Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Software-Konzern Vom Start-up zum globalen E-Commerce-Dienstleister: Shopify greift Marktführer SAP an

Tesla und VW nutzen Shopifys Onlinehandels-Software bereits. Nun fordert Kanadas wertvollstes Unternehmen in Deutschland, der Heimat von Gründer Tobias Lütke, Marktführer SAP heraus.
23.10.2020 - 14:14 Uhr Kommentieren
Die Marktkapitalisierung des Unternehmen des nach Kanada ausgewanderten Deutschen liegt bei mehr als bei zwei Dritteln von SAP – alleine in diesem Jahr ist die Aktie der Kanadier um das 2,5-fache gestiegen, auf aktuell mehr als 1000 Dollar. Quelle: Pressebild
Tobias Lütke

Die Marktkapitalisierung des Unternehmen des nach Kanada ausgewanderten Deutschen liegt bei mehr als bei zwei Dritteln von SAP – alleine in diesem Jahr ist die Aktie der Kanadier um das 2,5-fache gestiegen, auf aktuell mehr als 1000 Dollar.

(Foto: Pressebild)

San Francisco, Hamburg In Loren Padelfords Büro stehen Snowboards, natürlich. Ein schwarzes mit der Aufschrift „Shopify Plus“ und ein in Grüntönen gestreiftes mit „Commerce for Everyone“, dem inoffiziellen Motto des wertvollsten kanadischen Unternehmens.

„Als wir wegen Covid ins Homeoffice umgezogen sind, habe ich mir die geschnappt“, sagt Padelford, Vizepräsident von Shopify. „Es ist wichtig, uns zu erinnern, wo wir herkommen.“ Denn Shopifys Aufstieg vom Start-up zum globalen E-Commerce-Dienstleister mit einer Börsenbewertung von 122 Milliarden Dollar beginnt mit zwei deutschen und einem kanadischen Gründer – und Snowboards.

Weil der in Koblenz geborene Tobias Lütke, nachdem er nach Kanada ausgewandert war, für seinen 2004 gegründeten Online-Snowboardhandel Snowdevil keine gute Software fand, entwickelte der Informatiker sie selbst. 16 Jahre, zwei Firmen-Umbenennungen und einen Börsengang später verkauft der Shopify-Chef sie an mehr als eine Million Händler.

Längst nicht alle davon sind die kleinen Snowboard- oder Buchhändler. Ihnen will Shopify in Anspielung an die „Star Wars“-Filme als selbst ernannter „Waffenhändler der Rebellen“ helfen, gegen den scheinbar übermächtigen Riesen Amazon zu bestehen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit Shopify Plus nutzen aber auch große Unternehmen wie Tesla, Volkswagen oder der Schokoladenhersteller Lindt den Dienstleister aus Ottawa, um etwa Logistik, Kundenverwaltung oder Zahlungsabwicklung auszulagern.

    Shopify Plus, das 2000 Dollar aufwärts pro Monat kostet, ermöglicht unter anderem, unbegrenzt Produkte einzustellen, mehrere Onlineshops zu verwalten oder international zu verkaufen. Der Kanadier Padelford ist seit seinem Start 2014 für das Premium-Programm verantwortlich – und bringt es nun nach Deutschland.

    Einer der frühesten Kunden für Shopify Plus war Red Bull. „Wir arbeiten mit ihnen seit sechs Jahren zusammen“, sagt der Manager über den österreichischen Energydrink-Hersteller, der seinen Fanartikel-Shop mit Shopify betreibt. „Red Bull war bereit, als Großunternehmen ein Experiment einzugehen, nachdem sie bis dahin mit einem sehr großen deutschen Softwarekonzern zusammengearbeitet hatten.“

    Dieser Software-Konzern ist SAP. Mit ihrer Commerce Cloud sind die Walldorfer ein direkter Konkurrent um die Großkunden, auf die es Padelford abgesehen hat. In der „Magic Quadrant“-Analyse des Marktforschers Gartner führt SAP den Markt für digitale E-Commerce-Lösungen mit einigen anderen Großkonzernen wie Salesforce, Adobe und Oracle an. Shopify zählt zu den vielversprechendsten Herausforderern.

    Grafik

    In Deutschland bekommt zudem der Hamburger Software-Mittelständler Novomind mit Großkunden wie C&A, Otto und Sixt neue Konkurrenz. Im Vergleich mit Shopify ist Novomind mit gut 46,6 Millionen Euro Umsatz und 400 Mitarbeitern klein.

    Novomind-Marketingchef David Spaeth will verstärkt herausstreichen, dass sein Unternehmen direkter mit Kunden in Deutschland und Europa zusammenarbeiten könne. „Online-Shops sind ja nie fertig. Wir sind kontinuierlich mit den Kunden für die Fortentwicklung in Kontakt“, sagt er. Zudem will er mit deutschen Rechenzentren und Datenschutz gegenüber Shopify punkten.

    Die Börse hat gewaltige Erwartungen an die Kanadier: Mit 714 Millionen Dollar machte Shopify im zweiten Quartal nur gut ein Zehntel des Umsatzes des wesentlich breiter aufgestellten SAP-Konzerns. Shopifys Marktkapitalisierung liegt dagegen bei mehr als zwei Dritteln der von SAP – allein in diesem Jahr ist die Aktie der Kanadier um das 2,5-Fache gestiegen auf aktuell mehr als 1000 Dollar.

    Die Pandemie hat Shopifys Geschäft extrem beschleunigt. Durch die Ausgangssperren weltweit brauchte plötzlich jede Pizzeria und jede Baby-Boutique einen einfach aufzusetzenden Onlineshop. Doch auch Plus-Abonnenten hat der Konzern im zweiten Quartal so viele gewonnen wie nie zuvor.

    „Manche unserer Kunden sind große, lokale Handelsketten. Sie wären überrascht, wie viele von denen gar keine eigene Website hatten“, sagt Padelford. Andere hätten dort nur ihren Katalog eingestellt, aber keine Shop-Funktion.

    Trotzdem gebe es auch Kunden, für die Shopify nichts sei. Wenn ein Produkt so komplex sei, dass es maßgeschneiderte Verkaufslösungen brauche, sei Shopify Plus nicht das richtige Produkt, erklärt Padelford. Telefónica etwa verkaufe mit der Plattform Smartphones, aber keine Mobilfunkverträge.

    Ein anderes Beispiel sei Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern biete mit Hilfe von Shopify für die Elektroautos von Skoda Ladegeräte und andere einheitliche Produkte im Shop an, einen Konfigurator für ganze Autos dagegen nicht. „Und das ist völlig okay für uns“, sagt Padelford. „Wir suchen Kunden, mit denen wir gemeinsam erfolgreich sein können.“

    „Die meisten Kunden launchen in unter 30 Tagen“

    Ein Vorteil, mit dem Padelford Kunden überzeugen will, ist Geschwindigkeit. „Software-Plattformen für Großkunden sind oft sehr kompliziert, erfordern viel technisches Wissen und Infrastruktur“, sagt er. Statt Scharen von Beratern stellt Shopify neuen Plus-Kunden sogenannte Launch-Engineers und Account-Manager beiseite. Viele Funktionen könnten Kunden aber selbst einrichten. „Die meisten unserer Kunden launchen in unter 30 Tagen.“

    Novomind-Manager Spaeth sieht bislang sechs Monate als typische Umsetzungszeit für neue E-Commerce-Software. Das ermögliche individuelle Anpassungen. Er sieht dabei Novomind als europäisches Unternehmen durch die Erfahrung mit verschiedenen Sprachen und Steuersystemen im Vorteil. Aus seiner Sicht könne Shopify beim Deutschland-Start hier Nachholbedarf haben.

    Der Online-Optiker Mister Spex ist dagegen mit Shopify Plus gerade nach Norwegen expandiert. Bestehende Shops können mit dem Dienst in der jeweiligen Landessprache geklont werden und sind in der Lage, Zahlungen in der Landeswährung anzunehmen. Unter den internationalen Kunden sind neben Tesla auch L'Oréal und Unilever.

    Das sind nicht unbedingt Rebellen im klapprigen Raumschiff – doch Shopify ist die Abgrenzung vom „Todesstern“ Amazon wichtig. „Die Kunden sind keine Shopify-Kunden. Die meisten werden nie merken, dass der Onlineshop mit Shopify läuft“, sagt Padelford. Ein Marktplatz wie Amazon sammle Daten aller Nutzer, auch von Dritthändlern auf seiner Plattform. „Bei uns gehören die Daten dem Kunden.“

    Shopify wolle seinen Kunden technologische Probleme abnehmen. Diese sollten sich stattdessen auf die Entwicklung von Produkten und ihrer Marke konzentrieren. „Die meisten Händler wollen nicht auch ein Technologie-Unternehmen werden“, sagt der Manager. Und das, obwohl Shopify den umgekehrten Weg gegangen ist. Snowboards verkauft das Unternehmen nämlich schon lange nicht mehr.

    Mehr: SAP kauft Online-Marketingspezialisten Emarsys und nimmt Salesforce ins Visier.

    Startseite
    Mehr zu: Software-Konzern - Vom Start-up zum globalen E-Commerce-Dienstleister: Shopify greift Marktführer SAP an
    0 Kommentare zu "Software-Konzern : Vom Start-up zum globalen E-Commerce-Dienstleister: Shopify greift Marktführer SAP an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%