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Softwareanbieter Teamviewer wächst langsamer als geplant – Aktienkurs bricht ein

Der Göppinger Softwarespezialist erreicht im zweiten Quartal die eigenen Erwartungen nicht. Damit kann Teamviewer nur noch das untere Ende der Prognose erreichen.
08.07.2021 Update: 08.07.2021 - 13:28 Uhr Kommentieren
Der Softwareanbieter hat mit seinen Produkten vom Homeoffice-Boom in der Coronakrise profitiert. Quelle: dpa
Teamviewer

Der Softwareanbieter hat mit seinen Produkten vom Homeoffice-Boom in der Coronakrise profitiert.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der schwäbische Softwareanbieter Teamviewer hat nach dem Corona-Boom vorübergehend an Schwung verloren und dämpft die Erwartungen für das Gesamtjahr. Die abgerechneten Umsätze – bei Teamviewer Billings genannt – seien im zweiten Quartal nur noch um 15 Prozent (währungsbereinigt um 18 Prozent) auf 121,6 Millionen Euro gewachsen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Göppingen mit.

Erwartet hatte das Unternehmen mindestens 20 Prozent Plus, im ersten Quartal waren es noch 26 Prozent gewesen. Im Gesamtjahr sei damit wohl nur noch das untere Ende der Umsatzprognose erreichbar: Zuletzt hatte das Softwarehaus bei den Billings mit einem Plus von 27 bis 31 Prozent auf 585 bis 605 Millionen Euro gerechnet.

Im zweiten Quartal ging das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) auf 56,6 (Vorjahr: 57,3) Millionen Euro zurück, die Marge schrumpfte auf 47 Prozent und lag damit deutlich unter dem Wert der ersten drei Monaten des Jahres. „Dies spiegelt die anhaltenden Wachstumsinvestitionen und die erwartete Saisonalität wider“, hieß es in der Mitteilung.

An der Börse wurde das Unternehmen für die enttäuschenden Nachrichten abgestraft: Nach der Mitteilung sackte die Teamviewer-Aktie am Donnerstag zeitweise um mehr als 16 Prozent auf bis zu knapp 27 Euro ab. Am frühen Nachmittag betrug das Minus noch mehr als 13 Prozent.

Teamviewer gehörte zu den großen Gewinnern der Coronakrise, weil seine Software den Zugriff auf andere Computer – etwa für die Fernwartung – ermöglicht. Die im Lockdown gewonnenen Kunden seien zwar überwiegend bei der Stange geblieben, doch hätten im April und Mai weniger Kunden ihre Verträge verlängert als gedacht. Im Juni habe sich das geändert, vor allem Verträge mit Großkunden seien hinzugekommen.

Die bereinigte Umsatzrendite (Ebitda-Marge) werde aber wie geplant zwischen 49 und 51 Prozent liegen. Hier hatte Teamviewer zuletzt bereits wegen zweier kostspieliger Sponsoring-Verträge Abstriche gemacht.

Teure Sponsoring-Verträge gelten als Risiko

Im März dieses Jahres hatte das MDax-Unternehmen angekündigt, ab der nächsten Saison Hauptsponsor des britischen Fußballklubs Manchester United zu werden. Spektakulär war aus Sicht der Finanzmärkte vor allem der Preis, den Teamviewer dafür zahlte: rund ein Zehntel seines Umsatzes, damals 46 Millionen Euro. Der Aktienkurs, der damals bei 42 Euro lag, sackte zeitweise auf unter 36 Euro ab.

Zum anderen ging Teamviewer einen Sponsorenvertrag mit dem Formel-Eins-Team von Mercedes ein. „Das wird sich auszahlen“, sagte der TeamViewer-CEO Oliver Steil. „Wenn wir unsere Anwendungsfälle im Sportbereich zeigen können, sind das große Würfe, die uns nach vorn bringen.“ So müsse Teamviewer nicht überall unterschiedliche Werbung machen.

„Die Hauptgründe für die enttäuschende Kursentwicklung in den letzten Monaten waren die Sportsponsoring-Deals und die Befürchtungen, dass das zwei Quartal schwach ausfallen könnte“, erklärt Armin Kremser, Analyst der DZ Bank, den Aktienkurs. „Letzteres ist nun eine bekannte Tatsache.“

Die Risiken spiegelten sich auch im aktuellen Kursniveau wider, meint Kremser. Der Analyst hält trotzdem an seiner positiven Einschätzung der Tech-Aktie fest: „Insbesondere im vierten Quartal, dem Hauptquartal für Vertragsverlängerungen, sollten wir wieder eine deutliche Belebung des Wachstums sehen.“

Jahresbeginn war für Teamviewer noch vielversprechend

Noch im ersten Quartal legten die Billings währungsbereinigt um 26 Prozent auf 146,6 Millionen Euro zu. Die Erwartungen von Analysten wurden noch leicht übertroffen. In den vergangenen zwölf Monaten hatte das Tech-Unternehmen drei kleinere Übernahmen gestemmt.

Teamviewer kaufte etwa das österreichische Start-up Xaleon, das auf Kundenbetreuung über digitale Kanäle spezialisiert ist. Der Kaufpreis lag „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“, hinzu komme eine erfolgsabhängige Komponente, hatte der Konzern mitgeteilt.

Die Übernahme soll Teamviewer ein neues Geschäftsfeld aufbauen. Mit der Spezialsoftware von Xaleon können beispielsweise Banken ihren Kunden per Chat oder Video beim Onlinebanking helfen, Autohersteller aus einem Konfigurator für ein neues Fahrzeug heraus ein Verkaufsgespräch starten.

Kernprodukt ist eine besondere Form des sogenannten Screensharings: Der Kundenbetreuer kann sehen, was der Kunde gerade auf der Seite der Firma sieht oder tut, bekommt aber keinen Komplettzugriff auf den Computer, wie es bei anderen Lösungen von Teamviewer der Fall ist.

Corona-Konjunktur vorbei

Noch im Juni galt Teamviewer trotz Korrektur nach dem Allzeithoch zu Beginn der Corona-Pandemie als Technologiehoffnung. neun von elf Experten, die die Aktie beobachten, rieten zuletzt zum Kauf, was selbst in der üblicherweise optimistischen Zunft viel Zuversicht ausdrückt. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 44,73 Euro. Das entspricht einem Potenzial von mehr als 50 Prozent.

Bereits im letzten Jahr schwankte das Geschäft nach dem starken Umsatz-Zuwachs durch die Coronakrise. Das Geschäft wuchs im zweiten Quartal 2020 zwar stark, das Auftragsvolumen legte um 75 Prozent zu. Im gesamten Jahr 2020 lag das Plus bei den Billings im Schnitt bei 44 Prozent.

2021 sollten die Billings des Software-Anbieters zwischen 585 und 605 Millionen Euro liegen, was einem Plus von rund 27 bis 31 Prozent zum Vorjahr entspräche.

„Das Wachstum kommt zum einen dadurch, dass wir inzwischen mehr Lösungen anbieten und zum anderen auch weiterhin Neukunden gewinnen“, sagte Steil. Unter dem Strich zählte Teamviewer Ende Juni mit 623.000 Abonnenten etwa 20.000 mehr als noch Ende März.

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Die Teamviewer-Aktie bleibt eine heiße Tech-Spekulation

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