunktechnologien beitreten“, erklärte der verantwortliche Manager Johny Srouji. Sie würden dazu beitragen, „unsere Entwicklung für zukünftige Produkte voranzutreiben und Apple in die Lage versetzen, sich auch in Zukunft weiter zu differenzieren.“

Mit dem Kauf hält Apple nach eigenen Angaben mehr als 17.000 Patente auf Mobilfunktechnologien. Diese reichen von Protokollen für Mobilfunkstandards bis zur Modemarchitektur. Das dürfte dem Konzern helfen, neue Patentstreitigkeiten mit Qualcomm und anderen Firmen zu vermeiden.

Apple investiert seit Jahren in eigene Chips, von Prozessoren für die mobilen Geräte über die Grafikverarbeitung bis zu einer Spezialkomponente, die die Apple Watch mit dem Internet verbindet. Dank der Integration bis zum Silizium könne man Hardware und Software „auf einzigartige Weise“ aufeinander abstimmen, sagte Srouji einmal.

Das macht sich zum einen bei der Leistung bemerkbar, zum anderen bei Funktionen. So nutzt die Gesichtserkennung im iPhone X und nachfolgenden Modellen Künstliche Intelligenz, um die Person vor der Kamera zu identifizieren. Der Prozessor kann die Algorithmen direkt auf dem Gerät ausführen, ohne Verbindung ins Internet.

Der Mobilfunkstandard 5G gilt als Schlüsselkomponente für künftige Smartphones. Er ermöglicht deutlich höhere Geschwindigkeiten und neue Anwendungen. Daher lässt Apple seit einiger Zeit Ambitionen erkennen, Mobilfunkmodems zu entwickeln. So hat der iPhone-Hersteller in San Diego, unweit der Qualcomm-Zentrale, ein Büro eröffnet und wirbt Mitarbeiter an.

Die Entwicklung ist allerdings langwierig und teuer. Anders als Samsung und Huawei, die neben Smartphones auch Netztechnik entwickeln, hat der Konzern aus Cupertino bislang keine Erfahrungen mit dem neuen Standard. Zudem muss ein Hersteller seine Geräte für die Netze zertifizieren lassen.

Bis Apple eigene 5G-Modems in iPhones und iPads einbauen kann, dürfte daher noch einige Zeit vergehen. Denn selbst mit dem Know-how von Intel könne Apple in den nächsten drei bis fünf Jahren kaum Produkte entwickeln, die eine Chance hätten, Qualcomm Konkurrenz zu machen, sagte der Analyst Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy.

Zudem könnten weitere Übernahmen nötig sein, um die komplexe 5G-Technologie zu beherrschen, erklärt das Analysehaus CCS Insights. Als mögliche Kandidaten sieht es Qorvo und Skyworks an. Beide Unternehmen beliefern Apple bereits jetzt.

Das Ende eines Experiments

Für Intel bedeutet der Verkauf das Ende eines Experiments. Der Chiphersteller aus dem Silicon Valley hat in den vergangenen Jahren viele neue Geschäftsfelder aufgebaut, auch aus Angst vor dem Niedergang des PCs. Mit Prozessoren für Netzwerkrechner hatte er lange durchschlagenden Erfolg, doch bei Smartphones konnte er nie so recht Fuß fassen.

Dabei waren die Hoffnungen groß, als Intel 2010 die Mobilfunksparte des Münchener Wettbewerbers Infineon für gut eine Milliarde Euro kaufte. Der Konzern hatte zwar bereits Chips für mobile Geräte im Angebot, aber bei den Prozessoren, die direkt die Netzverbindung etwa von Smartphones steuern, klaffte eine Lücke, die man mit der Infineon-Sparte damals schließen konnte.

Intel-Vizepräsident Anand Chandrasekher erklärte beim Kauf, Infineon habe nicht nur die Technologie, sondern auch gute Kunden. Einer davon war schon damals Apple. Nach der Übernahme wolle man das Geschäft durch Investitionen deutlich ausbauen. Der Plan ging nie auf.

Mit dem Verkauf gibt Intel nun einen großen Standort in München auf. Der US-Konzern sitzt Tür an Tür mit Infineon auf dem Campus des Dax-Konzerns im Süden der Stadt. Statt des blauen Intel Logos wird dort nun wohl bald der weiße Apfel zu sehen sein.

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